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Refinanzierung Höhere Anleihezinsen zehren an den Gewinnen von Unternehmen

Unternehmen in Europa zahlen wieder mehr für Anleihen. Das schmälert die Gewinne der Konzerne. Für die Aktienmärkte ist das ein schlechtes Signal.
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Teure Bonds für den VW-Konzern. Quelle: dpa
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Teure Bonds für den VW-Konzern.

(Foto: dpa)

FrankfurtNeue Anleihen sind bei Investoren in Europa beliebt. Rund 37 Milliarden Euro haben Unternehmen am Bondmarkt allein im Januar eingesammelt und damit den besten Jahresstart seit 2009 hingelegt. Und es gab sogar wieder etwas höhere Zinsen. Doch was für Anleger bei Bonds attraktiv klingt, könnte ungünstig für Aktionäre sein. Denn deren Anteilsscheine könnten unter der teureren Refinanzierung der Firmen leiden.

Die meisten neuen Bonds in diesem Jahr waren massiv überzeichnet. So bekamen zum Beispiel Volkswagen und BMW Kaufangebote von mehr als zehn Milliarden Euro für mehrere Anleihen im Volumen von insgesamt 2,5 beziehungsweise drei Milliarden Euro. Um zwei neue Fresenius-Anleihen für zusammen eine Milliarde Euro rissen sich Investoren ebenfalls und hätten dem Gesundheitskonzern auch sieben Milliarden Euro geliehen.

Das zeigt: Unternehmen haben aktuell kein Problem, sich Geld bei Investoren zu leihen. Doch sie müssen dafür mehr zahlen. VW bot Anlegern für eine Anleihe mit siebeneinhalb Jahren Laufzeit eine Rendite von rund 2,5 Prozent pro Jahr, BMW für zehn Jahre jährlich knapp 1,6 Prozent, Fresenius für ebenfalls zehn Jahre knapp drei Prozent.

Im vergangenen Jahr kamen die Autokonzerne für vergleichbare Bonds noch mit Renditen von um die 1,2 Prozent (BMW) und 2,3 Prozent (VW) an Geld. Fresenius hatte die letzten Anleihen im Januar 2017 begeben. Damals begnügten sich Anleger mit 2,2 Prozent für ein Zehnjahrespapier.

Das sind keine Einzelfälle, der breite Markt zeigt ein ähnliches Bild. Die Renditen für Anleihen von Unternehmen mit Investmentgrade-Ratings und entsprechend guter Bonität sind seit Ende 2017 von 0,9 auf bis zu 1,3 Prozent gestiegen. Die Risikoprämie – der Renditeabstand zu Bundesanleihen – hat sich sogar auf bis zu 1,5 Prozentpunkte mehr als verdoppelt (siehe Grafik). Von ihren Jahreshöchstständen sind die Renditen und Risikoprämien zwar wieder gesunken, aber: „Unternehmen müssen Zugeständnisse machen, um Investoren für ihre Anleihen zu finden“, betont die US-Bank BofA Merrill Lynch.

Grafik

Das könnte für die Unternehmen zum Problem werden. Der Grund: Höhere Zinskosten zehren an den Margen und damit an den Gewinnen der Unternehmen. Die BofA Merrill Lynch hat fast zwei Dutzend europäische Unternehmen mit vielen ausstehenden Anleihen ausgemacht, denen eine teurere Refinanzierung besonders zu schaffen machen dürfte. Darunter sind neben VW und BMW aus Deutschland auch Lanxess, Heidelberg Cement und Bayer.

Auch Deutsche Bank zahlt mehr

Banken sind in der Studie außen vor, denn sie können sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) günstig Geld leihen. Am Anleihemarkt ist es aber auch für Banken teurer geworden, sich Geld zu leihen. Besonders deutlich trifft das die Deutsche Bank. Sie zapfte zuletzt vergangene Woche den Markt mit mehreren Bonds an. Für die Anleihe mit sieben Jahren Laufzeit lag die Rendite bei knapp 2,7 Prozent. Vor einem Jahr kam die Deutsche Bank selbst für zehn Jahre rund 0,8 Prozentpunkte günstiger an Geld.

Die BofA Merrill Lynch hat sich angesehen, was passieren würde, wenn Unternehmen abseits der Finanzindustrie einen großen Teil ihrer in ein bis fünf Jahren fälligen Anleihen durch neue zehnjährige Zinspapiere ersetzen würden. Das Ergebnis: Die höheren Zinskosten schmälern den Gewinn je Aktie um ein bis vier Prozent. Das klingt zunächst nicht zu dramatisch.

Aber viele Unternehmen dürften schon allein angesichts der schwächeren Konjunktur weniger verdienen als im abgelaufenen Jahr. So hat der Autozulieferer Continental die Anleger schon jetzt auf niedrigere Gewinne im laufenden Jahr vorbereitet, und auch die Vorstandschefs von Henkel und Daimler klangen bei ihren Bilanzpräsentationen alles andere als euphorisch.

Dafür, dass die Unternehmen auch künftig mehr für Anleihen zahlen müssen, sprechen vor allem zwei Gründe. Erstens die erwartete Konjunktureintrübung, die nicht nur die Aktionäre, sondern auch die Besitzer von Unternehmensanleihen beunruhigt. Zweitens die EZB. Sie wird zwar laut den jüngsten Andeutungen von EZB-Chef Mario Draghi die Leitzinsen womöglich in diesem Jahr doch noch nicht erhöhen.

Aber sie kauft seit diesem Jahr keine neuen Anleihen mehr, sondern ersetzt nur auslaufende Papiere. Damit fällt ein gewichtiger Nachfrager weg. „Die Auswirkungen auf den Markt könnten größer als erwartet sein“, warnen Fondsmanager von Aviva Investors. Seit Juni 2016 haben die Notenbanker Firmenbonds für insgesamt knapp 180 Milliarden Euro gekauft. Damit halten sie laut Aviva rund 30 Prozent des Marktes für auf Euro lautende Investmentgrade-Firmenbonds.

Die Renditen und Risikoprämien sind in Europa und den USA zuletzt wieder etwas gesunken, weil nicht nur die EZB, sondern auch die US-Notenbank (Fed) Anlegern die Angst vor Zinserhöhungen genommen hat. Doch ob es tatsächlich so kommt, ist ungewiss. Anders als die Märkte erwarten Ökonomen 2019 ein bis zwei Zinserhöhungen der Fed.

Wenn die Ökonomen recht behalten, dürfte das für Unruhe und erneut steigende Renditen und Risikoprämien sorgen. Und das nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Aktien würden durch die ungünstigeren Finanzierungsbedingungen der Firmen belastet. „Die Investoren an den Aktienmärkten achten seit geraumer Zeit sehr auf die Finanzierungsbedingungen der Unternehmen“, betont Christian Müller-Glissmann, Portfoliostratege bei der US-Bank Goldman Sachs.

Für Anleger am Aktienmarkt heißt dies, dass sie auch die Entwicklung an den Anleihemärkten und damit die Zinskosten der Unternehmen im Blick haben sollten. Der gute Start an den Aktienbörsen in diesem Jahr kann sich jedenfalls schnell wieder umkehren.

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