Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Reichenstudie Deutschland hat neun Milliardäre weniger: Superreiche sind ein bisschen weniger reich

Eine neue Studie aus der Schweiz zeigt: Nach Jahren des Wachstums ging die Zahl der Milliardäre im vergangenen Jahr zurück – auch in Deutschland.
2 Kommentare
Reiche: Warum die Superreichen ein bisschen weniger reich sind Quelle: dpa
Yachtausstellung in Hainan

Die Zahl weiblicher Milliardäre wächst – vor allem in China.

(Foto: dpa)

Zürich Die Reichen werden immer reicher – diese ökonomische Binsenweisheit galt für Milliardäre jahrelang. Doch nach Jahren des Wachstums ist das Vermögen der Superreichen im vergangenen Jahr erstmals gesunken. Das zeigt der „Billionaire Report“, den die Schweizer Großbank UBS und die Beratungsfirma PwC am Freitag veröffentlicht haben.

Die Vermögen der Superreichen gingen demnach im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit fünf Jahren zurück, und zwar insgesamt um 388 Milliarden Dollar. Weltweit zählt die Studie rund 2100 Milliardäre, das sind 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. „Der Milliardärsboom der vergangenen Jahre hat seine natürliche Korrektur erfahren“, sagt Josef Stadler, der bei der UBS das Geschäft mit den superreichen Kunden verantwortet.

Auch in Deutschland gibt es demnach weniger Superreiche: 2017 zählten die Studienmacher hierzulande noch 123 Milliardäre, 2018 waren es noch 114 – ein Rückgang von sieben Prozent.

Den Rückgang erklärt UBS-Banker Stadler mit der Unsicherheit an den Aktienmärkten angesichts des chinesisch-amerikanischen Handelskonflikts und des Brexits. Zudem lässt der starke Dollar die Reichen außerhalb der USA in der Statistik etwas weniger reich aussehen, denn die Studie vergleicht das Vermögen in der US-Währung.

Für den Rückgang der Milliardäre in Deutschland führt PwC-Experte Marcel Tschanz aber auch deutsche Besonderheiten an. So hätten die meisten deutschen Milliardäre ihr Vermögen im Konsumgüter- und Einzelhandelsgeschäft gemacht. „Und diese Branche zählt zu den Branchen, die im vergangenen Jahr am meisten gelitten haben“, sagt Tschanz.

Auch wenn die Gesamtzahl der Milliardäre in Deutschland sank, gab es der Studie zufolge im vergangenen Jahr vier neue Milliardäre in der Bundesrepublik. Konkrete Namen verraten die Studienmacher nicht. Ranglisten, etwa vom amerikanischen Forbes Magazine, nennen die Aldi-Erben Beate Heister und Karl Albrecht Junior sowie Lidl-Gründer Dieter Schwarz als die reichsten Deutschen.

Milliardäre sind meistens Männer – und die besseren Unternehmer

Noch sind die meisten Superreichen männlich: Die Studie zählt weltweit 223 Milliardärinnen, das entspricht einem Frauenanteil von lediglich elf Prozent. Doch die Frauen machen Boden gut. Die neuen Milliardärinnen seien Geschäftsfrauen und nicht etwa reiche Erbinnen, sagt UBS-Banker Stadler. Das gelte besonders für China, wo es die meisten neuen Milliardäre gibt: „In Asien sind heute mehr als die Hälfte der weiblichen Milliardäre Selfmade-Frauen.“

Grafik

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Auch wenn die Vermögen der Superreichen im vergangenen Jahr unterm Strich geschrumpft sind, sind Milliardäre mit ihren Unternehmen im langfristigen Schnitt erfolgreicher als andere Unternehmer. Dass lässt zumindest die Entwicklung von Aktienkursen und Unternehmensgewinnen vermuten.

Die Studienmacher verglichen etwa die langfristige Aktienkursentwicklung von Firmen, bei denen Milliardäre zu den Hauptaktionären zählen, mit der Kursentwicklung anderer Unternehmen. Das Ergebnis hat die Studienmacher überrascht: „Von Milliardären kontrollierte Unternehmen schnitten um ganze sieben Prozent besser ab“, sagt Stadler.

Diesen „Milliardärseffekt“ erklärt der Banker mit dem Investitionsverhalten der Superreichen. Diese hätten einen „smarten“ Appetit für Risiken und verfolgten eine langfristige Perspektive bei ihren Investitionen.

Chancen ungleich verteilt

Kritiker der sozialen Ungleichheit wie die Organisation Oxfam verweisen dagegen darauf, dass die Reichen die gesellschaftlichen Spielregeln zu ihren Gunsten beeinflussen können – um auf diese Weise noch mehr Vermögen anzuhäufen. Wer Geld hat, hat auch Einfluss, argumentieren die Kritiker. Ökonomen wie etwa Thomas Piketty verweisen zudem darauf, dass wohlhabende Menschen mit Kapitalanlagen höhere Renditen erzielen können als die Gesamtwirtschaft.

Die immer lauter werdende Diskussion um die globale Ungleichheit verfolgen auch die Vermögensverwalter der UBS, die mit den sogenannten „Ultra-High-Net-Worth“-Kunden lukratives Geschäft machen. Die Schweizer liefern sich dabei einen Wettstreit mit der heimischen Konkurrentin Credit Suisse, die ebenfalls im UNHW-Segment wachsen will.

„Viele Superreiche fühlen sich missverstanden“, sagt Stadler. Die Milliardäre seien durchaus für Chancengleichheit, wollten aber zugleich ihre Leistungen gewürdigt sehen. „Was Milliardäre nicht suchen, sind gleiche Ergebnisse. Was sie unterstützen, sind gleiche Chancen für alle“.

Mehr: Die neuen Milliardäre – Wie Superreiche die Welt verändern, wie sie an ihr Geld kommen und wofür sie es ausgeben

Das sind die reichsten Menschen der Welt
Platz 20: Ma Huateng
1 von 18

Der 46-jährige Chinese hat den Internetkonzern Tencent aufgebaut, zu dem auch der beliebte Messenger WeChat gehört. Damit erwirtschaftete er laut „Forbes“ ein Privatvermögen von 38,8 Milliarden Dollar – im Vorjahr waren es allerdings noch 45,3 Milliarden.

Die „Forbes“-Zahlen sind nur Schätzungen, die aber auf einem der weltweit aufwendigsten Schätzverfahren basieren und in der Branche als weitgehend zuverlässig gelten.

(Foto: AP)
Platz 19: Steve Ballmer
2 von 18

Der ehemalige Microsoft-Chef hat es in diesem Jahr in die Top-20 der reichsten Menschen der Welt geschafft. Sein Vermögen beträgt laut „Forbes“ 41,2 Milliarden US-Dollar, fast drei Milliarden mehr als im Vorjahr.

(Foto: dpa)
Platz 16 bis 18: Alice, Jim und Rob Walton
3 von 18

Walmart, die größte Supermarktkette der Welt, macht auch die Erben reich: Jim Walton (links) bringt es 2018 auf 44,6 Milliarden Dollar. Seine beiden Geschwister Rob Walton (Platz 18: 44,3 Milliarden Dollar) und Alice Walton (Platz 17: 44,4 Milliarden Dollar) besitzen ebenfalls ein stattliches Vermögen.

(Foto: AP)
Platz 15: Francoise Bettencourt-Meyers und Familie
4 von 18

Nachdem Liliane Bettencourt im September 2017 starb, erbte ihre Tochter das L’Oréal-Vermögen. 49,3 Milliarden Dollar machen Francoise Bettencourt-Meyers zu einer der reichsten Frauen der Welt. Ihr Vermögen legte laut „Forbes“ im vergangenen Jahr um mehr als sieben Milliarden Dollar zu.

(Foto: AP)
Platz 14: Sergey Brin
5 von 18

Google-Mitgründer Sergey Brin ist Präsident der Dachgesellschaft Alphabet und gilt als Kritiker der Einwanderungspolitik von US-Präsident Trump. Das Vermögen des gebürtigen Russen, der im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern in die USA auswanderte, beläuft sich laut „Forbes“ auf 49,8 Milliarden Dollar, ein Plus von mehr als zwei Milliarden Dollar gegenüber dem Vorjahr.

(Foto: AFP)
Platz 13: Mukesh Ambani
6 von 18

Der indische Geschäftsmann ist Vorstandsvorsitzender der Petrochemie-Firma Reliance Industries. Sein Vermögen beträgt zurzeit 50 Milliarden US-Dollar, fast zehn Milliarden mehr als noch im Vorjahr.

(Foto: Reuters)
Platz 11: David Koch
7 von 18

Koch Industries gehört zu den wertvollsten Unternehmen weltweit. David Koch verfügt wie sein Bruder Charles über 50,5 Milliarden Dollar. Während er oft auf Filmgalas und anderen gesellschaftlichen Großereignissen verkehrt, ist sein Bruder kaum in der Öffentlichkeit zu sehen.

(Foto: dpa - picture alliance)
Startseite

Mehr zu: Reichenstudie - Deutschland hat neun Milliardäre weniger: Superreiche sind ein bisschen weniger reich

2 Kommentare zu "Reichenstudie: Deutschland hat neun Milliardäre weniger: Superreiche sind ein bisschen weniger reich"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das sind in der Tat "interessante" Neuigkeiten. Deutschlands Milliardäre erfüllen eine wichtige soziale Funktion. Sie geben vielen Menschen Arbeit und steuern große Unternehmen. Ausserdem sollte berücksichtigt werden, das 2018 ein schwieriges Börsenjahr war. In 2019 sieht das alles schon viel entspannter aus. Daher kann beruhigt von einer wieder gestiegenen Anzahl ausgegangen werden. In einem Jahr ist man halt Milliardär im nächsten wieder nicht. So What?

  • Bevor die große Trauer ausbricht ob der weniger gewordenen Milliardäre in
    Deutschland, sollte man auch diese Zahl nicht vergessen:
    Nach den USA und China folgt an 3.Stelle
    DEUTSCHLAND.
    Dabei hat Deutschland innerhalb der EU einen Spitzenplatz bei der KINDERARMUT.
    Viel Spaß beim feiern.