Rettungsanker Gold „Notenbankpolitik wirkt wie ein Vorschlaghammer“

Seite 2 von 5:
„Ich fürchte die stete Sozialisierung des Systems“

In Ihrem Buch kritisieren Sie, das geschaffene Wachstum sei nur quantitativ, aber nicht qualitativ. Wie sähe denn qualitatives Wachstum aus?

Qualitatives Wachstum beruht auf sinnvollen Investitionen aus unternehmerischer Sicht. Die Konjunkturpakete à la Keynes manifestieren sich hingegen beispielsweise in den Geisterstädten Chinas oder Brücken in Japan, die ins Nirgendwo gebaut werden. Das alles passiert nur, um etwas Wachstum zu erzeugen. Das heißt, wenn wir einen Schuldenabbau sehen, dann rumpelt es im System. An diesem Punkt sind wir angekommen.

Diese Rohstoffe sind so günstig wie selten
hb_rohstoffpreise
1 von 20

Silber

Nach einem Hype in den vergangenen Jahren erlebte Silber 2013 ähnlich wie Gold einen starken Preisrückgang. Der Grund dafür ist die verhaltene Wirtschaftsstimmung: Knapp die Hälfte der weltweiten Silbernachfrage kommt von der Industrie. Deshalb hängt der Silberpreis stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab. Für das kommende Jahr rechnen Analysten aber wieder mit Erholung.

Preisänderung seit Jahresanfang: -39,4 Prozent

hb_rohstoffpreise
2 von 20

Gold

In den vergangenen Jahren galt Gold zwar als Krisenwährung. Doch in diesem Jahr verliert das Edelmetall in Augen vieler Anleger an Strahlkraft. So ließen die Spekulationen auf das Ende der lockeren Geldpolitik der Fed seinen Preis im Juni auf 1.181 Dollar pro Unze nach unten stürzen - der stärkste Einbruch seit 1920. Auch für das kommende Jahr erwarten die Analysten kaum Erholung für das Metall.

Preisänderung seit Jahresanfang: -27,4 Prozent

hb_rohstoffpreise
3 von 20

Kaffee

Das wohl beliebteste Heißgetränk der Welt ist ein Exportschlager aus Entwicklungs- und Schwellenländern. In Deutschland liegt der jährliche Kaffeekonsum pro Person im Durchschnitt bei 6,6 Kilogramm. Der Gesamtverbrauch an Kaffee in den USA beträgt pro Jahr circa 1,2 Millionen Tonnen. Das ruft Spekulanten auf den Plan, die mit der Kaffeebohne Kasse machen wollen und dadurch den natürlichen Mechanismus von Angebot und Nachfrage aushebeln.

Vom gefallenen Kaffeepreis können Verbraucher allerdings nicht profitieren. Die Preise im Supermarkt bleiben auf hohem Niveau, oder steigen sogar. Die Marge der Kaffeehändler steigt dementsprechend: Rechnet man Preis einer Kaffeekapsel auf das Kilogramm hoch, kostet der Kaffee in der Kapsel zwischen 60 und 70 Euro pro Kilo.

Preisänderung seit Jahresanfang: - 20,3 Prozent

hb_rohstoffpreise
4 von 20

Weizen

Anleger, die in Weizen investiert haben, dürften in diesem Jahr nur wenig Freude haben. Zuletzt sank der Preis für das Getreide auf ein 18-Monats-Tief, weil in den USA aufgrund günstiger Witterungsbedingungen eine Rekordernte in Aussicht steht. Die Lagerbestände dürften der US-Agrarbehörde USDA vor dem Erntebeginn 2014 auf der Nordhalbkugel auf 182,8 Millionen Tonnen steigen. Im November waren rund 178,5 Millionen Tonnen prognostiziert worden.

Preisänderung seit Jahresanfang: - 22,3 Prozent

Illustration Biosprit - Rapsfeld
5 von 20

Raps

Aus der gelben Blüte werden Öle zur Zubereitung von Bratgerichten hergestellt. Doch Raps gewinnt immer mehr Bedeutung als Mittel zur Herstellung von Biokraftstoffen. Dem Rapspreis hat es in diesem Jahr nicht geholfen. Er sank um mehr als ein Fünftel im Vergleich zum Vorjahr.

Preisänderung seit Jahresanfang: -21,4 Prozent

hb_rohstoffpreise
6 von 20

Platin

Platin ist nicht nur selten, es ist auch begehrt und nicht umsonst teurer als Gold. Es wird wegen seiner Härte und chemischen wie physikalischen Eigenschaften besonders bei Kleinteilen, Drähten, Leitern, aber auch als Legierung geschätzt. Darüber hinaus ist es als Uhren- und Schmuckmetall gefragt.

Preisänderung seit Jahresanfang: -19,0 Prozent

hb_rohstoffpreise
7 von 20

Mais

Mais ist vor allem in Südamerika und Südeuropa ein Grundnahrungsmittel, das vielseitig genutzt wird. Doch wie für Weizen sehen Analysten für den Maispreis in den kommenden zwölf Monaten eine sinkende Tendenz. So erwarten sie in den Vereinigten Staaten eine besonders gute Ernte. Rund zehn Prozent als im Vorjahr soll sie mehr einbringen. Für den Preis für die Kolben sind das keine guten Nachrichten. Erst Ende Oktober sank er auf den tiefsten Stand seit drei Jahren.

Preisänderung seit Jahresanfang: - 14,2 Prozent

Wo wird die Krise ihrer Meinung nach diesmal zuerst in Erscheinung treten?

Um unseren Berater im Advisory Board James Rickards, einen der weltweit bekannteste Vertreter der so genannten Komplexitätstheorie, zu zitieren: Es ist nicht möglich, im Vorhinein herauszufinden, welche Schneeflocke die Lawine auslöst. Aber es ist sehr wohl möglich, die Gefahr einer Lawine aufgrund der angehäuften Schneemenge einzuschätzen. Ich kann dieser Analogie einiges abgewinnen. Das System ist seit 2008 definitiv nicht stabiler geworden. Die größten Banken sind noch größer, die Volumen der Wertpapierwetten außerhalb der regulierten Börsen sind ebenfalls weiter gewachsen. Potenzielle „Schneeflocken“ für die nächste Lawine gibt es genug. Die Kredit- und Immobilienblase in China wird immer wieder als Gefahr genannt. Als Indikator für potenziell unruhigere Zeiten würde ich jedenfalls die Risikoprämien für Anleihen genau beobachten, denn wenn die Marktteilnehmer die Sicherheit der Anleihen hinterfragen, könnte die derzeitige Aktienrally zu einem jähen Ende kommen.

Und was würde im schlimmsten Fall passieren?

Ich bin eigentlich Optimist und glaube nicht an den bevorstehenden Weltuntergang. Nichts desto trotz ist eine stete Sozialisierung des Systems mit immer tieferen Einschnitten in das Privatleben ein Szenario, welches ich fürchte. Eine stetig steigende Staatsquote erfordert immer mehr Einnahmen aus Steuern und Gebühren. Um diese Gelder einzutreiben wird vor immer weniger zurückgeschreckt. Der Staat forciert sukzessiv den bargeldlosen Geldverkehr. Auch eine „Japanisierung“ unserer Wirtschaft kann ich mir gut vorstellen. Das Gefahrenpotenzial aus Japan wird meiner Meinung nach generell unterschätzt. In Japan beträgt die Inflationsrate bereits 3,5 Prozent. Die zehnjährigen Staatsanleihen bringen nur mehr eine Rendite von unter 0,6 Prozent – ein schlechtes Geschäft für die Pensionskassen. Die Schulden müssen früher oder später beglichen werden. Entweder durch einen Schuldenschnitt, unter dem auch die Privatbevölkerung – allen voran die Pensionäre - massiv leiden würde, oder durch eine massive Abwertung der Währung. Es kann auch eine Kombination aus beidem sein. Die finanzielle Repression – also der reale Verlust von Vermögen - wird zunehmen.

Die Inflation ist hierzulande niedrig, im Gegenteil herrscht die Sorge vor fallenden Preisen vor. Besteht also überhaupt die Gefahr stark steigender Inflationsraten?

Man muss fallende Preise, also Preisdeflation, von einer Schrumpfung der Kreditmenge, oder monetärer Deflation unterscheiden. Als Privatperson fürchten wir uns eigentlich gar nicht vor fallenden Preisen, im Gegenteil. Leicht fallende Preise stellen in einem gesunden Geldsystem grundsätzlich kein Problem dar. Unser derzeitiges Schuldgeldsystem benötigt jedoch permanente Geldmengenausweitung und ständige Preisinflation. Preisdeflation ist in diesem Geldsystem ein Symptom von schrumpfenden Kreditmengen und hat unangenehme Auswirkungen auf die Realwirtschaft.

Welche Folgen sehen Sie?

Bei Deflation würden sich die Steuereinnahmen massiv verringern, die Banken hätten weder Spareinlagen noch Kreditnachfrage. Es würde eine Spirale drohen, in der es schnell eine Bank nach der anderen erwischt. Kreditdeflation ist für die Gesellschaft sehr schmerzhaft. Aufgrund der hohen Schulden der Staaten und mittlerweile auch der Unternehmen und Privatleute können die Realzinsen aber nicht mehr ansteigen, weil höhere Zinsen der Todfeind für die hochverschuldeten Staaten ist. Ohne höhere Zinsen fehlt den Staaten wiederum der Anreiz zu mehr Haushaltsdisziplin. Der einzige Ausweg bleibt Inflation. Die systemische Inflationssucht stammt aus unserem derzeitigem Geldsystem.

„Anleger sollten gegen den Mainstream investieren“
Seite 12345Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Rettungsanker Gold - „Notenbankpolitik wirkt wie ein Vorschlaghammer“

1 Kommentar zu "Rettungsanker Gold: „Notenbankpolitik wirkt wie ein Vorschlaghammer“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Sehr gutes Interview!
    Es gibt sie noch, die klar und präzise denkenden Menschen...

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%