Risiken bei der Geldanlage Wie Eis in der Sonne

Tiefe Zinsen sind gefährlich für das Vermögen. Deshalb warnt die Deutsche Bank mit einem Koloss aus Eis vor der schleichenden Enteignung. Wie die Geldmanager deutsche Sparer bekehren und diese ihre Altersvorsorge retten.
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Die Ziffern aus Eis sollen Zinssparern das reale Abschmelzen ihres Vermögens visualisieren. Quelle: PR
Schmelzendes Eis

Die Ziffern aus Eis sollen Zinssparern das reale Abschmelzen ihres Vermögens visualisieren.

(Foto: PR)

FrankfurtMittwoch, 10 Uhr früh, Frankfurt-Innenstadt, Rossmarkt. Eine Ortsbegehung. Die Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank hat ein Spektakel angekündigt. Und da steht er tatsächlich, das Objekt der Neugierde.

Siebeneinhalb Tonnen wiegt der Block. Es ist eine zehn Meter lange und zwei Meter hohe Ziffernfolge: 2.016.000.000.000. So viel Euro haben die Deutschen an Zinsanlagen, etwa auf Girokonten, in Festgeldern und auf Sparbüchern. Die Deutsche Asset & Wealth Management, so der sperrige Name des Vermögensverwalters, hat sich das kalte Spektakel ausgedacht: die Ziffern und der Fußblock des Kolosses sind aus Eis.

„Like Ice in the Sunshine“, titeln die Anlageexperten dazu. Es soll anschaulich werden, wie das Kapital fast unmerklich verschwindet, wenn der Zins praktisch abgeschafft ist und die Inflation zusätzlich am Wert nagt. Das dauert Jahre. Mit den Eisziffern geht es schneller. Die beginnen auf dem Rossmarkt bei klarem Himmel und Sonnenschein sofort zu tropfen. Ein Security-Mann in Anzug und Sonnenbrille wacht darüber, dass niemand das gefrorene Werk mit den Händen berührt. Doch die Normalbürger gehen ohnehin wenig interessiert an der Skulptur vorbei.

Was aus 100.000 Euro wurde
Öl (Brent)
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Der Ölpreis hat dieses Jahr ziemlich Federn lassen müssen. Wer seit Jahresbeginn 100.000 Euro in das „schwärze Gold“ investiert hat, hätte jetzt nur noch 80.010* Euro. Die hohe Überproduktion, auch ausgelöst durch das Fracking in den USA, und Sorgen um eine schwächere Weltkonjunktur ließen den Ölpreis einbrechen.

Quellen: Bloomberg, Bank of America Merrill Lynch, FMH Finanzberatung

*Anlageergebnis in Euro gerundet ohne Steuern und ohne Kosten für Wertpapierkauf und Wertpapierverwahrung. Bei Öl Terminkontrakt,  bei Anleihen und Aktien Indizes.

Dow Jones
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US-Aktien boten dieses Jahr bisher ebenfalls wenig Grund zur Freude. Wer zum Jahresstart 100.000 Euro in den Dow Jones Index gesteckt hätte, würde (wenn er jetzt verkaufen würde) nur noch 92.680 Euro besitzen. Der große Absturz kam vor allem Ende August. Im Vorjahr hatte der Index um rund acht Prozent zugelegt.

Shanghai Composite
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Ebenfalls bergab, wenn auch nicht ganz so stark, ging es für chinesische Aktien. Aus 100.000 Euro, die in den Shanghai Composite investiert wären, wären heute 93.600 Euro geworden. Für Turbulenzen an den chinesischen Börsen sorgten vor allem Konjunkturängste. Anleger befürchten, dass sich die chinesische Wirtschaft deutlich abkühlen könnte. Die Abwertung der chinesischen Währung verstärkte diese Sorgen und sorgte für einen Kursrutsch.

MSCI Emerging Markets
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Die einstigen Hoffnungsträger, die Schwellenländer, enttäuschten bisher auch. Die traumhaften Wachstumsraten sind schon lange vorbei und Investoren zogen ihr Geld aus den Schwellenländern ab. Aus 100.000 Euro im MSCI Emerging Markets wären seit Jahresbeginn 96.980 Euro geworden. Bekannteste Vertreter der Schwellenländer sind die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika). An der Börse Börse in Bombay (Bild) ging es Ende August auch kräftig abwärts.

MSCI World
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Die Aktien der Industrieländer schnitten nur etwas besser ab – ein Plus schafften allerdings auch sie nicht. Wer 100.000 Euro in den MSCI World Index investiert hätte, hätte heute 98.130 Euro.

Deutsche Anleihen
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Fast unverändert ist die Entwicklung bei deutschen Staatsanleihen. Aus 100.000 Euro wurden hier 99.900 Euro. Während Anfang des Jahres die Zinsen 10-jähriger Bundesanleihen deutlich sanken, zogen sie im August rapide an. Vor allem die Unsicherheiten in China und die Turbulenzen an der Börse trieben die Anleger wieder in Anleihen.

Tagesgeld
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Das erste Plus in dieser Aufzählung, wenn auch nur ein kleines, schafft das Tagesgeld (Durchschnitt). Wer 100.000 Euro zum Jahresbeginn auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt hätte, der würde heute über 100.400 Euro verfügen.

Ähnlich ist es auch in der Wirklichkeit. Wir Deutsche reagieren bisher kaum auf die neue Welt der Nullzinsen. Vielleicht ändert sich das bald, wenn immer mehr begreifen was passiert. Denn das Vermögen wird noch lange schmelzen. Die Deutsche-Bank-Geldverwalter erwarten bis zu drei weitere Jahre tiefe Zinsen. Die Experten des Finanzhauses Main First lehnen sich sogar sehr weit aus dem Fenster und wagen die Prognose: Es dauert noch zwei Jahrzehnte – japanische Verhältnisse nennt man das in der Finanzbranche.

Wer klassisch fürs Alter anspart, der wird demnach scheitern. Ohne Zins kein Zinseszins, keine Geldvermehrung. Viele dürften am Lebensabend zu wenig in der Hinterhand haben. Altersarmut ist das Schreckenswort. Soweit darf es nicht kommen. Die Strategen der Deutsche-Bank-Anlagesparte propagieren deshalb auf dem Rossmarkt wie viele ihrer Konkurrenten: Bitte mehr Geld höher rentierlich anlegen. Im Mittelpunkt steht dann die Aktie.

Auf den ersten Blick scheint der Tag für so eine Werbeaktion schlecht gewählt zu sein. Allen steckt noch der Börsencrash vom Montag in den Knochen. Doch das ist nur ein winziger Zeitausschnitt. Man spart schließlich über viele Jahre und Jahrzehnte fürs Alter. Da fällt ein miserabler Tag oder eine schlechte Börsenphase nicht ins Gewicht.

Die deutsche Furcht vor der Aktie
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11 Kommentare zu "Risiken bei der Geldanlage: Wie Eis in der Sonne"

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  • Die Aktie ist für mich in erster Linie eine Beteiligung
    an einem Unternehmen und nicht ... "Geld verleihen".
    Das ist eine Sache der Einstellung.
    Verleihen wir uns gegenseitig nur Geld und möchten dann
    davon leben ... verhungern wir gemeinsam.

  • Noch vor wenigen Jahren hat sich Angela Merkel und Schäuble von Joseph Achermann der Deutschen Bank beraten lassen. Darauf hin wurden GR Hilfen gezahlt und Draghi geheiligt ohne Blick auf die Realität. Nun plötzlich, seitdem der Inder die Deutsche Bank in Miskredit gebracht hat, zählt die Stimme der Deutschen Bank nicht mehr? Da müssen die einen Eisblock in Frankfurt - den Sitz der EZB - aufbauen, und Merkel - EU - EZB ignorieren das ? Da kann ja nur die FED mit Goldman Sachs dahinter stecken. Sie sind die nie ausgesprochenen Bosse des Herrn Draghi, der unsere Zinsen zu verantworten hat und den Euro auf GR Niveau drückt, damit das Euro Abenteuer keine Revolutionen in der EU entfacht. Ohne einen zweiten und vielleichten dritten failed state wie GR hört das Euro Zeitalter nie auf, zu viele Invstoren profitieren davon.

  • ...und warum sollte es Freibeträge für leistungslos erzielte Kapitalerträge geben? Diese sind ohnehin schon steuerlich bevorzugt gegenüber Arbeitseinkommen. Das untergräbt das Leistungsprinzip.

  • "Wer dazu noch gute Kontakte zu nicht qualifizierten Menschen aufbaut"
    Das sollte ja kein Problem sein, gibt ja genug hier im Forum...

  • Der Aktienblase geht die Luft aus, sobald die EZB aufhört, den Markt mit Falschgeld, d.h. fiat Währung zu fluten. An den realen strukturellen Kerndaten hat sich in führenden Industrienationen seit Jahren nichts geändert, das einen Anstieg der Aktienindices rechtfertigt. Im Gegenteil, es altert, wird maroder und bekommt irgendwann mal den natürlichen Herzinfarkt bzw Stroke.

  • Wenn der Michel endlich mal gelernt hätte in Aktien (und Immobilien) für die Altersvorsorge zu sparen, dann müsste er/sie jetzt nicht so rumjammern wie ein Kleinkind und hätte mit dem akt. Zinsniveau überhaupt kein Problem. Völlig egal, ob man(n) das mit 1.000, 10.000 € (oder mehr) mtl. frei verfügbaren Einkommen selbst macht oder damit eine professionelle Vermögensverwaltung beauftragt.

  • Unabhängig davon, ob man gerade jetzt in Aktien oder gute Fonds investieren soll (die zu finden, ist u. U. nicht einfach), wird man langfristig um ein solches Investment nicht herumkommen. Die Zinsen auf Geldanlagen gehen trotz einer realen Inflation gegen "Null", Immobilien (auch Äcker) sind für mich nur eine Beimischung, eben weil sie im Notfall "im"mobil sind und der Staat viel zu leicht auf sie zurückgreifen kann, wenn er sich mal wieder zu einer Enteignungsorgie entschließen sollte. Man denke nur an den gigantischen Verschuldungsberg – auch in Deutschland. Ein großer Nachteil von Aktien und ein Grund, warum viele sie meiden, ist jedoch die steuerliche Benachteiligung von Erträgen (Dividenden) gegenüber anderen Anlageformen. Zudem sind die geringen Freibeträge ein schlechter Witz. Unter der Ägide des alle Anleger hassenden SPD-Finanzministers Steinbrück wurden 2009 zudem noch die Absetzbarkeit von Werbungskosten (ein Unikum in der Steuersystematik) und die Spekulationsfristen gestrichen. Kaum eines unserer Nachbarländer behindert und bestraft Vorsorgesparen – gleich welcher Art - derart wie der Hochsteuerstaat Deutschland, während scheinheilige und überproportional gut versorgte Politiker nicht müde werden, zu eben dieser Zusatz-Vorsorge aufzurufen. Selbst in Frankreich, das gemeinhin auch als Hochsteuerland gilt, existiert ein jährlicher Freibetrag von 20.000 € für Kursgewinne, in Luxemburg sind es bei einer Haltefrist von nur 6 Monaten gar 50.000 €, in Großbritannien auf sämtliche Kapitalerträge immerhin 6.800 €.

  • Zunächst einmal marketingtechnisch eine tolle Idee - das war es aber auch schon.

    Niemand hat einen Anspruch auf Zinsen, daher sind niedrige oder negative Zinsen auch keine "Enteignung".

    Altersvorsorge durch Sparen in einen Kapitalstock kann auch nicht für alle funktionieren, denn der Aufbau eines Kapitalstocks geht stets zulasten der Nachfrage heute. Und die heutige Nachfrage und die erwartete Nachfrage in der nahen Zukunft ist die Basis für Investitionsentscheidungen von Staat und Wirtschaft.

    Und zu guter Letzt kann niemand auf Dauer einen höheren Zins erhalten, als in der Realwirtschaft verdient werden kann.

  • och nö.

    Die beste Altersvorsorge besteht in einem Acker.
    Wer dazu noch gute Kontakte zu nicht qualifizierten Menschen aufbaut, der wird im Alter sicherlich eine Arbeitskraft finden die den Acker umgräbt.

  • Bei der gegenwärtigen Unpolitik der unfassbar inkompetenten und in wahrhaft allen Bereichen, außer der Selbstbereicherung, überforderten Bundesregierung, die nur noch ausgesucht dümmliche und realitätsfremde Phrasen drischt, ist die allerbeste Altersvorsorge eine Kapsel Zyankali.

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