Risikokapital Mit diesen sechs Maßnahmen sollen die Finanzierungsprobleme deutscher Start-ups gelöst werden

Deutschland fehlen Wachstumsfinanzierungen für innovative und junge Unternehmen. Berater von Roland Berger wollen das ändern – und bitten den Staat zur Kasse.
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In der wichtigen Wachstumsphase gibt es bei jungen deutschen Firmen oft bedenkliche Finanzierungslücken. Quelle: dpa
Gründerhaus in Berlin

In der wichtigen Wachstumsphase gibt es bei jungen deutschen Firmen oft bedenkliche Finanzierungslücken.

(Foto: dpa)

BerlinDeutschland droht bei der Finanzierung von Innovationen international ins Hintertreffen zu geraten – deshalb schlagen jetzt Verbände, Unternehmensberater und Wissenschaftler Alarm. Anlässlich des „Deutschen Eigenkapitaltags“ des Branchenverbands BVK ist an diesem Donnerstag ein Aktionsplan vorgestellt worden, der zu mehr Finanzierungen für Gründer und junge Technologiefirmen führen soll.

Der Misere am deutschen Markt soll mit einem ganzen Maßnahmenbündel begegnet werden. Mit insgesamt sechs Instrumenten wollen Experten den Teufelskreis durchbrechen:

Empfohlen wird in einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, der Denkfabrik Internet Economy Foundation sowie des Branchenverbands BVK die Förderung mischfinanzierter Modelle, wobei beispielsweise zu jedem investierten Euro privater Mittel der gleiche Betrag aus staatlichen Mitteln beigesteuert würde. Der Mittelbedarf wird hier pro Jahr auf zehn Milliarden Euro geschätzt.

Zusätzlich soll ein „Zukunftsfonds Deutschland“ neue Anreize für Profi-Anleger schaffen, „risikoreduziert“ in innovative Geschäftsmodelle zu investieren. Der Dachfonds solle die Risiken über viele einzelne Fonds streuen.

Anleger, die an einer Festverzinsung interessiert sind, könnten ihr Geld dabei auch in eine staatliche Anleihe stecken, die wiederum in den Dachfonds investiert wird. Der Staat würde bei dieser Variante ausschließlich eine Ausfallgarantie übernehmen.

Außerdem wirbt die Initiative für mehr kapitalbasierte Elemente im Rentensystem – einschließlich Anlagemöglichkeiten in Risikokapital.

Hinzu kommen müssten laut den Initiatoren noch bessere rechtliche Rahmenbedingungen, eine stärkere Kommunikation über erfolgreiche „Leuchtturm-Projekte“ und eine „Exzellenzinitiative“, die Wissenschaftler, Studierende und Forschungsinstitute dabei unterstützen soll, ihre Ergebnisse über Start-ups auf den Markt zu bringen.

„Es sind mehrere Teufelskreise, die wir durchbrechen müssen, um eine Abwärtsspirale aus mangelndem Kapital und Abwanderungstendenzen der Start-ups ins außereuropäische Ausland aufzuhalten“, sagt BVK-Vorstandssprecherin Regina Hodits zur Begründung für die geforderten Maßnahmen. Ziel müsse es sein, mehr Kapital institutioneller Investoren wie etwa Versicherer, Pensionskassen oder Stiftungen zu mobilisieren.

Es sei kein Zufall, dass die fünf wertvollsten US-Unternehmen ihren Sitz in den USA haben, weil es dort eine lange Tradition der Finanzierung mit Venture Capital gebe. Konzerne wie Facebook, Google oder Amazon wurden in ihren Gründerjahren und bei der Expansion ihrer Geschäftsmodelle aus dem Silicon Valley heraus von milliardenschweren Venture-Capital-Fonds unterstützt.

Zwar hätten sich in Europa die Venture-Capital-Investitionen in den vergangenen fünf Jahren auf zuletzt knapp 16 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Der Abstand zu den USA ist aber nach wie vor riesig, dort wurden im vergangenen Jahr fast 64 Milliarden Euro in die Champions von morgen investiert.

Vor allem in der wichtigen Wachstumsphase der jungen Firmen – im Fachjargon als Later Stage bezeichnet – sei die Finanzierungslücke bedenklich, erklärt Hodits. In den USA entfielen mit 34 Milliarden Euro mehr als die Hälfte der VC-Investitionen in diese Phase, in Deutschland sei es dagegen weniger als ein Drittel des ohnehin viel geringeren Kapitals.

Im Mittel bekommt ein deutsches Wachstumsunternehmen knapp 3,3 Millionen Euro, um sich besser im Markt zu behaupten, in den USA sind es dagegen gut 24 Millionen Euro. Ein Hauptgrund hierfür sind die imVergleich zu den USA sehr kleinen Fondsgrößen in Europa. „Volkswirtschaftlich betrachtet ist Venture Capital mehr als eine Anlageklasse, es ist geradezu ein Treibstoff für Innovation, Wachstum und Beschäftigung“, sagt Ex-Telekom-Chef René Obermann, der heute für den Finanzinvestor Warburg Pincus arbeitet.

Außerdem wird Europa derzeit von den asiatischen Wagnisfinanzierern überholt. Alleine im ersten Quartal 2018 entfielen weltweit neun von zehn Deals auf Asien, wobei die Mittel nicht immer nach China fließen. Größte Einzelfinanzierung war beispielsweise die indonesische Internet-Plattform Go-Jek, die Zahlungs-, Liefer- und Transportdienste anbietet.

Hier bekamen die Macher insgesamt 1,5 Milliarden Dollar für die weitere Expansion, geht aus einer Analyse des Datenhauses Preqin hervor. In diesem Jahr könnte sogar der nordamerikanische Markt erstmals vom asiatischen überholt werden, meint Risikokapitalexperte Felice Egidio.

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