Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Riskant und teuer Stopp – bloß nicht investieren!

Seite 9 von 10:
Bizarre Truppe in der Prärie

Es war eine merkwürdige Reisegruppe, die vorletzte Woche durch die verschneite kanadische Prärie stapfte. Ihre Mission: Die WirtschaftsWoche zu widerlegen. Der Grund: ein Bericht über die Geschäfte des Ölfonds-Anbieters „Proven Oil Canada“.

Über ein Konzept, das verblüffend an mehr als 30 Jahre alte Ölfonds des Pleitiers Jürgen Hanne erinnert. Über undurchsichtige Gesellschafterstrukturen, und unklare jährliche Fördermengen.

Nun also machte sich Fondsanalyst Stephan Appel auf, das Gegenteil herauszufinden, er prüfte die Proven-Oil-Mutter Conserve Oil und stellte fest: Die Vorwürfe sind „substanzlos, diffamierend und dilettantisch recherchiert“.

Überraschend? Kaum. Flug und Hotel hat Proven Oil für Appel bezahlt, zudem bekommt er etwa 7.500 Euro Honorar. Begleitet wurde er von Robert Hellmuth und Matthias Sdrenka. Was die dort taten, war Appel selbst nicht ganz klar. „Der Part kritischer Nachfragen blieb im Wesentlichen mir überlassen“, teilte er zunächst mit. Am letzten Tag seien Sdrenka und Hellmuth Souvenirs kaufen gewesen. Zwei Tage später relativierte Appel: Er hätte sich „manchmal mehr Neugier gewünscht“, allerdings hätten die anderen „systemgemäß“ einen besseren Informationsstand als er.

Wer die Hintergründe von Sdrenka und Hellmuth kennt, wundert sich weniger als der Analyst. Sdrenka ist der Mittelverwendungskontrolleur für die acht Proven-Oil-Fonds, die von 11.000 Anlegern rund 300 Millionen Euro eingesammelt haben.

Nur mit seiner Zustimmung dürfen Anlegergelder ausgegeben werden. Hellmuth verwaltet als Treuhänder die Beteiligungen etlicher Anleger, doch er steht auf Sdrenkas Payroll: Hellmuth ist Chef der „HanseVermögen Treuhand“, alleiniger Gesellschafter aber ist Sdrenka. Ein alter Bekannter des Hanne-Vertrauten Jürgen Hainzl – und stets beteiligt bei allen drei Versuchen, deutsche Anleger in Öl zu locken.

Im Oktober 2005 wird in Calgary, Kanada, die Conserve Oil Corporation gegründet. Zwei Wochen später folgt in Hamburg die Verwaltungsgesellschaft „Conserve Oil Canada“ und dann der Fonds „Conserve Oil Canada 1.“ Geschäftsführer ist Heinz S.* , er will seinen Steuerberater einschalten. „Jürgen Hainzl hat aber darauf bestanden, dass sein eigener Steuerberater die Prospekte macht“, sagt S. Dessen Name: Matthias Sdrenka. Sdrenka äußert sich wegen beruflicher Verschwiegenheitspflicht nicht. Auch Hainzl sagt nichts, zuvor hatte er eine Verbindung zu den Firmen bestritten.

Eine Idee, die nur kurz lebte
Seite 12345678910Alles auf einer Seite anzeigen

5 Kommentare zu "Riskant und teuer: Stopp – bloß nicht investieren!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • So ist es. Genau die gleichen Erfahrungen habe ich auch gemacht. Viele sind beratungsresistent bis zum Abwinken, was soll man dazu noch sagen? Ich berate im Bereich Währungs- und Zinsmanagement KMUs und gelegentlich auch mal Kommunen oder Landkreise. Kann mich noch gut an einen Landrat erinnern, der vor ein paar Jahren ca. 150 Mio Kassenkredite in CHF finanzieren wollte und, entgegen meinem Rat auch hat. Die Kredite bestehen immer noch (Kassenkredite!), mehr brauche ich da wohl nicht zu erwähnen. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, danach sind sie dann wieder die armen Sparer, die nur ihr Geld GANZ sicher anlegen wollten und von dem BÖSEN Berater reingelegt wurden. Was den Landrat angeht, in diesem Falle konnte ich eindeutig belegen, dass ich dringend von der CHF-Finanzierung abgeraten hatte. Ist wohl einfach so, gegen Dummheit helfen auch keine Gesetze.

  • Kommt mir sehr bekannt vor. ich habe auch mal bei einer bank gearbeitet. Kann mich an Zeiten vor der Finanzkrise erinnern: Meine KUnden waren zinsgeil wie nur was. Bei 3% p.a. schmissen sie das Angebot mir vor die Füße. Einige haben ihr Geld in Island angelegt, nicht wenige davon waren nach Zusammenbruch des BAmkensystems aufeinmal ganz arme kleine Anleger, die ja nur ihr Geld vernünftig anlegen wollten. Ich habe kein Mitleid mit solchen Zinsjägern.

  • Alles recht "interessante" Geschäftsideen. Ich bekomme speziell die Anziehungskraft der Prokon Genussrechte beinahe täglich mit.

    Ich arbeite als Berater in einer Bank. Lassen wir an dieser Stelle bitte kurz außer Acht, dass das ja das letzte ist, ich sämtliche Kunden nur über den Tisch ziehe, mich schämen sollte und meine Seele sowieso verloren ist.

    Sonst sehr zurückhaltende und konservative Kunden, oftmals zwischen 50 und 70 Jahren alt, die ihr Geld für unter 0,5% auf dem Tagesgeldkonto vorhalten, denen jedes Wertpapier außer einer Bundesanleihe zu riskant ist und die mir (ich weiß, ich weiß, zurecht...) reserviert bei jeglichen Anlagevorschlägen entgegenkommen gehören zu meiner Kundschaft.

    Neuerdings kommen einige dieser Kunden auf mich zu, fragen nach den Zinssätzen für Tages- und Festgeld und werfen mir dann entweder eine Prokon-Anzeige direkt auf den Tisch oder erzählen mir zumindest davon. Mehrmals fiel dann tatsächlich der Begriff des "Öko-Sparbuchs" bzw. "Erneuerbare-Energien-Sparbuchs" oder aber "Wind-Sparbuchs". (Wobei letzterer Begriff, wenn auch anders gemeint, fast wieder passt). Der Versuch zu erklären, dass es sich hier um Genussrechte handelt und welche Risiken dahinter stecken wird oftmals eher belächelt und beantwortet mit dem Argument, dass erneuerbare Energien doch DIE Zukunft sind. Wenn ich dann erwidere, ob dazu auch Solar gehört (was natürlich bejaht wird) und ob sich die Herrschaften einmal das Schicksal der meisten deutschen Solarunternehmen angeschaut haben kommt dann oftmals: "Ja, aber hier geht es doch um Wind!".

    Hier tickt mit Sicherheit die nächste Bombe, die bald etliche, meist Kleinanleger um ihr Geld bringt. Und mit Sicherheit wird auch meine Kundschaft dann mit Sicherheit aufschreien: "Hätten wir das gewusst!!"

    Ich erinnere mich da z.B. auch noch an die unglaublich tollen Zinssätze, die isländische Banken offerierten...Aber das ist eine andere Geschichte

  • Logisch, man sollte nur dort investieren wo nachweislich auch die Sachgüter existieren!
    Man sollte sich vorher auch Auskünfte über die Geschäftsleitung besorgen.

  • +++ Steinbrück und die WINDIGEN GESCHÄFTE ++++++++

    Allerdings hat Steinbrück eine andere, finstere Seite, die das zarte Pflänzchen sozialdemokratischen Selbstbewusstseins zu zerhäckseln droht.

    Steinbrück hatte mit dem jetzt schon wieder zurückgetretenen Roman Maria Koidl einen Berater geholt, der die windigen Finanzgeschäfte macht, welche die SPD einhegen will.

    Daraus spricht eine Geringschätzung des politischen Kerngeschäfts und eine große Ferne zur eigenen Partei.
    Artikel zum Thema

    Haushaltsdebatte im Bundestag
    Berlin liegt in Griechenland

    Wie in der Honoraraffäre ist Steinbrück unfähig, die Wirkung seiner Entscheidungen einigermaßen solide zu kalkulieren. Das ist eine Instinktlosigkeit, die keinem Mangel an Intelligenz, sondern einem allzu großformatigen Selbstbewusstsein geschuldet ist. Taugt so ein Ego-Shooter, dessen Lernfähigkeit offenbar enge Grenzen hat, als Kanzlerkandidat? Oder sogar als Kanzler? Die SPD hat zwei Probleme: Merkel und Steinbrück.

Serviceangebote