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Riskant und teuer Stopp – bloß nicht investieren!

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Eine Idee, die nur kurz lebte

Die Investmentidee, eine Raffinerie zum Cracken von Altöl zu errichten, lebte nur kurz. Das Geld war schnell alle, berichtet S. Mehrere Personen, darunter Jürgen Hainzl, hätten einen aufwendigen Lebensstil gepflegt. „Hainzl bekam ein Auto gestellt und pro Monat mehrere Tausend Euro in bar. Dazu kamen ständige Reisen nach Kanada“, so S. Der Grund für die Barzahlungen: „Hainzl stand damals mit dem Rücken zur Wand.“ Kurz vor der Pleite. Auch zu Barzahlungen will Hainzl sich nicht äußern. Im Frühjahr 2006 war das Startkapital aufgebraucht. S. stieg aus.

Der zweite Anlauf startet im Juni 2006 mit Gründung der Conserve Oil Verwaltungs GmbH in Berlin. Geschäftsführer ist Thomas W.*, der beim Hainzl-Vertrieb in den Neunzigerjahren Hanne-Fonds vermarktet hatte. Zusätzlich werden fünf Fondsgesellschaften eingetragen. Gründungskommanditist von einer ist Greg T.*, ein Berliner Anwalt und Notar, der Ende 2012 wegen Veruntreuung von Mandantengeldern zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt wurde.

Bei zwei Fonds wird eine Hanne-Vertraute Prokuristin, darunter beim „Conserve Oil Lamont Alberta“. Auch hier geht es um eine Raffinerie zum Cracken von Altöl. Bei allen Firmen spielt Hainzl offenbar eine wichtige Rolle: Sie alle sitzen in dem Haus, in dem er und seine Frau Monika Galba wohnen. Galba ist heute Chefin von Proven Oil.

Im Prospekt der Lamont Alberta tauchen beide jedoch nicht auf, ebenso wenig Hainzls Privatinsolvenz, die seit März 2006 läuft. Involviert war Hainzl aber. Proven-Oil-Sprecher Stephan Clausen bestätigte, dass Hainzl für mehrere Gesellschaften der Conserve-Oil-Gruppe tätig war. „So verantwortete er beispielsweise 2006 die Vertriebskoordination eines Projektes [...] das die Errichtung einer Spezial-Raffinerie zur Umwandlung von Altöl in Dieselkraftstoff zum Ziel hatte.“

Auf Nachfragen sagt Clausen nichts. War Hainzl fest angestellt oder freiberuflich tätig? Gar ehrenamtlich? Das dürfte vor allem Hainzls Gläubiger interessieren. Im Privatinsolvenzverfahren, das 2012 beendet wurde, hatte Hainzl angegeben, nicht über Einkommen oder Vermögen zu verfügen.

32 Millionen Euro Forderungen meldeten die Gläubiger an, etliche resultierten aus Hainzls Tätigkeit für die kollabierte Hanne-Immobiliengruppe. Am Ende standen nur 200.000 Euro zur Verfügung.

Hainzls Verbindung zur Conserv-Oil-Gruppe

Auch der zweite Anlauf auf die Anlegergelder klappte nicht. Knapp 26 Millionen kanadische Dollar wollte die Conserve Oil Lamont Alberta einsammeln, sie schaffte nicht einmal fünf Millionen. Über dieses Geld verfügte Matthias Sdrenka mit, der Mittelverwendungskontrolleur.

In seinem Auftrag stand laut Prospekt: Voraussetzung für die Freigabe von Geldern ist der Nachweis, dass Zeichnungen von knapp 26 Millionen kanadischen Dollar vorliegen. Doch es gingen Gelder weg, bevor das Volumen erreicht war. „Nach meiner Rechtsauffassung hätte der Mittelverwendungskontrolleur laut Kontrollauftrag im Prospekt keine Gelder freigeben dürfen“, sagt Anwalt Martin Seidel von der Düsseldorfer Kanzlei Baum, Reiter & Collegen.

Sdrenka sagt, dass die Freigaben gemäß der Voraussetzungen der in den jeweiligen Prospekten enthaltenen Verträge erfolgten. Dass mit der ursprünglichen Formulierung ein Problem bestand, dämmerte aber offenbar auch den Initiatoren: Per Prospektnachtrag wurde der Kontrollauftrag geändert.

2008 startete dann Proven Oil. Wieder ist Sdrenka Mittelverwendungskontrolleur. Und auch Hainzl spielt erneut eine wichtige Rolle. Fliegt häufig nach Calgary, um Angelegenheiten der Fonds vor Ort zu regeln. Er „verantwortet innerhalb der Proven Oil Canada Marketing und Vertrieb“, so ein Sprecher. Ob fest angestellt und für welches Salär will er auch hier nicht sagen.

Auch Hainzl war beim Kanada-Trip dabei. Sdrenka und Hainzl betonen, sie seien auf eigene Kosten geflogen. Was Proven Oil der Trip kostete, will Clausen nicht sagen. Vielleicht fragt ja ein Anleger auf den Gesellschafterversammlungen der Fonds POC Eins und POC Zwei nach. Im Februar sollen in Berlin die Geschäftsberichte für 2011 abgesegnet werden, mit Verspätung.

Aus denen geht hervor, dass die bisher an die Anleger gezahlten Summen größtenteils Rückzahlungen aus eingezahltem Kapital sind. Das Eigenkapital ist beim ersten Fonds in nur drei Jahren schon kräftig geschrumpft, von 40 auf 30,8 Millionen Euro. Um das herauszufinden, braucht man allerdings nicht nach Kanada zu fliegen.

*Namen von der Redaktion verändert

Mitarbeit: Max Haerder und Thesie Kness

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5 Kommentare zu "Riskant und teuer: Stopp – bloß nicht investieren!"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • So ist es. Genau die gleichen Erfahrungen habe ich auch gemacht. Viele sind beratungsresistent bis zum Abwinken, was soll man dazu noch sagen? Ich berate im Bereich Währungs- und Zinsmanagement KMUs und gelegentlich auch mal Kommunen oder Landkreise. Kann mich noch gut an einen Landrat erinnern, der vor ein paar Jahren ca. 150 Mio Kassenkredite in CHF finanzieren wollte und, entgegen meinem Rat auch hat. Die Kredite bestehen immer noch (Kassenkredite!), mehr brauche ich da wohl nicht zu erwähnen. Wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, danach sind sie dann wieder die armen Sparer, die nur ihr Geld GANZ sicher anlegen wollten und von dem BÖSEN Berater reingelegt wurden. Was den Landrat angeht, in diesem Falle konnte ich eindeutig belegen, dass ich dringend von der CHF-Finanzierung abgeraten hatte. Ist wohl einfach so, gegen Dummheit helfen auch keine Gesetze.

  • Kommt mir sehr bekannt vor. ich habe auch mal bei einer bank gearbeitet. Kann mich an Zeiten vor der Finanzkrise erinnern: Meine KUnden waren zinsgeil wie nur was. Bei 3% p.a. schmissen sie das Angebot mir vor die Füße. Einige haben ihr Geld in Island angelegt, nicht wenige davon waren nach Zusammenbruch des BAmkensystems aufeinmal ganz arme kleine Anleger, die ja nur ihr Geld vernünftig anlegen wollten. Ich habe kein Mitleid mit solchen Zinsjägern.

  • Alles recht "interessante" Geschäftsideen. Ich bekomme speziell die Anziehungskraft der Prokon Genussrechte beinahe täglich mit.

    Ich arbeite als Berater in einer Bank. Lassen wir an dieser Stelle bitte kurz außer Acht, dass das ja das letzte ist, ich sämtliche Kunden nur über den Tisch ziehe, mich schämen sollte und meine Seele sowieso verloren ist.

    Sonst sehr zurückhaltende und konservative Kunden, oftmals zwischen 50 und 70 Jahren alt, die ihr Geld für unter 0,5% auf dem Tagesgeldkonto vorhalten, denen jedes Wertpapier außer einer Bundesanleihe zu riskant ist und die mir (ich weiß, ich weiß, zurecht...) reserviert bei jeglichen Anlagevorschlägen entgegenkommen gehören zu meiner Kundschaft.

    Neuerdings kommen einige dieser Kunden auf mich zu, fragen nach den Zinssätzen für Tages- und Festgeld und werfen mir dann entweder eine Prokon-Anzeige direkt auf den Tisch oder erzählen mir zumindest davon. Mehrmals fiel dann tatsächlich der Begriff des "Öko-Sparbuchs" bzw. "Erneuerbare-Energien-Sparbuchs" oder aber "Wind-Sparbuchs". (Wobei letzterer Begriff, wenn auch anders gemeint, fast wieder passt). Der Versuch zu erklären, dass es sich hier um Genussrechte handelt und welche Risiken dahinter stecken wird oftmals eher belächelt und beantwortet mit dem Argument, dass erneuerbare Energien doch DIE Zukunft sind. Wenn ich dann erwidere, ob dazu auch Solar gehört (was natürlich bejaht wird) und ob sich die Herrschaften einmal das Schicksal der meisten deutschen Solarunternehmen angeschaut haben kommt dann oftmals: "Ja, aber hier geht es doch um Wind!".

    Hier tickt mit Sicherheit die nächste Bombe, die bald etliche, meist Kleinanleger um ihr Geld bringt. Und mit Sicherheit wird auch meine Kundschaft dann mit Sicherheit aufschreien: "Hätten wir das gewusst!!"

    Ich erinnere mich da z.B. auch noch an die unglaublich tollen Zinssätze, die isländische Banken offerierten...Aber das ist eine andere Geschichte

  • Logisch, man sollte nur dort investieren wo nachweislich auch die Sachgüter existieren!
    Man sollte sich vorher auch Auskünfte über die Geschäftsleitung besorgen.

  • +++ Steinbrück und die WINDIGEN GESCHÄFTE ++++++++

    Allerdings hat Steinbrück eine andere, finstere Seite, die das zarte Pflänzchen sozialdemokratischen Selbstbewusstseins zu zerhäckseln droht.

    Steinbrück hatte mit dem jetzt schon wieder zurückgetretenen Roman Maria Koidl einen Berater geholt, der die windigen Finanzgeschäfte macht, welche die SPD einhegen will.

    Daraus spricht eine Geringschätzung des politischen Kerngeschäfts und eine große Ferne zur eigenen Partei.
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    Wie in der Honoraraffäre ist Steinbrück unfähig, die Wirkung seiner Entscheidungen einigermaßen solide zu kalkulieren. Das ist eine Instinktlosigkeit, die keinem Mangel an Intelligenz, sondern einem allzu großformatigen Selbstbewusstsein geschuldet ist. Taugt so ein Ego-Shooter, dessen Lernfähigkeit offenbar enge Grenzen hat, als Kanzlerkandidat? Oder sogar als Kanzler? Die SPD hat zwei Probleme: Merkel und Steinbrück.

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