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Robert Shiller im Interview „Es gibt immer noch zu viel Vertrauen in die Märkte“

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Welche Motive spielten bei den Beteiligten an der Wall Street die entscheidende Rolle? War es jene ansteckende Gier, von der US-Notenbankchef Alan Greenspan gesprochen hat?

Ich weiß nicht, ob Gier das richtige Wort dafür ist. Es ist mehr ein Wunschdenken, das dazu führt, zu hohe Risiken einzugehen. Das Ego spielt dabei eine große Rolle. Für viele reicht es nicht aus, nur gut zu leben. Sie müssen gewinnen und andere schlagen.

Haben wir schon alle Folgen der letzten Spekulationsblase verarbeitet?

Shiller: Nicht alle, wir sind dabei. Meine Untersuchungen zeigen, dass viele Anleger immer noch davon überzeugt sind, dass der Aktienmarkt langfristig die beste Geldanlage bietet.

Wie kann das ein Zeichen für eine Blasen-Mentalität sein? Viele Ihrer Kollegen würden dem ebenfalls zustimmen.

Shiller: Das stimmt. Viele sehr intelligente Leute haben sich von der Blase einnehmen lassen. Die historischen Daten stützen sogar die These, dass Aktien langfristig die besten Renditen versprechen. Entscheidend ist jedoch, dass der Glaube an diese Theorie seine Eigendynamik entwickelt.

Sind die Märkte heute immer noch von der Blase verzerrt?

Shiller: Es gibt immer noch zu viel Vertrauen in die Märkte. Viele Anleger glauben immer noch oder schon wieder, dass Aktienmärkte eine Rendite zwischen sieben und zehn Prozent abwerfen. Das beeinflusst selbst die aktuelle Debatte über eine Reform der staatlichen Rentenversicherung in den USA und den Plan, die Beiträge an der Börse anzulegen.

Können wir überhaupt jemanden für die Blase verantwortlich machen oder etwas tun, um neue Exzesse zu verhindern?

Shiller: Ich mache niemanden direkt dafür verantwortlich. Es ist mehr wie eine Grippeepidemie. Durch die euphorische Berichterstattung in den Medien und durch andere Dinge hat sich Ende der 90er diese Blasenmentalität wie eine ansteckende Krankheit verbreitet.

Trägt nicht die damalige Geld- und Wirtschaftspolitik eine Mitschuld?

Shiller: Richtig, es gibt die Debatte in der Geldpolitik. Notenbanker wurden lange Zeit als weise Männer und Frauen angesehen. Wenn sie sagten, die Märkte seien überbewertet, glaubten das viele Anleger. Aber Greenspan beharrt darauf, dass Notenbanker nicht klüger als die Märkte sein können. Bei steigenden Börsenkursen trägt eine derartige Einstellung natürlich zur Blasenbildung bei.

Stimmen Sie Greenspans Einschätzung zu, dass die Geldpolitik Spekulationsblasen nicht verhindern, sondern nur ihre Schäden begrenzen kann?

Shiller: Der Fed-Chef hat während der Finanzkrisen 1997/98 den Märkten versichert, dass er eine finanzielle Katastrophe verhindern werde. Als die Blase dann 2001 platzte und die Rezession begann, reagierte er mit scharfen Zinssenkungen. Dadurch hat er die Blase verlängert und den Glauben gefördert, dass man an den Märkten nicht verlieren kann.

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