Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Robert Shiller im Interview „Es gibt immer noch zu viel Vertrauen in die Märkte“

Seite 3 von 3:

Wie bewerten Sie die Reaktion der Regulierungsbehörden auf die Marktexzesse?

Shiller: Ich habe das Sarbanes-Oxley-Gesetz begrüßt wie auch die Bestimmungen der Börsenaufsicht SEC zu den Veröffentlichungspflichten an den Finanzmärkten. Die SEC war anfangs zu mild. Wenn man sich die Geschichte der Finanzmärkte anschaut, sieht man, dass solche Exzesse und die Reaktion der Behörden immer wieder stattgefunden haben.

Sind die Regulierungsbehörden zu weit gegangen?

Shiller: Das kann sein. Wenn es zu teuer ist, den Regeln zu folgen, sollte man auf die Beschwerden hören. So halten sich europäische Firmen heute mit einer Notierung in den USA zurück, weil die Belastungen zu hoch sind. Wir müssen also die richtige Balance finden. Es war jedoch wichtig, den Anlegern nach den zahlreichen Skandalen zu zeigen, dass wir nicht einfach so weitermachen können.

Wo sehen Sie heute neue Spekulationsblasen entstehen?

Shiller: In Amerika gibt es eine Blase bei den Manager-Vergütungen. Außerdem gibt es in verschiedenen Regionen der Welt einen Immobilienboom. Das betrifft vor allem große Metropolen.

Gibt es in den USA eine Immobilienblase?

Shiller: Wir haben im vergangenen Jahr Hauskäufer nach ihren Markterwartungen befragt. In Los Angeles lag die durchschnittliche Erwartung für die jährliche Wertsteigerung bei über 20 Prozent für die nächsten zehn Jahre. Und das bei bereits hohen Hauspreisen. Diese Erwartungshaltung ist ein wenig verrückt.

Was ist mit Hedge-Fonds - gibt es auch dort Übertreibungen?

Shiller: Auf dem Weltwirtschaftsforum haben wir darüber diskutiert, und viele Teilnehmer glauben, dass sich bei Hedge-Fonds eine Blase bildet. Anleger haben zu wenig Skepsis gegenüber Hedge-Fonds.

Waren Sie persönlich immun gegenüber den Versuchungen der Blase?

Ich hatte seit Anfang der 80er mein Geld fast ausschließlich in Aktien angelegt. Ende der 90er habe ich mich dann schrittweise aus Aktien zurückgezogen - vermutlich zu früh. Heute habe ich nicht viel Geld in Aktien angelegt. Mein Vermögen ist verteilt auf Immobilien und Bonds.

Das Gespräch führten Torsten Riecke und Tobias Moerschen.

Robert Shiller

Sein Interesse: Schon als Student interessierte er sich für Massenphänomene: Beim Besuch von Football-Stadien interessierte er sich mehr für das Verhalten der Zuschauer als für das Spiel. Berühmt wurde der heute 57-Jährige mit dem Buch "Irrational Exuberance", in dem er vor dem drohenden Börsencrash warnte. Kurz nach dem Erscheinen im Jahr 2000 begann ein weltweiter Börsensturz.

Seine Karriere: Shiller studierte in Michigan und am Massachusetts Institute of Technology. Heute lehrt er Wirtschafts- und Finanztheorie in Yale. Zudem entwickelt er mit seiner Firma Finanzmarktinstrumente, die eine Absicherung gegen praktisch jedes Risiko ermöglichen sollen.

Startseite
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote