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Robo-Advisor Scalable Capital stellt sein Geschäft in der Schweiz ein

Der digitale Vermögensverwalter gilt mit fast zwei Milliarden Euro verwaltetem Vermögen als deutscher Marktführer. Von den Schweizer Kunden verabschiedet er sich jetzt – vorerst.
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Mit Florian Prucker und Stefan Mittnik hat er 2016 Scalable Capital gestartet. Quelle: Thomas Hauss für Handelsblatt
Erik Podzuweit

Mit Florian Prucker und Stefan Mittnik hat er 2016 Scalable Capital gestartet.

(Foto: Thomas Hauss für Handelsblatt)

Frankfurt Aus Sicht eines deutschen Vermögensverwalters erscheint die Schweiz als Ziel für eine Expansion eigentlich ideal: Die Sprachbarrieren sind vergleichsweise gering. die potenziellen Kunden überdurchschnittlich vermögend. Seit Anfang vergangenen Jahres bot auch der deutsche Robo-Advisor Scalable Capital seine digitale Vermögensverwaltung dort an. Doch wie Co-Gründer Erik Podzuweit dem Handelsblatt bestätigte, ist damit nun Schluss. Schuld sei ein neues Gesetz im Alpenstaat.

Der deutsche Markt ist vielen heimischen Finanz-Start-ups nicht mehr groß genug. Als deutschsprachige Länder sind die Schweiz und Österreich beliebte Ziele für ein Wachstum. Neben Scalable Capital sind hier beispielsweise auch die Zinsplattform Savedo, das Bargeld-Fintech Barzahlen und seit Kurzem die Smartphonebank N26 vertreten.

Die Schweiz hat allerdings einen entscheidenden Nachteil: Sie ist nicht Teil der Europäischen Union (EU) und hat sich folglich auch nicht den Harmonisierungsplänen für einen europäischen Finanzmarkt angeschlossen. Neue Schweizer Vorschriften zwingen Scalable nun nach eigenen Angaben zum Rückzug.

„Wir hatten in der Schweiz keine eigene Niederlassung, sondern haben das Geschäft von Deutschland aus betrieben“, erklärt Podzuweit. „Dafür genügte es bisher, dass wir eine Lizenz als Vermögensverwalter von der deutschen Finanzaufsicht Bafin haben und die Vorgaben der Mifid II erfüllen.“

Zum Jahreswechsel soll in der Schweiz aber das Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) in Kraft treten. Ähnlich wie die EU-Richtlinie Mifid II enthält es zum Beispiel Transparenz- und Dokumentationsvorgaben, die dem Anlegerschutz dienen sollen. Doch die Details unterscheiden sich. „Um weiterhin Schweizer Kunden bedienen zu dürfen, hätten wir auch diese regulatorischen Vorgaben erfüllen müssen. Dieser Aufwand hätte sich nicht gelohnt“, so der Scalable-Co-Gründer.

1,8 Milliarden Euro Vermögen von mehr als 50.000 Kunden

Die Verträge seiner Kunden hat das Fintech deshalb gekündigt, spätestens Ende Dezember werden die Depots aufgelöst. Wie viele Kunden Scalable in der Schweiz hatte, verrät Podzuweit nicht. Für alle Märkte – neben Deutschland auch Österreich und Großbritannien – meldete er kürzlich mehr als 50.000 Kunden und ein verwaltetes Vermögen in Höhe von mehr als 1,8 Milliarden Euro. „Wir haben die Verträge nicht gerne gekündigt, aber immerhin haben sich die Aktienmärkte zuletzt positiv entwickelt, so dass sich die meisten Depots im Plus befanden“, so der junge Unternehmer.

Ideal sei die Aufstellung in der Schweiz allerdings ohnehin nicht gewesen. Wie die Depots der deutschen Kunden wurden auch die der Eidgenossen bei einer deutschen Depotbank geführt – in Euro. „Das war schon ein Nachteil“, sagt Podzuweit. „Die Schweizer wickeln ihre Finanzgeschäfte doch lieber in Franken ab.“ Eine Schweizer Niederlassung zu gründen habe deshalb schon länger auf der Agenda gestanden. Allein: Priorität habe zuletzt der Aufbau neuer Partnerschaften gehabt.

So ist Scalable nicht nur selbst als digitaler Vermögensverwalter aktiv, sondern verkauft seine Technologie auch an andere Finanzdienstleister, damit diese ihren eigenen Robo-Advisor an den Markt bringen können – so geschehen beispielsweise schon mit der Targobank und der spanischen Openbank.

Der Schweizer Markt sei grundsätzlich weiterhin interessant, sagt Podzuweit. „Wenn wir den Markt in Zukunft erneut in Angriff nehmen, dann entweder mit einer eigenen Niederlassung oder einem lokalen Partner.“

In Deutschland gilt Scalable aufgrund seiner Kundenzahl und des verwalteten Vermögens als Marktführer. Insgesamt gibt es hier mehr als 30 solche Robo-Advisors. Kunden klicken sich bei ihnen online durch einen Fragenkatalog zu ihren Anlagezielen, Risikobereitschaft und Erfahrungen am Kapitalmarkt und bekommen dann eine Empfehlung für ein Portfolio, das meistens aus börsennotierten Indexfonds (ETFs) besteht.

Mehr: Scalable-Capital-CEO Podzuweit spricht im Podcast „Handelsblatt Disrupt“ über digitale Anlageberater und was an der Kritik von Verbraucherschützern dran ist.

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