Airbus A400M

Der Militärtransporter ist ein Projekt von Airbus Defence and Space. Ein langfristiger Aufwärtstrend im Rüstungssegment ist laut Analysten sehr wahrscheinlich.

(Foto: Airbus)

Rüstungsindustrie Warum die Aktien von Rüstungskonzernen steigen werden

Immer neue Krisenherde und weltweit wachsende Militärausgaben lassen die Rüstungsindustrie boomen. Das liegt vor allem an Plänen von Donald Trump.
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FrankfurtNun ist die Zeit gekommen, das nächste große Kapitel in der Geschichte unserer Streitkräfte zu schreiben“, mahnte Mike Pence jüngst im Pentagon. Es sei an der Zeit, um die „United States Space Force“ zu gründen, fuhr der US-Vizepräsident fort.

Damit bekräftigte Pence vor seinen Zuhörern im Verteidigungsministerium das Vorhaben Donald Trumps, vor allem angesichts der zunehmenden Konflikte mit Russland und China bis 2020 eine neue Teilstreitkraft zu gründen, um die militärische Vorherrschaft der USA künftig im Weltraum sicherzustellen.

So etwas hat es zuletzt vor mehr als sieben Jahrzehnten gegeben – als im September 1947 die US-Luftwaffe als eigenständige Militäreinheit eingeführt wurde.

Diese Ankündigung der US-Regierung ist nur der Höhepunkt der jüngsten Aufrüstungspläne rund um den Globus. Die weltweiten Verteidigungsausgaben haben 2017 mit 1,74 Billionen US-Dollar ein Allzeithoch erreicht. Mehr als ein Drittel entfällt auf die USA. Tendenz steigend. Mit Aktien und Fonds können Privatanleger davon profitieren.

Zu den investierbaren Gewinnern der boomenden Rüstungsetats gehören vor allem die bedeutendsten US-Rüstungsfirmen. Erkennen lässt sich das an der Entwicklung des Branchenbarometers Dow Jones Aerospace & Defense der Wall Street: Der Sektorindex hat den breiten US-Aktienmarkt in den zurückliegenden fünf Jahren deutlich abgehängt.

Während der Leitindex S&P 500 „nur“ um rund zwei Drittel zugelegt hat, ist der Aerospace & Defense mehr als doppelt so stark gestiegen.

Zu den Schwergewichten unter den enthaltenen Anteilscheinen von über drei Dutzend Rüstungs- und Luftfahrtunternehmen gehören neben dem Flugzeugbauer Boeing unter anderem das weltweit größte Rüstungsunternehmen Lockheed Martin. Der Militärtechnikkonzern baut beispielsweise das Tarnkappen-Kampfflugzeug F-35 – das teuerste Einzelprojekt in der US-Militärgeschichte.

US-Präsident Trump treibt die seit den Terroranschlägen von „9/11“ beschleunigt steigenden Militärausgaben weiter hoch: Im vergangenen Dezember löste Trump sein Wahlversprechen ein und erhöhte den Verteidigungshaushalt für 2019 um mehr als einhundert Milliarden Dollar auf über 700 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Vor 16 Jahren lag die Budgetsumme mit 345 Milliarden noch weniger als halb so hoch.

Die Profiteure der Aufrüstung

Lockheed Martin dürfte einer der größten Profiteure der Mehrausgaben werden, so die einhellige Meinung von Experten. Allein für das laufende Fiskaljahr hat Washington unter anderem den Kauf von 20 zusätzlichen F-35-Exemplaren beschlossen.

Der Brutto-Listenpreis des weltweit teuersten Kampfjets liegt bei rund hundert Millionen Dollar. Zudem fließt Geld in 17 weitere C-130-Transportmaschinen und 16 Blackhawk-Helikopter, die ebenfalls von Lockheed Martin geliefert werden.

Neben Boeing und einigen anderen führenden Flugtechnikanbietern zählt Lockheed Martin auch zu den größten unmittelbaren Nutznießern des angekündigten „Space Force“-Programms.
Kein Wunder, dass Analysten überproportionales Potenzial für die Aktien vorhersagen. Das geht aus Daten des Informationsdienstleisters Bloomberg hervor.

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Kein einziger Experte, der die Titel regelmäßig unter die Lupe nimmt, empfiehlt Aktionären derzeit, sich von ihren Anteilen zu trennen.

So wie bei Boeing und Lockheed sind Analysten auch bei den anderen bedeutenden US-Aktien aus dem Aerospace-&-Defense-Branchenbarometer positiv gestimmt. Die Experten empfehlen, die Anteilscheine mindestens im Depot zu halten. Zwei Drittel raten, im Schnitt den Bestand sogar auszubauen. Das mittlere Kurspotenzial taxieren die Fachleute bei knapp 20 Prozent auf Sicht von zwölf Monaten.

Das einträglichste Kursplus prognostizieren Analysten bei Northrop Grumman: Bis nächsten Sommer rechnen sie beim Hersteller von Rüstungstechnik für Schiff-, Luft- und Raumfahrt im Schnitt mit einer Wertsteigerung von 22 Prozent. Mehr als drei Viertel aller Erlöse des viertgrößten Auftragnehmers des Pentagons stammen von der US-Regierung. Diese lukrative Beziehung sorgt für zukunftssichere Geschäfte des Drohnenspezialisten.

Den höchsten Anteil an Kaufempfehlungen unter den US-Rüstungsriesen vereint Raytheon auf sich: Satte 70 Prozent der Analysten raten Anlegern, hier zuzugreifen – obwohl die Aktie des Militärtechnikkonzerns nach einer rasanten Kursrally eine Verschnaufpause eingelegt hat. Raytheon bietet vor allem „intelligentes“ Gerät mit komplexer Steuerung, wie etwa das Flugabwehrsystem Patriot und den schiffbasierten Marschflugkörper Tomahawk.

Erst vergangenen Donnerstag vergab das US-Verteidigungsministerium einen neuen Auftrag an Raytheon in Zusammenhang mit neuen Kontrolleinheiten für die Tomahawk-Cruise-Missiles, die nicht nur in der US-Marine, sondern auch in vielen anderen Flotten als primäres Marschflugkörpersystem im Einsatz sind.

Mit einem ausländischen Auftragseingang von 40 Prozent gilt der Rüstungs- und Elektrotechnikspezialist zudem als das US-Unternehmen, das von den auch außerhalb der USA wachsenden Wehrausgaben am meisten profitiert.

Wichtig: Mit speziellen Indexfonds können Anleger nicht nur in einzelne US-Rüstungsaktien investieren, sondern auch bequem und breit gestreut beispielsweise auf den gesamten Dow Jones Aerospace & Defense setzen. Dazu eignet sich etwa ein ETF des Anbieters IShares (WKN: A0MMQY).

Auch außerhalb der USA beschleunigt sich der Trend zu immer höheren Rüstungsausgaben, was etwa die Aktien europäischer Wehrtechnikanbieter langfristig ebenfalls befeuern dürfte.

So soll zur Stärkung der europäischen Verteidigungsfähigkeit nach dem Willen der EU-Kommission künftig wesentlich mehr Geld investiert werden: Für die Forschung und Entwicklung moderner Waffensysteme soll ab 2021 ein Fonds mit 13 Milliarden Euro ausgestattet werden. Ein Vielfaches dessen, was im bisherigen Finanzrahmen mit 590 Millionen Euro für gemeinsame Verteidigungsausgaben eingeplant ist.

Zu den wichtigsten Profiteuren in Europa gehört Airbus. Die Aktie des Luftfahrtkonzerns hat auch deswegen Ende Juli ein Allzeithoch markiert und wird von drei Vierteln aller Analysten zum Kauf empfohlen. Wie bei den US-Aufrüstungsgewinnern stuft auch hier niemand den Titel als Verkauf ein.

Attraktiv erscheinen nach Einschätzung der Profis auch die Aktien von Rheinmetall. Die Titel des deutschen Panzer- und Fahrzeugtechnikproduzenten wurden zuletzt durch die Krise im Autozuliefersektor gebremst. Doch die Analysten halten dem Düsseldorfer Konzern die Treue.

Das Kurspotenzial taxieren sie auf rund 25 Prozent. Jüngst hat etwa die Schweizer Großbank UBS ihre Schätzungen für die Auftragseingänge in der Rüstungssparte um zehn Prozent angehoben und ihre Kaufempfehlung bekräftigt: „Im Aktienkurs sind nur kurzfristige Risiken in der Autozuliefersparte eingepreist, aber nicht das langfristige Aufwärtspotenzial im Rüstungssegment“, resümiert Analyst Sven Weier.

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