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Schlechte Performance Investoren ziehen 34 Milliarden Dollar aus Hedgefonds ab

Viele Topmanager der billionenschweren Hedgefonds-Branche haben 2018 die Erwartungen der Investoren nicht erfüllt. Jetzt folgen die Konsequenzen.
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Hedgefonds: Investoren ziehen 34 Milliarden Dollar aus ab Quelle: The Image Bank/Getty Images
Wall Street

Im New Yorker Finanzviertel sitzen viele Hedgefonds.

(Foto: The Image Bank/Getty Images)

FrankfurtFast zwanzig Jahre lang hat Jan Jacobson Anleger mit hohen Renditen verwöhnt, die Geld in seinen Hedgefonds Highfields Capital Management steckten. Im Schnitt kassierten die Investoren 10,8 Prozent im Jahr. Selbst die Harvard University zählte angesichts der Erfolge zu seinen Kunden.

Doch zuletzt lief es nicht mehr so, wie der bekannte Hedgefonds-Manager Jacobson sich das vorgestellt hatte. Im vergangenen Jahr verlor der Fonds Finanzkreisen zufolge über ein Prozent, und im Jahr zuvor sei es nur ein leichtes Plus gewesen. Für den Harvard-Absolventen Grund genug, um seinen Kunden das Geld zurückzuzahlen. Das sind immerhin rund zehn Milliarden Dollar. Künftig managt Jacobson nur noch seine eigenen Milliarden.

Nicht nur bei Jacobsen lief es im vergangenen Jahr nicht rund. Viele Topmanager in der billionenschweren Hedgefonds-Branche konnten 2018 die Erwartungen der Investoren nicht erfüllen. Die Konsequenzen sind nun zu besichtigen: Ungewöhnlich deutlich haben sich institutionelle Anleger von den Anlagegurus abgewandt.

Allein im vierten Quartal zogen Investoren bei den Renditejägern nach aktuellen Daten des Finanzdatenanbieters Hedge Fund Research (HFR) weltweit Mittel in Höhe von 22,5 Milliarden Dollar ab. Im Gesamtjahr waren es 34 Milliarden Dollar. Das war der stärkste Rückgang seit zwei Jahren, als Investoren rund 70 Milliarden Dollar abgezogen hatten.

Der Hintergrund: Das vergangene Jahr ist ein besonders hartes für Hedgefonds-Manager gewesen mit zeitweise massiv fallenden Aktienkursen, schwächelnden Währungen und starken Kursschwankungen. Eigentlich lieben Marktprofis hohe Volatilität, da sie so die Ertragsentwicklung herkömmlicher Anlagekategorien wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe leichter schlagen können, aber 2018 kam der Wechsel nach einer Zeit lange stabiler Kurse für viele überraschend.

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Preissprünge in einer Aktienhausse, die nach fast zehn Jahren ausläuft und steigende Zinsen machten den Managern das Leben schwer. Ralf Koppay, Chefberater bei Hudson-Rhine Consulting in Genf, spricht von „einer Art Sägezahn-Markt, mit großen Eingriffen und Interventionen der Notenbanken, wenn es zu heiß wurde“. Mit einem Minus von 4,5 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten, wie HFR ausrechnete, war es für die unregulierten Fonds das schlechteste Jahr seit 2011.

Nicht nur „schlossen mehrere Hedgefonds am Anfang des vierten Quartals“, wie der Präsident von HFR, Kenneth Heinz, betonte. Anleger reagierten nach seiner Analyse bei den unregulierten Anlagevehikeln auch mit Kapitalabzug auf die massiven Verluste bei traditionellen Investments wie Aktien, wo allein der Deutsche Aktienindex in den letzten Wochen einbrach und mit einem Verlust von rund 18 Prozent für das Gesamtjahr 2018 schloss.

Hedgefonds wetten auf steigende und fallende Aktienkurse, nutzen minimale Preisunterschiede an Handelsplätzen aus und versuchen, aus Fusionen einen Gewinn zu ziehen. Über Jahrzehnte galten sie als die Rockstars der Finanzcommunity. Doch in den vergangenen Jahren verblasste ihr Ruf zusehends. Zu hohe Gebühren, zu wenig leistungsorientiert, lauteten die Vorwürfe der Großanleger.

Das Bild der Branche ist geteilt

Der kalifornische Pensionsfonds Calpers – einer der größten weltweit – warf Ende 2014 sogar die Hedgefonds komplett aus seinem Milliardenportfolio. Doch inzwischen hat sich die Branche wieder aufgerappelt. Nach den Zahlen von HFR belief sich das weltweit von rund 9760 Hedgefonds verwaltete Vermögen trotz der Abflüsse noch auf 3,11 Billionen Dollar.

Doch das Bild der Branche ist geteilt. Während große Namen wie David Einhorn mit seinem Fonds Greenlight und Dan Loeb mit Third Point mit der schlechtesten Performance sei vielen Jahren zurechtkommen mussten, überzeugten andere. Dazu zählten Ray Dalio mit dem weltgrößten Hedgefonds Bridgewater und Crispin Odey mit seinem Flaggschiff-Fonds European Inc., die beide prozentual zweistellig zulegten.

Das Gros der Hedgefonds kann davon jedoch nur träumen. In einer aktuellen Studie der Deutschen Bank sprechen die Analysten Masao Muraki und Hiroshi Tori davon, „dass die anhaltend hohe Volatilität die Profitabilität von Konsensgeschäften auf der Basis des Marktmomentums verschlechtert hat“. Gleichzeitig habe der Rückgang der Marktliquidität die Ertragsentwicklung zusätzlich belastet.

Der Rückbau von Hedgefonds habe sich nachteilig auf die Ertragsentwicklung von anderen Fonds mit ähnlichen Wertpapierpositionen ausgewirkt, konstatieren die Experten.

Bei den Deutschbankern weckt das ungute Erinnerungen an die Anteilsverkäufe von mathematisch ausgerichteten Hedgefonds, sogenannten Quants, im August 2007 und Makro-Hedgefonds, die sich an volkswirtschaftlichen Entwicklungen ausrichten, im Oktober 2015: „Das sind Vorläufer von Marktturbulenzen gewesen“, betonten Muraki und Tori.

Vielleicht sind die Unsicherheiten ein Grund, warum nicht nur Jacobson mit seinem Fonds Highfields Capital Management, sondern auch eine Reihe anderer Profis sich dazu durchrangen, ihre Hedgefonds zu schließen und den Investoren das Geld zurückzugeben.

Dazu gehören in der Szene bekannte Adressen wie Richard Perry mit dem Fonds gleichen Namens, Erich Mindich‘s Eaton Park Capital Management und John Griffin‘s Blue Ridge Capital. Alle schlossen ihre Tore in den vergangenen zwei Jahren. Schon 2017 gab es Geld zurück bei Viking Global Investors, dem Hedgefonds von Andreas Halvorsen.

Der Fonds zahlte rund acht Billionen Dollar an die Anleger, da der Chefanlagestratege Daniel Sundheim ausschied, um sein eigenes Geschäft aufzumachen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete.

Jabre Capital schließt Hedgefonds

Seine Investoren auszahlen will dieses Jahr ebenfalls Philippe Jabre, ein Hedgefonds-Manager, der an französischen Schulen in Beirut erzogen wurde. Er kündigte an, nach einem sehr herausforderndem Jahr das Geld von drei Fonds auszuschütten, die vom Hedgefonds-Veteranen persönlich gemanagt wurden. Die Positionen sollen diszipliniert aufgelöst und bis Februar zurückgezahlt werden, kündigte der Profi in einem Brief an seine Kunden Mitte Dezember an, wie es in Finanzkreisen heißt.

Übrig bleiben zwei Fonds, die sich mit Investments in Schwellenländern und Krediten beschäftigen. Insgesamt verwaltet die Genfer Jabre Capital ein Vermögen von über einer Milliarde Dollar.

Nach einer aktuellen Umfrage des größten Vermögensverwalters der Welt, Blackrock, unter 230 institutionellen Investoren, die sieben Billionen Dollar weltweit managen, wollen 18 Prozent der Befragten ihr Engagement in Hedgefonds reduzieren, 66 Prozent planen, ihre Investments zu halten.

„Insgesamt haben sich viele Hedgefonds angesichts der Marktturbulenzen gut gehalten. Vor allem defensive und liquide Strategien, die vier, fünf Prozent Rendite anstreben, sollten in der Zinswüste Europa weiter gefragt sein“, sagt Michael Viehmann, Vorstand Sauren Fonds-Research.

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