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Serie: Die Zukunft der Finanzbranche Amazon ist das große Vorbild bei der Plattformökonomie

Um ihre Kunden mit der Digitalisierung nicht an neue Konkurrenten zu verlieren, wagen immer mehr Banken den Sprung in die Plattformökonomie.
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Mit der Digitalisierung werden Online-Plattformen auch in der Finanzbranche immer wichtiger. Quelle: Photographer's Choice/Getty Images
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Mit der Digitalisierung werden Online-Plattformen auch in der Finanzbranche immer wichtiger.

(Foto: Photographer's Choice/Getty Images)

Frankfurt, Bangkok Als mittelständische Genossenschaftsbank kann man vielleicht nicht mit E-Commerce-Riesen wie Amazon mithalten, aber man kann sich eine Menge abschauen und daraus eigene Geschäftsmodelle entwickeln. Wie das funktioniert, zeigt die Volksbank Ortenau. Die badische Genossenschaftsbank unter Führung von Markus Dauber hat sich mit einer Technologiefirma zusammengetan und sich eine attraktive Nische gesucht.

Das Ergebnis ist ein Unternehmen namens N1 Trading, das elektronische Marktplätze rund um das Thema standardisierte Baustoffe bietet: Zement, Bitumen, Dämmstoffe, Schüttgüter wie Sand und Kies.

Das Geldhaus profitiert vor allem durch die hinter der Plattform stehenden E-Commerce-Bezahllösungen. „Wir versuchen mit der N1 Trading ein Plattform-Ökosystem in einer Branche aufzubauen, deren Vertriebsprozesse noch einen relativ geringen Digitalisierungsgrad aufweisen“, erläutert Dauber den Ansatz.

N1 Trading ist nur ein Beispiel für den Vorstoß der Volksbank in die Plattformökonomie. Die Volksbank betreibt ein regionales Immobilienportal und bietet mit ihrem Tochterunternehmen First Cash Solution eigene regionale Bezahl- und Gutscheinkartenlösungen. Damit wurden Dauber und seine Bank zu einem der Vorreiter in Sachen Digitalisierung im Lager der Genossenschaftsbanken.

Am anderen Ende der Größenskala der Bankenbranche versucht sich auch die Deutsche Bank am Wandel in Richtung Plattformökonomie. Für Markus Pertlwieser, Digitalchef des Privatkundengeschäfts des größten heimischen Geldhauses, ist klar: Die Plattformökonomie wird die gesamte Bankenlandschaft umwälzen.

„Das Thema Plattformen ist für Banken eigentlich alternativlos“, meint auch Markus Strietzel, Senior-Partner der Unternehmensberatung Roland Berger. Angesichts der Aussicht auf noch negativere Leitzinsen der Europäischen Zentralbank werde es für die Geldhäuser noch wichtiger, ihre Provisionseinnahmen zu stärken, und dafür seien Plattformen ein wichtiges Instrument.

„Außerdem helfen Plattformangebote, die Kunden zu binden“, betont Strietzel – besonders wichtig in einer Zeit, in der die großen Internetkonzerne immer stärker in den Bereich der Finanzdienstleistungen vorstoßen.

Konservative Banken

Umso erstaunlicher findet es Strietzel, dass noch nicht allzu viele Banken Plattforminitiativen gestartet haben. „Viele Institute denken noch immer sehr traditionell“, konstatiert der Berater. Dabei drängt die Zeit, wie ein Blick auf andere Branchen zeigt, die die Digitalisierung komplett umgekrempelt hat.

So verkaufen Fluggesellschaften heute viele Flüge nicht mehr direkt, stattdessen läuft der Vertrieb über Plattformen wie Opodo oder Kayak. Daten von Roland Berger stützen diese Analyse.

Bei der Produkten für Privatkunden verfügen Plattformen demnach bereits über signifikante Marktanteile, die in Summe mehr als 30 Prozent des Neugeschäfts ausmachen – mit schnell wachsender Tendenz. Einen ähnlichen Trend erwartet Roland Berger auch im Geschäft mit Unternehmenskunden, vor allem wenn es um kleinere und mittlere Firmen geht.

Das gilt nicht nur für Deutschland. Egal ob Ananas-Verkäufer in Mumbai oder Tante-Emma-Laden in Neu-Delhi: Die Probleme von kleinen und mittelständischen Unternehmen im Umgang mit Banken sind in Indien oft die gleichen. Ein Geschäftskonto zu bekommen kann mehrere Monate dauern. Bis dann auch noch der erste Kredit genehmigt wird, ist schnell ein halbes Jahr vergangen.

Lange Bearbeitungszeiten und mangelnde Transparenz über die Dauer der Verfahren sind die größten Hindernisse für die Kundengruppe im Umgang mit den Geldinstituten, wie eine Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) ergibt. Die Bürokratie sorgt dafür, dass Kleinunternehmer die Banken oft komplett meiden. Kredite würden stattdessen zu überhöhten Zinsen aus informellen Quellen beschafft, heißt es in der BCG-Studie.

Eine neue Plattform soll Abhilfe schaffen: ICICI, Indiens größte private Bank, startete im Sommer ihr digitales Portal InstaBiz, das sich explizit an kleine bis mittlere Firmen wendet. Die Plattform verspricht etwa Dispokredite per App und eine Begleichung der Mehrwertsteuer GST in Echtzeit.

Insgesamt 115 Dienstleistungen seien in dem Angebot gebündelt, erläutert der zuständige Manager Pankaj Gadgil. „Filialbesuche lassen sich so eliminieren“, verspricht er.

Die digitalen Geschäftsmodelle der Banken bauen in den Schwellenländern vor allem auf der stark gestiegenen Verbreitung von Smartphones auf. In Indien gab es die Geräte laut BCG bei den kleinen und mittelgroßen Firmen 2015 nur in 45 Prozent der Betriebe, 2018 bereits in 85 Prozent.

Auch in anderen Ländern der Region sehen Banken immense Wachstumsmöglichkeiten mithilfe von Smartphone-Angeboten: Thailands größtes Kreditinstitut, die Siam Commercial Bank, rechnet damit, dass sich ihr Geschäft mit der mobilen Kreditvergabe in diesem Jahr fast verachtfachen wird – auf ein Volumen von fast 600 Millionen Dollar.

„Digitale Angebote werden der Schlüssel für unser Wachstum und unser Überleben sein“, sagte die zuständige Managerin Apiphan Charoenanusorn kürzlich.

Einig sind sich die Experten, dass eine Bank allein in der Regel nicht alle Finanzbedürfnisse ihrer Kunden abdecken kann. Erfolgreiche Plattformen müssen deshalb Angebote von Drittanbietern integrieren. So hat die Deutsche Bank einen „Zinsmarkt“gestartet, bei dem Anleger Festgeldangebote anderer Anbieter nutzen können. Und an das Firmenkundenportal Blueport sind mehrere Finanz-Start-ups angebunden.

Die Apotheker- und Ärztebank geht noch einen Schritt weiter. Sie startete im Juni eine Plattform mit Dienstleistungen Dritter aus dem Gesundheitsmarkt. „Univiva“ heißt das Projekt. Das Angebot richtet sich an die rund 450.000 Apobank-Kunden und weitere Ärzte sowie Apotheker in Deutschland. Zunächst soll sich die Plattform auf die Vermittlung von Fortbildungen, Workshops und Seminaren für die Heilberufler konzentrieren.

Über die eigens gegründete Tochter „Naontek“ sollen die Mitglieder alles rund um die angebotenen Veranstaltungen buchen und organisieren können: von der Anreise, über die Hotelübernachtung bis hin zur Verwaltung der Veranstaltungen. Damit will die Apobank die Kunden enger an sich binden und auf Dauer eine neue Ertragsquelle außerhalb des klassischen Bankgeschäfts aufbauen.

Bislang kassiere Univiva keine Vermittlungsgebühr, erläutert eine Sprecherin der Bank. Aber perspektivisch will die Apobank den Gesundheitsmarkt zur zweiten Säule des Geschäfts aufbauen. Als nächste Schritte kann sich das Geldhaus zum Beispiel eine Jobbörse oder eine Börse für die Praxisnachfolge vorstellen.

Mehr: Durch den technischen Umbruch werden die Karten im Finanzsektor neu gemischt. Wer heute zu den Gewinnern gehört, kann morgen auf der Verliererseite stehen.

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