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Serie: Die Zukunft der Finanzbranche Was mit Smartphone-Apps in Asien alles möglich ist

Start-up-Unternehmen wie Go-Jek und Grab wollen sich in den Schwellenländern als erste Adresse für mobile Bankgeschäfte etablieren – und gehen dabei geschickt vor.
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Der Taxi-App-Anbieter baut seine Finanzdienstleistungen aus. Quelle: imago images / UIG
Fahrer des Unternehmens Grab

Der Taxi-App-Anbieter baut seine Finanzdienstleistungen aus.

(Foto: imago images / UIG)

Bangkok Wer Hunger hat, aber gerade kein Geld, braucht in Indonesien nur eine App. Das Unternehmen Go-Jek – ein Start-up, das aktuell mit rund zehn Milliarden Dollar bewertet wird – macht es möglich. Der Anbieter startete erst als Vermittler von Motorradtaxis, die Passagiere einigermaßen schnell durch die Dauerstaus der Hauptstadt Jakarta manövrieren.

Inzwischen bietet das Unternehmen auch Essenslieferungen, Kurierdienste und sogar Putzservices auf Knopfdruck an. Abgerechnet werden sie über den hauseigenen Bezahldienst Go-Pay. Dieser funktioniert neuerdings wie eine Kreditkarte: Wer nicht sofort bezahlen kann oder will, hat bis zum Monatsende Zeit. Seit Juli gibt es diese Möglichkeit auch bei Offline-Einzelhändlern, die Go-Pay als Zahlungsmittel akzeptieren.

Die Kreditlinie, die Go-Jek seinen Kunden via App einräumt, ist das bisher deutlichste Zeichen für den Wandel des früher reinen Mobilitätsdienstleisters zum Fintech. Das indonesische Start-up ist mit dieser Neuausrichtung nicht allein. Auch der Taxi-App-Anbieter Grab, der 2018 die Geschäfte von Uber in Südostasien übernahm, bewegt sich in eine ähnliche Richtung. Die Unternehmen, deren Services für viele Menschen in der Region im Alltag unverzichtbar geworden sind, sehen sich bestens gerüstet, um mit ihren Finanzdiensten Hunderte Millionen Menschen zu erreichen, die bisher mit Banken kaum etwas zu tun hatten.

Go-Jek und Grab stehen für einen globalen Trend zu Finanzdiensten via Smartphone-App, der sich in Asiens aufstrebenden Volkswirtschaften besonders deutlich zeigt. Ein großer Teil der Menschen lebt dort in Gegenden mit dünnen Bankfilialnetzen – und damit ohne leichten Zugang zu Girokonten, Kreditkarten und Versicherungen.

In Ländern wie Indonesien und Bangladesch liegt der Anteil der über 15-Jährigen mit einem Konto bei weniger als 50 Prozent. Auf den Philippinen, in Vietnam und Kambodscha ist laut der Weltbank sogar weniger als jeder Dritte Kunde einer Bank. Für diese immens große kontolose Konsumentengruppe ist „Mobile Banking“ oft die erste und einzige Kontaktmöglichkeit mit der Finanzbranche.

Führend im Mobile Banking

Dementsprechend schnell verbreiten sich Bezahllösungen via Smartphone: In Einzelhandelsgeschäften ist Asien bei den Nutzerzahlen klar führend, wie eine im April veröffentlichte Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens PWC zeigt. Im Vergleich der großen Volkswirtschaften rund um den Globus lag China auf Platz eins, vor Thailand, Vietnam, Indonesien und Singapur. Deutschland schaffte es nicht einmal in die Top Ten.

Ihre Bankgeschäfte erledigen in Thailand laut dem „Global Digital 2019 Report“ der Digitalagentur We Are Social 74 Prozent der Internetnutzer via Smartphone. Mobile Banking ist in dem Land damit so beliebt wie nirgendwo sonst auf der Welt. Auch Malaysia, Singapur und Indonesien liegen mit Nutzerquoten von mehr als 60 Prozent weit über dem globalen Durchschnitt von 40 Prozent.

Grab und Go-Jek wollen sich in der Region als erste Anlaufstelle für mobile Bankgeschäfte etablieren. Aldi Haryopratomo, der Chef von Go-Jeks Bezahldienst Go-Pay, beschreibt seine Vision so: Er wolle nicht nur die Zahl der Transaktionen maximieren, sondern Familien dabei helfen, ihr gesamtes Finanzleben zu ordnen – mit allen Dienstleistungen aus seinem Haus: „Geld ausgeben, Geld sparen, investieren und Kredite aufnehmen – reibungslos über unser System“, sagte er kürzlich dem japanischen Magazin „Nikkei Asian Review“.

Der regionale Hauptkonkurrent Grab bemüht sich Medienberichten zufolge unterdessen um eine Banklizenz in Singapur, um seine Finanzangebote ausbauen zu können. Der südostasiatische Stadtstaat erwägt, in den kommenden Monaten erstmals reine Onlinebanken zuzulassen, die weder über ein Filialnetz verfügen noch über eine Bank als Muttergesellschaft. In einem ersten Schritt sollen fünf Lizenzen vergeben werden.

Sogenannte Super-Apps wie Grab und Go-Jek, die eine Vielzahl verschiedener Services in einer Anwendung bündeln, haben nicht nur deshalb einen Wettbewerbsvorteil, weil sie bereits über einen großen Kundenstamm verfügen.

Sie glauben auch, mehr über die Kunden zu wissen als klassische Banken und Versicherer: Für Banken ist es aus Sicht von Haryopratomo schwierig, größere Darlehen an Menschen zu vergeben, die noch nie mit der Finanzindustrie in Kontakt standen – ihnen fehlen Daten über die Zahlungsmoral. Go-Jek kann hingegen bei seinen Kunden auf eine lange Transaktionsgeschichte zurückblicken und so die Bonität bewerten.

Konkurrenzkampf wächst

In der Finanzbranche stoßen die Angebote auf großes Interesse. Grab arbeitet mit dem japanischen Finanzdienstleister Credit Saison zusammen und startete im Juni eine Kreditkartenpartnerschaft mit Citigroup. Bei Go-Jek investierte im Juli der Kreditkartenkonzern Visa eine nicht genannte Summe, um gemeinsam bargeldloses Bezahlen in der Region voranzubringen. Kurz zuvor wurde auch Thailands größtes Kreditinstitut, die Siam Commercial Bank, zu einem Investor bei dem expandierenden Unternehmen.

Bereits im vergangen Jahr beteiligte sich der Versicherungskonzern Allianz an Go-Jek. „Die starke Partnerschaft mit Go-Jek ermöglicht es uns, mehr Menschen in unterversorgten Segmenten zu erreichen“, sagt Joos Louwerier, Indonesienchef von Allianz Life, dem Handelsblatt. Aktuell bietet sein Unternehmen unter anderem Lebens- und Unfallversicherungen für Go-Jek-Fahrer an. Künftig wolle man Versicherungslösungen für die größere Go-Jek-Gemeinde anbieten.

Die Kooperation passt zur Strategie Haryopratomos, der großen Wert darauf legt, sein Fintech als Partner der Finanzindustrie darzustellen – und nicht als Gegner. Doch das glaubt ihm nicht jeder. Eine Umfrage von PWC unter Bankern in seiner Heimat Indonesien ergab im vergangenen Jahr, dass die Mehrheit Dienste wie Go-Pay als Bedrohung sieht.

Die großen Kreditinstitute der Region versuchen deshalb, mit eigenen Angeboten für mobile Nutzer neue Märkte zu erschließen: Singapurs größte Bank DBS startete sogenannte „Mobile-Only“-Banken in Indonesien und Indien. Die malaysische Großbank CIMB versucht sich auf den Philippinen an einer Bank, die nur als App existiert.

In der thailändischen Hauptstadt Bangkok stehen an den Haltestellen der Hochbahn neuerdings die Terminals der Digitalbank TMRW, an denen sich Kunden per Fingerabdruck identifizieren können. Selbst zur Kontoeröffnung ist kein Filialbesuch nötig – Ausweiskopien werden per App hochgeladen. TMRW gehört der singapurischen Bank UOB, die rund 65 Millionen Dollar für die Entwicklung der App ausgab.

Die Bankmanager hoffen, dass sich die Investition lohnt, weil die laufenden Kosten der Digitalbank deutlich unter denen stationärer Geldhäuser liegen. Gleichzeitig sehen sie die Chance, mit dem Modell schnell in neuen Märkten aktiv werden zu können: TMRW soll demnächst in Indonesien und Vietnam, möglicherweise auch in Malaysia starten.

Go-Pay-Manager Haryopratomo zeigte sich angesichts der wachsenden Konkurrenz zuletzt nicht sonderlich beunruhigt. Er glaubt daran, dass sich die neuen Anbieter nicht gegenseitig behindern, sondern den Markt insgesamt wachsen lassen. „Es ist wie bei einem Korallenriff“, sagte er in einem Interview: „Je lebhafter es ist, umso mehr Fische kommen.“

Mehr: Durch den technischen Umbruch werden die Karten im Finanzsektor neu gemischt. Wer heute zu den Gewinnern gehört, kann morgen auf der Verliererseite stehen. Auftakt der Serie „Die Zukunft der Finanzbranche“.

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