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Soziale Netzwerke Lockruf des schnellen Geldes: Wie Vertriebler mit den gefährlichen Währungswetten werben

Immer aggressiver treten Vertriebler dubioser Geldanlagen in den sozialen Medien auf. Sie versprechen vor allem jungen Leuten das schnelle Geld mit Währungswetten.
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Besonders junge Menschen geraten hier in den Fokus von fragwürdigen Vertrieblern. Quelle: dpa
Instagram, Facebook und Co.

Besonders junge Menschen geraten hier in den Fokus von fragwürdigen Vertrieblern.

(Foto: dpa)

Frankfurt Zu Beginn gab es Komplimente und das Versprechen auf tolle Reisen. „Tolle Ausstrahlung“, schrieb der Vertreter Anfang vergangenen Jahres der Autorin dieses Artikels unter ein Bild, das sie über die Bilderplattform Instagram hochgeladen hatte. Er arbeite an einem Projekt, das Menschen helfe, günstiger zu verreisen, und biete eine Zusammenarbeit an. Weiteres solle dann über WhatsApp kommuniziert werden.

Der Vertreter, ein junger Mann um die 30, schreibt, er sei gerade zum dritten Mal innerhalb weniger Monate im Urlaub gewesen – und das könnten andere bald auch. Das Einzige, was dazu nötig sei: sich für 200 Euro einen Zugang zu einer Lernplattform namens „iMarketsLive“ zu kaufen. Dort könne jeder von Profis lernen, die sich ein Vermögen mit „Forex-Trading“ erwirtschaftet haben.

Forex-Trading bezeichnet den Handel mit Währungen – ein Handel, der großen Schwankungen unterliegt und selbst für Experten mit großen Verlusten verbunden sein kann. Doch laut dem Vertreter müsse, wer den Anweisungen der „iMarkets‧Live“-Plattform folgt, nicht einmal gut mit Zahlen umgehen können, um möglicherweise Gewinne mit Forex-Trading einzufahren.

Der Blick in eine Facebook-Gruppe, in der sich die Nutzer der Plattform vernetzt haben, zeigt: Professionelle Geschäftsleute sind nicht die primäre Kundengruppe, sondern hauptsächlich junge Menschen. Sowohl in der Gruppe als auch auf den privaten Profilen der Vertreter werden oft Beiträge mit Erfolgsgeschichten hochgeladen. Ein Beispiel: „Innerhalb eines Monats hat er (ein Nutzer der Plattform, Anm. d. Red.) ein passives Einkommen erreicht, was 99 Prozent der Menschheit nicht haben.“

Dieses Einkommen hat sich der User nach eigenen Angaben aber nicht mit Forex-Trading erwirtschaftet, sondern indem er als Vertreter für „iMarketsLive“ Network-Marketing betreibt. Wer zwei Kunden anwirbt, muss die monatliche Gebühr für die Lernplattform nicht mehr zahlen. Werben diese Kunden dann wieder Kunden an, erreicht man je nach Anzahl der neuen Mitglieder eine neue Stufe, die mit einem höheren Einkommen verbunden ist.

Verbraucherzentrale warnt schon länger

Wolf Brandes, Teamleiter der Marktwächter Finanzen bei der Verbraucherzentrale Hessen, sieht „iMarketsLive“ sehr kritisch. „Die Beschwerden, die in den Verbraucherzentralen eingehen, deuten auf ein Schneeballsystem hin“, sagt er. Das Forex-Trading diene möglicherweise nur als Aufhänger.

Brandes und die Verbraucherzentrale warnen schon seit einiger Zeit davor, dass dubiose Geldanlagen immer aggressiver in den sozialen Medien beworben werden. Es gebe weit mehr als 100 Seiten im Netz mit solchen einschlägigen Angeboten, so Brandes. Teils hat ein betrügerischer Anbieter gleich mehrere Seiten, damit das Geschäft mit den falschen Versprechen weiterbrummt, wenn eine Website gesperrt wird.

Bei einem Großteil der gemeldeten Fälle vermutet Brandes, dass dem Geschäftsmodell ein Schneeballsystem zugrunde liegt. Neukunden werden aufgefordert, neue Mitglieder zu werben, um Vergünstigungen oder ein passives Einkommen zu erhalten. Das passive Einkommen stammt aus den Einzahlungen der Neumitglieder. „Solche Systeme kollabieren zwangsläufig, wenn das Mitgliederwachstum stagniert.“

Als Einstiegsgebühr wird häufig ein Beitrag von etwa 250 Euro verlangt. Die Anbieter locken mit Vorwänden wie schnellem Geld durch CFD- oder Forex-Trading oder dem Vermieten von freiem Speicherplatz auf dem PC. In vielen dieser Fälle sehen die Betroffenen nie wieder etwas von ihrem angelegten Geld. Weil die Betrugsseiten meistens mit einer Adresse im Ausland gelistet sind, ist es nahezu unmöglich, an die Verantwortlichen heranzukommen.

Auch im Fall von „iMarketsLive“ stellte es sich als unmöglich heraus, jemanden zu erreichen. Eine Mail an die Infoadresse von „iMarketsLive“ wird als unzustellbar zurückgesendet. Eine Bitte zur Stellungnahme ließen zwei der Hauptverantwortlichen unbeantwortet, von denen sich eine private Mailadresse und im anderen Fall ein Facebook-Profil im Netz befanden.

Geschäft mit mangelnder Erfahrung

Auf den ersten Blick wirkt „iMarketsLive“ wie eine harmlose Lernplattform für Forex-Trading. Unter anderem wirbt der Anbieter damit, dass User Profis per Video beim Traden zusehen und von ihnen lernen können. Für das Trading selbst laden sich die Nutzer externe Apps herunter. Auch das Geld, das die Betroffenen „iMarketsLive“ überweisen, überschreitet nicht die monatliche Gebühr von etwa 150 Euro – ein Ponzi-Schema in dem Sinne, dass Anleger ihr Kapital anlegen und verlieren, existiert also nicht.

Doch gefährlich sind „iMarketsLive“ und die dazugehörige Community, die sich „True Peak Revolution“ nennt, trotzdem, weil sie unerfahrenen Anlegern das hochriskante Forex-Trading als vernünftige Möglichkeit zur Geldanlage glaubhaft machen wollen. So wirbt die Plattform in pathetischen Worten damit, bis 2020 die Vision zu haben, eine Million Menschen zu bilden, zu bereichern und zu ermächtigen.

Der Vertreter etwa, der die Autorin vor rund einem Jahr über Instagram kontaktierte, führt als Erfolgsbeispiel einen Mann an, der mit Trading aus 87 Euro fast 28.000 Euro gemacht habe. Der Vorstandsvorsitzende der Schutzgemeinschaft für Kapitalanleger, Daniel Bauer, hält diesen Erfolg für unwahrscheinlich. „Es mag einzelne Anleger geben, die erfolgreich waren.

Die Chance dürfte jedoch höher sein, im Lotto sechs Richtige zu haben, als auf den entsprechenden Plattformen mit wenig Einsatz Millionär zu werden“, sagt er. Viel wahrscheinlicher seien hohe Verluste, da viele Anleger die Volatilität des Marktes unterschätzten und zu hohe Hebel wählten. Hebel vervielfachen den Gewinn, der durch steigende Kurse erzielt wurde, können aber genauso in die andere Richtung wirken – also den Verlust extrem vermehren.

„Mit geringem Kapitaleinsatz können sehr hohe Verluste entstehen“, sagt eine Sprecherin der Bafin. Grundsätzlich sei Trading mit CFDs oder Forex nicht illegal, für Kleinanleger aber aus Schutzgründen nur eingeschränkt möglich. CFDs (Contracts for Difference, „Differenzkontrakte“) sind eine Art derivatives Trading.

Käufer und Anbieter eines CFDs tauschen zu Beginn und am Ende der Laufzeit Geld gegen einen Wertgegenstand, etwa eine Aktie. Der Anleger erwirbt vom Anbieter beispielsweise eine virtuelle Aktie und hinterlegt dafür eine Geldsicherheit. Endet die Laufzeit des CDFs, verkauft der Anleger die Aktie zurück an den Anbieter.

Ist die Aktie während der Laufzeit gestiegen, erzielt der Anleger einen Gewinn, ist sie gesunken, einen Verlust. Das Hedging mit CFDs kann sich auch zum Absichern von klassischen Wertpapierdepots eignen. Mehr als drei Viertel der Anleger machen mit CFD-Trading Verluste, so die Bafin. Trading-Anbieter seien daher auch seit etwas mehr als einem Jahr verpflichtet anzugeben, wie viele ihrer Anleger Verluste machen.

Warnung aus Übersee

Da „iMarketsLive“ weder ein Schneeballsystem im strengen Sinne noch ein direkter Trading-Anbieter ist, fällt die Plattform nicht unter die Aufsicht der Bafin. Finanzmarktaufsichten anderer Länder – etwa von Belgien, Frankreich, Spanien, den Bahamas und Kolumbien – warnen jedoch vor „iMarketsLive“. Laut der belgischen Finanzmarktaufsicht FSMA ist es „iMarketsLive“ in Belgien sogar verboten, Prämien für das Anwerben von Neukunden zu zahlen.

„Vollkommener Quatsch“, sagt der Vermittler, den die Autorin nun erneut kontaktierte. Jeder könne eine eigene Web‧site erstellen und einen Artikel hochladen. In demselben Gespräch prahlt er auch damit, von seinem passiven Einkommen leben zu können, und rät davon ab, noch ein paar Nächte darüber zu schlafen, ob man sich bei „iMarketsLive“ anmelden sollte. „Wenn du dich anmeldest, bist du in meinem Team und verdienst an jedem Neukunden mit. Je länger du wartest, desto mehr entgeht dir.“

Mehr: Kaum jemand denkt sich viel dabei, wenn er bei Facebook einen Kommentar mit „Gefällt mir“ markiert. Doch das Liken einer Beleidigung kann strafbar sein.

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