Sparer und der Nullzins Es kommt noch schlimmer

Bisher hielten sich die Konsequenzen für Sparer in der Nullzinswelt in Grenzen. Das wird sich nach Meinung der Deutschen Bank bald ändern. Der Blick nach vorne sieht düster aus: 2017 könnte es ein böses Erwachen geben.
20 Kommentare
Der EZB-Chef will mit Tiefzinsen die Wirtschaft ankurbeln. Quelle: AFP
Mario Draghi

Der EZB-Chef will mit Tiefzinsen die Wirtschaft ankurbeln.

(Foto: AFP)

FrankfurtAlle Welt redet vom Nullzins. Die Deutsche Bank auch. In einer aktuellen Analyse titeln die Experten: „Schwierige Zeiten für deutsche Sparer“. Mit einem Zinssatz von Null müssen Anleger zwar schon heute kalkulieren. Das böse Erwachen wird es aber erst im nächsten Jahr geben, schätzen die Experten.

Bisher ist die Welt nämlich noch einigermaßen in Ordnung. Deutsche-Bank-Analyst Oliver Rakau belegt das mit Zahlen. Bisher hielten sich die Effekte der Nullzinspolitik in Grenzen. Die deutschen Privathaushalte erzielten mit ihren Finanzvermögen in den vergangenen vier Jahren eine Rendite von durchschnittlich jährlich 3,4 Prozent. Bei Einführung des Euros lag sie sogar bei rund sechs Prozent. Zu rund drei Vierteln besteht das Finanzvermögen aus Bargeld, Einlagen und Versicherungen.

Jeder Mensch auf der Welt ist theoretisch mit 20 000$ verschuldet

Robuste Einnahmen aus Versicherungen, Investmentfonds und Alterssicherungen wirkten stabilisierend. Wichtig waren dabei auch höher verzinsliche Altanlagen und Wertgewinne im Zuge der sinkenden Marktzinsen. Zur Erinnerung: In den vergangenen 25 Jahren sank beispielsweise die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe von rund neun auf null Prozent.

Im laufenden und kommenden Jahr werden die Belastungen jedoch steigen. „Die Puffereffekte von langfristigen zinstragenden Anlagen mit hohen Kupons dürften spürbar zurückgehen, da Haushalte immer weniger solcher Anlagen halten“, glaubt Deutsche-Bank-Analyst Rakau. Wer vor einigen Jahren beispielsweise Bundesanleihen mit einer jährlichen Ausschüttung von drei oder vier Prozent gekauft hat, der bekommt heute nur noch null Prozent.

Bald kommt die negative Rendite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Sparer und der Nullzins - Es kommt noch schlimmer

20 Kommentare zu "Sparer und der Nullzins: Es kommt noch schlimmer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Lothar Thürme
    Sie fragen "wo bleibt nur die Politik?" Wenn Sie einen Deutschlehrer zum Wirtschaftsminister machen, einen Advokaten zum Finanzminister und eine Polit-Theologin zur Kanzlerin, die allesamt keine Ahnung von Finanzen haben, dann darf man sich diese Frage nicht stellen.

  • Gold ist nicht teurer geworden, sondern unser Geld hat seinen Wert halbiert in den letzten 15 Jahren seit dem "Siegeszug" des Euro. Daher ist es m.E. immer noch richtig, sich mit Gold einzudecken, wenn man kein Fachmann für andere wertvolle Sach- Investitionen ist und sich nicht übers Ohr hauen lassen möchte.
    Politisch haben die Hauptakteure verbal aufgerüstet. bestes Beispiel eines redegewandten Propheten der alten Eliten ist Justizminister Maas. Solche Leute sind die Stützen von Draghi, Juncker & Co. Der Mann ist gefährlich auch für die Wirtschaft.

  • Why, Mr. Draghi? Immer deutlicher werden die negativen Folgen und Risiken der ultralockeren Geldpolitik. Verlierer der Nullzinspolitik sind nicht nur die wirtschaftliche Innovationsdynamik und damit die künftigen Einkommen der Beschäftigten, sondern auch die Stabilität des Bankensektors und vor allem die Sparer und deren Altersversorgung. Sie alle waren einst Fundament unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung. Dieses Fundament zerbricht nun langsam. Warum nur? Klar, offiziell handelt die EZB mit dem Ziel, das Preisniveau anzuheben und den Euro zu stabilisieren. Aber stimmt das auch? Warum nur verstummen die Stimmen nicht, die hinter all dem etwas ganz anders vermuten, nämlich die konsequente Umverteilung von Nord- nach Südeuropa? Hätten diese Stimmen Recht, würde die EZB eher zum Zerfall der Eurozone beitragen. Joseph Stiglitz sieht die Eurozone bereits zerfallen. Wo bleibt nur die Politik? Fast scheint es, als würde sie sich gerade jetzt, wo wir Konzepte, deren Kommunikation und Durchsetzung so dringend benötigen würden, einen schlanken Fuß zu machen.

  • Der Sachverhalt ist kompliziert. Vielleicht führt ein angenommener Denkansatz, dass sich hier ein hier mafiöse Strukturen in der Praxis etabliert haben.

    Wer den ESM-Vertrag einmal tatsächlich liest, der möchte einen solchen Denkansatz und die daraus folgenden Konsequenzen nicht ausschließen.

  • Nichts gegen Herrn Rakau...

    aber der Durchschnitt der letzten Jahre ist vielleicht doch nicht sooo relevant (weil der wird sich auch 2017 nicht so stark ändern).

    Ich finde die einfachste Zahl in dem Zusammenhang ist das Steueraufkommen des Bundes durch die Kapitalertragsteuern. Nur wollen die Analysten das Thema/Fass nicht aufmachen, weil dann die Story, dass der Bund Vorteile aus den Niedrigzinsen zieht, eben nicht mehr zieht. Es gibt ganz wenige Artikel dazu, aber offensichtlich sind die Einnahmen aus dieser Steuer auf 0 gefallen (wobei ich nicht weiß, ob Aktiengewinne beim Verkauf hier mit enthalten sind).

    Überschlagsmäßig verliert der Bund hier sehr viel mehr Geld als er tatsächlich spart... aber, ein tolles Thema für Wirtschaftspresse!!! Also liebes Handelsblatt....

  • Die Deutschen brauchen sich über ihr Finanzvermögen keine Gedanken mehr zu machen, die hat unser Finanzminister Schäble, Anfang diesen Jahres, an die EZB verpfändet, für was wohl?

  • Die deutschen Privathaushalte erzielten mit ihren Finanzvermögen in den vergangenen vier Jahren eine Rendite von durchschnittlich jährlich 3,4 Prozent. >>

    Da sind die Ertäge aus allen Anlagen gemeint und nicht die der Sparer. Wir Wohlhabenden erzielen doch über 10%. Fragen an die Sparer erübrigen sich, diese Leute leben vom Verlust, zu allen Zeiten.

  • << Die deutschen Privathaushalte erzielten mit ihren Finanzvermögen in den vergangenen vier Jahren eine Rendite von durchschnittlich jährlich 3,4 Prozent. >>

    Diese 3,4 % hat sich der Verfasser wohl aus seinen Fingern gesaugt..........oder er muesste mal der Menschheit erzaehlen, wie man aus 0,5 % auf die Ersparnisse die 3,4 % Rendite erzeugt.........?

    Eine Sparernation, die als grosser AKTIENMUFFEL gilt, hat eine Rendite, die in der Groessenordnung dem erzielbaren Zinsatz entspricht !


  • Die Behauptung Inflation macht den Reichen arm ist lächerlich.
    Die EZB zahlt die Schulden der Reichen, fast alle Schulden landen dadurch beim Staat, so ist es vorgesehen vom System. Uns Wohlhabenden gehören am Ende die Sachwerte, dem Staat und dem Sparer die Papierschnippsel auch Geld genannt.
    Das bedeutet Wohlstand, steigende Dividenden und natülich, damit der Plebs sich nicht langweilt, Arbeitsplätze.
    Ein Hoch auf Herrn Draghi, der die Profite erhöht und unsere Schulden kauft.

  • Hallo Herr Keil, ihre sozialistischen Glaubenssätze sind erfrischend. Auch reiche Mitmenschen sind von der Geldschöpfung der EZB, 0 und Negativzinsen betroffen, zwar weniger als kleine Anleger. Auch in grossen Anlagevermögen dominierten bislang festverzinsliche Anlagen.

    Nutzniesser sind in erster Linie hochverschuldete Staaten insbesondere Italien und Frankreich. Bezahlt wird dies überproportional von Sparern aus Deutschland.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%