Spartipps zum Jahresende Was Sie jetzt noch erledigen sollten

Ein neues Handy, ein neues Bad, ein Englisch-Kurs: Wer jetzt noch Geld ausgibt, kann sich Gutes tun – und dabei noch sparen. Die besten Tipps für Berufstätige, Patienten, Spender und Ehegatten zum Jahresende.
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Mit einigen Tricks kann man den Fiskus zur Kasse bitten. Quelle: dpa
Fast geschenkt

Mit einigen Tricks kann man den Fiskus zur Kasse bitten.

(Foto: dpa)

BerlinIn den letzten Wochen des Jahres hat man eigentlich Besseres zu tun als sich um Steuerfragen zu kümmern. Weihnachtsgeschenke kaufen, Weihnachtsfeiern mit den Kollegen oder Weihnachtsmärkte besuchen – an Ablenkung mangelt es wirklich nicht. Dennoch sollte man sich ein paar Minuten Zeit nehmen und seine Ein- und Ausgaben überschlagen, bevor das alte Jahr endet. Denn mit den richtigen Weichenstellungen und vergleichsweise übersichtlichem Aufwand kann man zum Jahresende noch einen Haufen Geld sparen – und sich dabei sogar noch etwas Gutes tun. Geld ausgeben, um Geld zu sparen? Was kann es Schöneres geben? Hier einige Tipps ...

Für Berufstätige

Ein neues Smartphone, ein neues Laptop – und der Fiskus hilft? Das ist kein Weihnachtsmärchen, sondern Steuerrecht. Nutzen Sie die Geräte nicht nur privat, sondern auch beruflich, können Sie die Ausgaben (zumindest teilweise) als Werbungskosten absetzen. Bis zu 1000 Euro gesteht der Staat jedem Arbeitnehmer als Pauschale zu, egal, wie hoch die Ausgaben wirklich sind. Aber jeder Euro, den man darüber hinaus investiert, spart Steuern. Wer schon mit seinem täglichen Arbeitsweg an der 1000-Euro-Marke kratzt, kann mit dem neuen Laptop, Fachbüchern, dem Englisch-Kurs oder Büromaterial die Pauschale überschreiten.

Tipp: Bündeln Sie die Ausgaben! Wenn Sie in diesem Jahr deutlich unter der 1000-Euro-Marke liegen, sollten Sie Auslagen für den Beruf ins neue Jahr verlagern. Können Sie dagegen absehen, dass Ihre Werbungskosten im nächsten Jahr deutlich niedriger sein werden, etwa weil Sie näher an Ihren Arbeitsort ziehen, sollten Sie versuchen, jetzt noch möglichst viele Werbungskosten zu produzieren.


Für Patienten

Ausgaben zu bündeln, lohnt sich auch bei Gesundheitskosten. Zahnersatz, Brillen, Kuren, Arzt- und Rezeptkosten kann man als außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen. Allerdings muss man einen – vergleichsweise hohen – Eigenanteil selber tragen. Dieser ist individuell unterschiedlich und richtet sich nach dem Einkommen, dem Familienstand und der Zahl der Kinder. Bei einer Familie mit zwei Kindern und einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 40.000 Euro liegt der zumutbare Eigenanteil bei 1200 Euro, hat der Bund der Steuerzahler ausgerechnet. Erst Kosten, die darüber liegen, helfen, Steuern zu sparen.

Für Mieter und Eigentümer

Auch wer seinem Zuhause vor Weihnachten noch einen frischen Anstrich verpasst, kann seine Steuerlast verringern. Voraussetzung: Sie beschäftigen einen Handwerker und pinseln nicht selbst. Für Handwerker kann man Lohnkosten von bis zu 6000 Euro im Jahr ansetzen, davon berücksichtigt der Fiskus 20 Prozent, also 1200 Euro. Haben Sie im laufenden Jahr aber schon Ihr Dach decken oder ein neues Bad einbauen lassen, sollten Sie mit dem Handwerker vereinbaren, dass er Ihnen die Rechnung erst im nächsten Jahr stellt. Möglich ist es auch, die Rechnung zu teilen, also einen ersten Abschlag 2016 zu zahlen und den Rest 2017. Steuerlich begünstigt sind auch Dienstleistungen wie Schneebeseitigung oder Gartenarbeit. Auch hier können Sie 20 Prozent der Aufwendungen absetzen, allerdings ist der Rahmen mit 20.000 Euro deutlich weiter. Unterm Strich können Sie pro Jahr 4000 Euro sparen.

Tipp: Die Steuerersparnis bezieht sich nur auf die Lohn-, nicht auf die Materialkosten und nur, wenn Sie das Geld überweisen. Barzahlungen akzeptiert der Fiskus nicht.

Für Liebende

Immer wieder gibt es Anläufe, das Ehegattensplitting abzuschaffen, doch noch gibt es das Steuersparmodell. Es hilft Paaren, bei denen der eine Partner deutlich mehr verdient als der andere. Eine Heirat kann daher sowohl das private Glück als auch auch die Haushaltsfinanzen bereichern.

Tipp: Wer bis Silvester dieses Jahres beim Standesamt war, kann das Ehegattensplitting für das gesamte Jahr 2016 in Anspruch nehmen. Wer sich scheiden lassen will, sollte bis Januar 2017 warten – und kann dann trotz der Trennung noch das ganze nächste Jahr den Splittingtarif nutzen.

Spenden – und gleichzeitig sparen

Warum Sie eine Steuererklärung abgeben sollten
Steuererstattung nicht entgehen lassen
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Wer keine Steuererklärung abgibt, weil er dazu nicht verpflichtet ist, dem entgeht im schlimmsten Fall eine ordentliche Steuererstattung. Deutlich unangenehmer wird es für jene, die nicht handeln, obwohl sie eine Erklärung abgeben müssten…

Viel Aufwand bei Pflichtverletzung
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Das Finanzamt kann ohne Begründung für bis zu sieben Jahre rückwirkend eine Steuererklärung verlangen. Interpretiert der Fiskus die Nichtabgabe als Versuch, Steuern zu hinterziehen, können die zuständigen Beamten sogar bis zu 13 Jahre rückwirkend eine Steuererklärung einfordern. „So viele Steuererklärungen auf einmal zu machen ist schwierig und aufwendig“, sagt Christina Georgiadis vom Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH). Aber es kann noch schlimmer kommen…

Strafzahlung bei Steuerhinterziehung
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„Richtig teuer wird es, wenn tatsächlich eine bewusste oder unbeabsichtigte Steuerhinterziehung ans Tageslicht kommt“, so Georgiadis. Dann drohen Strafzahlungen und im Einzelfall sogar Freiheitsstrafen. Damit es erst gar nicht zur versehentlichen Steuerhinterziehung kommt, lesen Sie im Folgenden, wer eine Steuererklärung abgeben muss.

Warten bis zur Aufforderung
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„Mich hat ja keiner gefragt“ – wer glaubt, sich mit diesem Argument aus der Affäre ziehen zu können, der irrt gewaltig. Die fehlende Aufforderung ist kein Indiz dafür, dass Sie keine Steuererklärung abgeben müssen. Das Finanzamt kann Sie einfach vergessen haben. Oft ist es schlichte Überlastung, die das Finanzamt von der eingehenden Recherche abhält. „Aber in Zeiten der elektronischen Datenverarbeitung kann man davon ausgehen, dass die Maschen im Netz enger werden“, warnt Steuer-Expertin Christina Georgiadis.

Einmal ist immer das erste Mal
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„Das habe ich doch noch nie gemacht“ – auch diese Ausrede lässt der Fiskus nicht gelten. Auch wenn Sie in der Vergangenheit keine Steuererklärung abgeben mussten, kann sich das geändert haben – zum Beispiel durch neue Gesetze oder veränderte Lebensumstände – dazu später mehr…

Keine Automatik
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„Das passiert doch heute alles automatisch“ – bei vielen Daten stimmt das sogar. Arbeitgeber, Banken und viele Krankenkassen melden bereits die Einkünfte ihrer Mitarbeitenden beziehungsweise Kunden an den Fiskus. Richtig ist auch, dass man diese Daten in die eigene Steuererklärung übertragen kann (vorausgefüllte Steuererklärung). Aber das entspricht noch längst keiner Steuererklärung. Ohne eigenes Zutun geht es also nicht.  Doch die Datenübermittlung hat eine wichtige Folge…

Große Entdeckungsgefahr
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„Mit der sogenannten vorausgefüllten Steuererklärung hat das Finanzamt einen recht genauen Überblick, wer wie viele Einkünfte aus welchen Quellen bezieht“, sagt VLH-Expertin Georgiadis. Das bedeute, dass der Fiskus jederzeit nachschauen kann, wer eine Steuererklärung abgeben müsste und das noch nicht getan hat. Als Steuerhinterzieher entdeckt zu werden, dürfte also nur eine Frage der Zeit sein.

Für Ehegatten

Sie erwarten ein Kind und wissen schon jetzt, wer das Elterngeld beantragen wird? Dann sollte der- oder diejenige möglicherweise noch schnell die Steuerklasse wechseln, da Leistungen wie Eltern-, Kranken- oder Arbeitslosengeld vom Nettoeinkommen berechnet werden. Der Partner, der sein Netto steigern will, sollte in die Steuerklasse III wechseln, in der man weniger Steuern zahlt. Generell gilt: Verheiratete Arbeitnehmer sollten vor dem Jahreswechsel prüfen, ob ihre Lohnsteuerklassen noch passen. Ehepaare haben die Wahl zwischen der Steuerklassenkombination IV/IV (für annähernd gleich hohe Einkommen geeignet), III/V (sinnvoll bei Einkommensdifferenzen) und dem Faktorverfahren (Steuerentlastungen wirken sich beim jeweiligen Partner direkt aus).
Achtung: Wer die Kombination III/V oder das Faktorverfahren wählt, muss später eine Einkommensteuererklärung machen.

Für Sparer

Für Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden ziehen Banken und Sparkassen automatisch die Abgeltungsteuer von 25 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer ein. Steuerzahler mit geringem Jahreseinkommen können sich von dem Abzug befreien lassen, in dem sie eine Nichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragen. Sie gilt in der Regel für drei Jahre. Die NV-Bescheinigung ist für alle sinnvoll, die geringe Arbeitseinkommen oder Renten, aber ein hohes Kapitalvermögen haben. Alle anderen Sparer sollten zumindest einen Freistellungsauftrag stellen. Kapitalerträge bis zu 801 Euro (Singles) oder 1602 Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren bleiben dann steuerfrei. Erträge, die darüber hinaus gehen, müssen versteuert werden.

Tipp: Wer Konten bei verschiedenen Kreditinstituten hat, kann Verluste aus dem einen Depot mit Gewinnen aus dem anderen Depot verrechnen. Dazu muss man sich jedoch die Verluste von seinem Geldhaus bescheinigen lassen. Diese Verlustbescheinigung müssen Sie sich bis zum 15. Dezember von der Bank holen.

Diese Beiträge können Sie tatsächlich steuerlich absetzen

Diese Beiträge können Sie tatsächlich steuerlich absetzen

Für Spender

Die Vorweihnachtszeit ist traditionell die Zeit, in der Menschen spenden. Kirchliche, mildtätige und gemeinnützige Spenden können bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte als Sonderausgaben in der Steuererklärung eingetragen werden. Bei Spenden bis 200 Euro sind keine Spendenbescheinigungen nötig, der Kontoauszug nebst Beleg der Spendenorganisation reicht. Für Spenden an anerkannte Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge unterstützen, reichen der Kontoauszug oder der PC-Ausdruck bei Online-Banking auch dann aus, wenn die Spende höher ist als 200 Euro. Dieses gilt bis zum 31. Dezember dieses Jahres.
Tipp: Wenn Sie 2016 schon so viel gespendet haben, dass Sie die 20-Prozent-Grenze überschreiten, können Sie Spenden in das nächste Jahr vortragen.

Für Planer

Wer jetzt schon absehen kann, dass er im kommenden Jahr hohe Ausgaben für den Beruf haben wird oder dass enorme Gesundheitskosten auf ihn zukommen, kann entsprechende Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen. Der Vorteil: Statt am Ende mit dem Finanzamt abzurechnen und sich zu viel gezahlte Steuern dann erst zurückzuholen, zahlt man von Anfang an weniger Steuern. Wer bereits ab Januar 2017 profitieren möchte, sollte jetzt aktiv werden und den Antrag noch in diesem Jahr beim Finanzamt stellen.

Man sollte Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen, wenn hohe Aufwendungen absehbar sind. Das können Werbungskosten sein, die die 1000-Euro-Pauschale übersteigen. Möglich ist das etwa, weil man umzieht und sich der Arbeitsweg verlängert oder weil man auswärts arbeitet und deshalb Mehrausgaben für die doppelte Haushaltsführung hat. Auch Sonderausgaben wie Unterhaltszahlungen an den oder die Ex oder außergewöhnliche Belastungen etwa für eine teure OP, die von der Kasse nicht bezahlt wird, können Gründe für Freibeträge sein. Voraussetzung ist, dass die Aufwendungen mehr als 600 Euro im Jahr betragen (bei Werbungskosten: 1000 Euro). Man kann den Antrag für zwei Jahre stellen.

Um den Antrag zu stellen, braucht man das amtliche Formular des Finanzamts. Wer sich Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen lässt, ist zudem gezwungen, später eine Steuererklärung zu machen. Das Finanzamt rechnet nach. Ändern sich die Umstände, auf denen der Freibetrag beruht, muss man das Finanzamt umgehend informieren.

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1 Kommentar zu "Spartipps zum Jahresende : Was Sie jetzt noch erledigen sollten"

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  • "Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

    @ Herr Hoffmann

    ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
    Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

    @Porters

    VIELEN DANK Herr Porters,
    es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
    Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
    Schön das Sie das zu schätzen wissen.

    Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
    Paff, von Horn, Trautmann, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke....

    ohne sie wäre ich hier sehr einsam !
    Danke

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