Starinvestor Warum Buffett nicht mehr gegen Hedgefonds wettet

Vor zehn Jahren wettete Warren Buffett, mit einem billigen Massenprodukt mehr Rendite einzufahren als ein Hedgefonds-Depot – und gewann. Jetzt steht der nächste Herausforderer bereit, doch Buffett reagiert überraschend.
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Der Starinvestor ist inzwischen 87 Jahre alt. Quelle: AP
Warren E. Buffett

Der Starinvestor ist inzwischen 87 Jahre alt.

(Foto: AP)

DüsseldorfEigentlich ist sich Warren Buffett sicher: Mit einem börsengehandelten passiven Fonds (ETF) könne er über einen Zeitraum von zehn Jahren mehr Rendite erzielen als die große Mehrheit professioneller Hedgefonds-Manager, die aktive Fonds verwalten. Erst in diesem Jahr hat er genau so eine Wette gegen Ted Seides, damals Manager bei der Anlagefirma Protégé Partners, gewonnen. Das Ergebnis war eine Blamage für die Branche. Einen neuen Herausforderer hatte Buffett bereits gefunden, doch dann machte er überraschend einen Rückzieher.

Zehn Jahre sollte die nächste Wette dauen, genau wie die erste. Buffetts neuer Herausforderer: Mark Yusko, Gründer und Chef-Anlagestratege des Hedgefonds Morgan Creek. Der Wetteinsatz sollte eine Million Dollar betragen. Doch Buffett hat ein Problem. In zehn Jahren wäre der Starinvestor 97 Jahre alt. In einer Mail an Yusko schrieb er daher, dass er dann höchstwahrscheinlich nicht mehr in der besten Verfassung sein werde, um über die Ergebnisse zu sprechen.

Das frische Portfolio von Warren Buffett

BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US0640581007
Börse
FSE

-0,44 -0,98%
+44,79€
Chart von BK OF NEW YORK MELLONCORP.,THE REGISTERED SHARES DL -,01
Bank of New York Mellon
1 von 45

Aufgestockt (1/4)

Bereits in den beiden letzten Quartalen des Jahres 2016 und im ersten Quartal 2017 hatte Buffett seine Beteiligung am Geldinstitut Bank of New York Mellon aufgestockt. Im zweiten Quartal 2017 kaufte er nochmals kräftig zu.

Buffetts Anteile: 50 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: plus 52,1 Prozent
Wert der Beteiligung: 2,7 Milliarden Dollar

Quelle aller Angaben: 13-F-Pflichtveröffentlichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC für das zweite Quartal 2017 (nur US-Aktien). Stand: 30. Juni 2017, veröffentlicht am 15. August 2017.

LIBERTY MEDIA CORP. REG.SH. A SIRIUSXM DL -,01

WKN
ISIN
US5312294094
Börse
FSE

+0,68 +1,68%
+41,02€
Chart von LIBERTY MEDIA CORP. REG.SH. A SIRIUSXM DL -,01
Liberty Sirius
2 von 45

Aufgestockt (2/4)

Der Satellitenradiobetreiber Liberty Sirius gehört zu den zahlreichen Medienbeteiligungen Buffetts aus der Liberty-Konzernfamilie. Im ersten Quartal 2017 stockte Buffett seine Beteiligung minimal auf, im zweiten Quartal kaufte er kräftiger zu.

Buffetts Anteile: 14,8 Millionen Stück (Class A) / 31,0 Millionen Stück (Class C)
Veränderung im ersten Quartal 2017: plus 45,0 Prozent (Class A), plus 39,3 Prozent (Class C)
Wert der Beteiligung: 645,1 Millionen Dollar (Class A), 2,0 Milliarden Dollar (Class C)

GENERAL MOTORS CO. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US37045V1008
Börse
Xetra

-0,02 -0,06%
+33,38€
Chart von GENERAL MOTORS CO. REGISTERED SHARES DL -,01
General Motors
3 von 45

Aufgestockt (3/4)

Auch an der ehemaligen Muttergesellschaft des deutschen Automobilbauers Opel, General Motors, ist der Investor beteiligt. Nachdem er im dritten Quartal 2015 seine Anteile um 22 Prozent deutlich aufgestockt hatte, hielt er sie lange konstant. Im zweiten Quartal 2017 hat er nun seinen Anteil aufgestockt.

Buffetts Anteile: 60 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: plus 20,0 Prozent
Wert der Beteiligung: 2,1 Milliarden Dollar

APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.

WKN
ISIN
US0378331005
Börse
Xetra

-1,74 -1,06%
+162,33€
Chart von APPLE INC. REGISTERED SHARES O.N.
Apple
4 von 45

Aufgestockt (4/4)

Warren Buffetts Konglomerat Berkshire Hathaway ist seit dem ersten Quartal 2016 Aktionär des Technologiekonzerns Apple – und das, obwohl Buffett als Skeptiker gegenüber Technologiewerten gilt. Bereits im vierten Quartal 2016 hatte der Star-Investor seine Beteiligung aufgestockt. Im ersten Quartal des laufenden Jahres griff er noch einmal kräftig zu: zum 31. März lagen im Vergleich zum Vorquartal mehr als doppelt so viele Apple-Anteilsscheine im Portfolio. Und auch im zweiten Quartal 2017 hat Buffett minimal zugekauft.

Buffetts Anteile: 130,1 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: plus 0,65 Prozent
Wert der Beteiligung: 20,8 Milliarden Dollar

INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US4592001014
Börse
Xetra

-0,71 -0,56%
+124,44€
Chart von INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20
IBM
5 von 45

Reduziert (1/7)

Gemessen am Investmentvolumen gehört der Software-Hersteller IBM eigentlich zu den Lieblingen im Buffett-Portfolio. Dennoch reduzierte der Anleger im ersten Quartal 2017 die Beteiligung um gut ein Fünftel. Und auch im zweiten Quartal ging es abwärts.

Buffetts Anteile: 54,0 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: minus 16,2 Prozent
Wert der Beteiligung: 7,7 Milliarden Dollar

WELLS FARGO & CO. REGISTERED SHARES DL 1,666

WKN
ISIN
US9497461015
Börse
Xetra

+0,37 +0,77%
+48,68€
Chart von WELLS FARGO & CO. REGISTERED SHARES DL 1,666
Wells Fargo
6 von 45

Reduziert (2/7)

Die US-Bank Wells-Fargo sorgte in der Vergangenheit für viele schlechte Schlagzeilen, unter anderem mit einem ausgewachsenen Skandal rund um Scheinkonten, die Mitarbeiter auf Prämienjagd ohne Wissen der Kunden eröffnet hatten. Buffett ließ sich von den Negativschlagzeilen lange nicht beirren. Der US-Finanzdienstleister blieb ein Favorit des „Orakels von Omaha“, auch wenn er auf seiner Hauptversammlung das Krisenmanagement scharf kritisierte. Er hält rund ein Viertel des Konzerns. Im zweiten Quartal 2017 scheint jedoch auch bei Buffett der Geduldsfaden mit der Skandalbank gerissen zu sein – er reduzierte seinen Anteil leicht.

Buffetts Anteile: 467,9 Millionen Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: minus 2,44 Prozent
Wert der Beteiligung: 24,7 Milliarden Dollar

WABCO HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US92927K1025
Börse
FSE

+0,11 +0,11%
+101,83€
Chart von WABCO HOLDINGS INC. REGISTERED SHARES DL -,01
WABCO Holdings
7 von 45

Reduziert (3/7)

Für den Aktienkurs des US-Zulieferer für die Automobilindustrie, Wabco, ging es im vierten Quartal 2016 auf eine Berg- und Talfahrt – die sich 2017 fortsetzte. Warren Buffett reduzierte daraufhin seinen Anteil bereits im ersten Quartal um mehr als 13 Prozent, im vergangenen zweiten Quartal ging es nun erneut abwärts: Buffett verkaufte fast seine komplette Beteiligung.

Buffetts Anteile: 63.195 Stück
Veränderung im zweiten Quartal 2017: minus 97,8 Prozent
Wert der Beteiligung: 8,8 Millionen Dollar

Mark Yusko reagierte enttäuscht auf den Rückzieher. Eine solche Wette mit Warren Buffett hätte das öffentliche Interesse auf das wichtige Thema von aktiven gegen passiven Fonds aufrecht erhalten. Denn die Branche steckt, nicht zuletzt wegen der ersten verlorenen Wette, in einer Legitimationskrise. Warum sollten Anleger einem Hedgefonds-Manager vertrauen und ihm Gebühren zahlen, wenn sie bei einem passiven Fonds höhere Rendite erzielen könnten? Mark Yusko will beweisen, dass Hedgefonds-Manager doch höhere Renditen erzielen können und sucht deshalb nach einem neuen Wettpartner.

In seiner ersten Wette, die Buffett 2008, mitten in der weltweiten Finanzkrise, mit Ted Seides abschloss, ging es um eine halbe Million Euro. Schon Monate vor Ablauf der 10-Jahres-Frist gestand Seides seine Niederlage ein. So erzielte der S&P 500 bis zum Mai diesen Jahres eine durchschnittliche jährliche Performance von 7,1 Prozent. Das von Seides zusammengestellte Hedgefonds-Depot kam nur auf 2,2 Prozent.

Wie groß der Unterschied wirklich ist, wird beim Vergleich mit Dollarbeträgen klar: Wer vor 2008 eine Million Dollar in die Hedgefonds investiert hätte, würde 2017 einen Gewinn von 220.000 Dollar bilanzieren. S&P 500-Anleger dagegen würden 854.000 Dollar einstreichen können.

Auch wenn Buffett nicht für eine erneute Wette bereit steht, ist der davon überzeugt, dass passive Fonds rentabler seien. Das liege ganz einfach daran, dass Manager von aktiven Fonds Gebühren verlangen, die die Rendite für die Anleger zu sehr schmälern würden.

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