Strategie Wie Finanzexperten Anlegern die Angst vor einer Rezession nehmen

An den Märkten wächst die Angst vor einem Crash. Finanzexperten teilen die Sorgen nicht – im Gegenteil. Sie erwarten sogar Kurszuwächse.
1 Kommentar
Der Wahlausgang in Italien sorgt bei vielen Anlegern für Irritationen. Quelle: Bloomberg
Blick auf die Börsentafel in Frankfurt

Der Wahlausgang in Italien sorgt bei vielen Anlegern für Irritationen.

(Foto: Bloomberg)

FrankfurtBeim Namen JP Morgan denken selbst altgediente Finanzexperten zunächst an das Investmentbanking der Wall Street. Aber die Bank hat in ihrer 220-jährigen Geschichte immer auch betuchte Familien beraten, in Deutschland macht sie das heute über das „Private Banking“.

David Stubbs, der Chef-Anlagestratege für Europa, ist aus London eingeflogen, um in Frankfurt etwaige Ängste vor einer Rezession und einem Crash an den Märkten zu zerstreuen. Trotz der geopolitischen Verwerfungen sieht der „Head of Client Investment Strategy“ aktuell keinen Grund für Schwarzmalerei.

„In diesem und im nächsten Jahr sehe ich die Aktienbörsen in guter Verfassung. Derzeit rechne ich für 2018 mit neuen Höchstständen bei den Indizes“, sagt der 37-jährige Manager im Gespräch mit dem Handelsblatt. Seinen Optimismus gründet er auf die Gewinne der Unternehmen, die allein in den USA in diesem Jahr laut Schätzungen um 24 Prozent steigen sollten.

Deshalb seien dies- und jenseits des Atlantiks, gemessen am Ertrag aus Dividenden und Kurssteigerungen, noch einmal Zuwächse von „mehr als zehn Prozent“ bis Ende des Jahres drin. Auch die Analysten der DZ Bank zeigen sich von den jüngsten Rückschlägen am Aktienmarkt unbeeindruckt.

Bis zur Jahresmitte 2019 erwarten sie einen Anstieg des Deutschen Aktienindexes (Dax) auf 14.200 Punkte, also ein Plus von rund elf Prozent. Wie JP Morgan auch sehen die Genossenschaftsbanker den Haupttreiber für diese Entwicklung in den deutlich wachsenden Unternehmensgewinnen.

Die Experten bei NN Investment Partners vertrauen ebenfalls auf diese Gewinne. Allerdings habe der Markt zuletzt positive Überraschungen relativ gering belohnt, negative Abweichungen von den Prognosen dagegen härter bestraft, heißt es. Das sei ein typisches Phänomen für die Endphase eines Zyklus – aber noch keine Indikation für einen echten Abschwung.

Aktien bleiben erste Wahl

Stubbs von JP Morgan sieht trotz geopolitischer Risiken wie dem Wahlergebnis in Italien momentan keinen Grund, warum man nicht in Aktien investiert bleiben sollte. Er sorgt sich eher um das Jahr 2020, weil dann die steuerlichen Anreize in den USA weitgehend aufgebraucht seien. Außerdem rechnet er bis dahin mit einer Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe bei 3,5 Prozent.

„Das ist dann eine echte Alternative zu Aktien“, meint der Europa-Chefstratege für die Superreichen. Denkbar sei aber, dass die Digitalisierung zu einer höheren Produktivität führt und den Superzyklus an der Börse noch einmal verlängert. Die besten Tech-Ideen hat JP Morgan in der „Digital Evolution Strategy“ zusammengefasst – dort finden sich aussichtsreiche Technologieaktien abseits von Facebook und Co.

Erstmals gibt Vermögensstratege Stubbs Einblick in ein „ausgewogenes Depot“ auf Dollar-Basis. US-Aktien haben dort mit 37 Prozent den größten Anteil, gefolgt von festverzinslichen Papieren mit 26 Prozent und europäischen Aktien mit knapp 14 Prozent. Aktien aus Schwellenländern – auch aus China – werden nicht berücksichtigt, dafür ist die konservative Kundschaft nicht zu begeistern.

Obwohl sie die Mittel dafür haben, setzen die „Ultra High Net Worth Individuals“ – abgekürzt UHNWI – nach Ansicht von Stubbs noch viel zu wenig auf alternative Anlagen außerhalb der Aktien- und Rentenmärkte, wie Private Equity, also Unternehmensbeteiligungen, und Immobilien.

Grund sei die Illiquidität der Anlagen, die viele Familien zurückschrecken lasse. „Die sofortige Verfügbarkeit ist für viele Investoren sehr wichtig, obwohl sie damit viele gute Chancen vergeben. Sie bezahlen einen hohen Preis für die Liquidität ihrer Anlagen“, glaubt Stubbs.

Zwar seien einzelne Kunden mit bis zu 70 oder 80 Prozent ihres Vermögens in illiquiden Anlagen investiert, der Großteil der Investoren halte sich aber zu sehr zurück. Im Musterportfolio von JP Morgan werden alternative Anlagen mit 9,5 Prozent veranschlagt.

Politisch treibt die reichen Kunden vor allem das Vordringen der Populisten um. Zuletzt wurden die Ängste durch den Wahlausgang in Italien neu geschürt. „Kommt die AfD bei der nächsten Wahl in die Regierung? Solche Fragen beunruhigen unsere Kunden“, sagt Stubbs. Wichtig sei jedenfalls, dass Deutschland reformbereit bleibe, bei der Marktöffnung ‧könne Berlin noch etwas liberaler werden. In den USA könne man beispielsweise rund um die Uhr Medikamente im Supermarkt einkaufen, das gehe in Deutschland nicht.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

1 Kommentar zu "Strategie: Wie Finanzexperten Anlegern die Angst vor einer Rezession nehmen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Da Banken heutzutage keine hohen Zinsen mehr anbieten, bleibt uns nichts anderes übrig, als in Anlagen zu investieren.

    Auf was ein Anleger aufpassen soll, findet ihr hier: https://www.finanzpolster.com/blog/schritt-fuer-schritt-zur-persoenlichen-anlagestrategie-teil-1/

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%