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Studie des Deutschen Aktieninstituts Anleger erwarten ausgewogenes Verhältnis von Dividenden und Kurssteigerungen

Eine Studie des Deutschen Aktieninstituts zeigt: Privatanleger wissen was sie von Aktien wollen. Sie informieren sich aber nur unzureichend.
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Institutionelle Anleger verfügen in der Regel über einen Informationsvorsprung gegenüber Privatanlegern. Quelle: imago/Sven Simon
Handelssaal in Frankfurt

Institutionelle Anleger verfügen in der Regel über einen Informationsvorsprung gegenüber Privatanlegern.

(Foto: imago/Sven Simon)

FrankfurtAuf der Hauptversammlung der Deutschen Post Mitte Mai musste Post-Chef Frank Appel den Aktionären viel erklären. Beim Anlegertreffen im Vorjahr hatte er noch den damaligen Vorstand der Brief- und Paketsparte gelobt, wenige Monate später gab die Post eine Gewinnwarnung aus – wegen Problemen in ebendieser Sparte. Die Aktie beendete das Jahr 2018 mit einem Minus von fast 40 Prozent und gehörte damit zu den schlechtesten Titeln im Dax. „Wir haben Vertrauen verloren“, sagte der Post-Chef dazu.

Der Konzern will jetzt jedes Jahr 150 Millionen Euro in die Sanierung der Brief- und Paketsparte investieren. Die Aktionäre belohnten Appels Ehrlichkeit immerhin mit Applaus – und seit Januar ist die Post-Aktie mit einem Plus von rund 23 Prozent schon wieder auf gutem Weg und gehört zu den Top Ten im Dax.

Mindestens genauso wichtig wie die Kurssteigerungen scheint für die Aktionäre aber ein anderes Thema zu sein, glaubt man den Ergebnissen einer aktuellen Studie des Deutschen Aktieninstituts (DAI): die konstante Dividende der Post. Das Unternehmen hat in seiner Historie die Ausschüttungen fast immer erhöht oder zumindest gehalten. 1,15 Euro je Aktie zahlt die Post aktuell.

Das DAI beauftragte für die Studie die Ruhr-Universität Bochum, die wiederum die Aktionäre der Deutschen Post befragte, vor allem deren Privatanleger, aber auch die institutionellen Investoren. Die Antworten der Privatanleger wurden so gewichtet, dass sie etwa von Alter oder Bildungsstand dem Schnitt der Aktionäre in Deutschland entsprechen.

Von daher sei die Studie durchaus repräsentativ für deutsche Kleinanleger, betont Bernhard Pellens, Lehrstuhlinhaber für Internationale Unternehmensrechnung an der Ruhr-Universität Bochum. Eine gewisse Verzerrung könne man zwar nicht ausschließen, weil Aktionäre der Post womöglich andere Einstellungen haben als Anleger in wachstumsstarke Unternehmen, die keine Dividenden zahlen.

Aber die Aktionäre wurden ausdrücklich nach ihrer Meinung zu Aktien allgemein befragt. Von daher ist die Befragung auch nach Einschätzung des stellvertretenden Geschäftsführers der DAI, Franz-Josef Leven, die „beste verfügbare Stichprobe“.

Ungenutzte Informationen

Die Aktionäre wurden bereits zum vierten Mal seit dem Jahr 2004 befragt. Dabei zeigt sich, dass die Dividenden den Anlegern zwar schon immer wichtig waren, ihre Bedeutung aber zugenommen hat. Im Jahr 2004 gaben noch 41 Prozent der Anleger Aktien den Vorzug, die keine oder nur geringe Dividenden zahlten, deren Kurse dafür aber deutlich stiegen.

Jetzt würden nur noch 15 Prozent der Anleger solche Aktien kaufen. Die Mehrheit der Privatanleger bevorzugt Aktien mit einem ausgewogenen Verhältnis von Dividenden und Kurssteigerungen (siehe Grafik). Bei institutionellen Investoren ist es ähnlich.

Grafik

Die Privatanleger wissen zwar demnach, was sie wollen, aber sie informieren sich nur unzureichend – auch das ist ein zentrales Ergebnis der Studie. Den Geschäftsbericht der Unternehmen nutzen nur 45 Prozent der Kleinaktionäre für ihre Anlageentscheidung, im Vorjahr waren es immerhin noch 52 Prozent.

Weniger als ein Drittel hält die Geschäftsberichte für verständlich. Das liegt laut Hochschullehrer Pellens auch daran, dass die Unternehmen dazu verpflichtet sind, immer mehr Informationen zu veröffentlichen.

Wenn die Privatanleger zum Geschäftsbericht greifen, interessieren sie sich vor allem für die Gewinn-und-Verlust-Rechnung, die Bilanz und den Lagebericht. Mit der Kapitalflussrechnung beschäftigen sich dagegen nur 28 Prozent der Privatanleger, die den Geschäftsbericht überhaupt ansehen. Das ist ein deutlicher Gegensatz zu den institutionellen Investoren.

Hier beschäftigen sich 94 Prozent vor allem mit dem sogenannten Cashflow, der angibt, wie viel Geld ein Unternehmen nach Abzug aller Ausgaben und Investitionen noch in der Kasse hat. Von daher wäre es auch für Privatanleger wichtig, sich über den Cashflow zu informieren. Pellens drückt das so aus: „Wenn ein Unternehmens-Cashflow negativ ist, dann brennt die Hütte, dann verbrennt ein Unternehmen Geld.“

Auch nach Einschätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) ist es für Anleger wichtig, sich mit Geschäftsbericht und Cashflow auseinanderzusetzen. Die Erfahrung der DSW zeigt aber: Wenn sich die Kleinaktionäre nicht nur als Anleger, sondern auch als Beteiligte am Unternehmen verstehen, beschäftigen sie sich auch mit den Geschäftsberichten der Unternehmen.

„Wir befragen regelmäßig unsere rund 30.000 Mitglieder, und bei ihnen ist das Interesse am Geschäftsbericht durchaus ausgeprägt“, sagt DSW-Sprecher Jürgen Kurz. Im Schnitt halten die DSW-Mitglieder Aktien von rund 20 verschiedenen Unternehmen und damit doppelt so viele wie die als repräsentativ geltenden befragten Kleinaktionäre der Deutschen Post.

Social Media als Entscheidungshilfe

Informationsmedium Nummer eins sind für die herkömmlichen Privatanleger nach wie vor die Medien. 68 Prozent nutzen vor allem Zeitungen, Magazine, Wirtschaftssendungen und Onlinequellen für ihre Anlageentscheidungen. Als am wichtigsten gelten dabei Printmedien. Soziale Medien wie Facebook oder Twitter folgen bei den Informationskanälen abgeschlagen auf dem letzten Platz mit zwei Prozent.

Aber: Jüngere Privatanleger mit vergleichsweise wenig Anlageerfahrung, weniger Aktien im Depot und geringerer ökonomischer Bildung nutzen Social Media mehr. So schätzen im Vergleich zum Gesamtdurchschnitt acht Mal so viele Einsteiger die Bedeutung von Social Media für das Treffen ihrer Anlageentscheidung als hoch oder sogar sehr hoch ein.

Der Informationsgehalt über die sozialen Medien ist zwar gering, aber: „Wir haben so die Chance, junge Leute überhaupt anzusprechen und für Aktien zu interessieren“, sagt Leven vom DAI. Weiter gehende Informationen müssten dann aber über andere Kanäle vermittelt werden.

Einen Kanal, den Anleger immer weniger nutzen, ist die Beratung durch Banken, Sparkassen oder Broker. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist deren Bedeutung als Informationsquelle um 40 Prozent gesunken. Nur noch 24 Prozent der Kleinaktionäre lassen sich beim Aktienkauf durch Banken beraten. Dafür gibt es der Studie zufolge vor allem zwei Gründe: zum einen die verschärften Regulierungen im Verbraucherschutz, der die Bankberatung stark einschränkt.

Zum anderen habe sich der Bankensektor immer noch nicht von seinem aus der Finanzkrise erlittenen Reputationsschaden erholt. Dabei ging es der EU bei den neuen Anlegerschutzregeln darum, das Vertrauen der Privatanleger in die Kapitalmärkte wiederherzustellen. Das ist jedoch auch nach Auffassung der DSW nicht geglückt. Laut einer Umfrage der Anlegerschützer vom April bewerten rund 94 Prozent der Anleger die neuen Regeln als „negativ“. Sie kritisieren unter anderem die Informationsflut.

Wichtiger als die nachlassende Bedeutung der Banken ist für DAI-Studienautor Pellens aber der Punkt, dass sich viele Anleger nicht umfassend anhand der Unternehmensberichte informieren. Außerdem nutzen viele ihr Stimmrecht auf der Hauptversammlung nicht. Allerdings ist das für Pellens angesichts des Aufwands, den Anleger betreiben müssen, um sich zu informieren, „ökonomisch nachvollziehbar“.

Dies gelte auch deshalb, weil Privatanleger den Informationsvorsprung der institutionellen Investoren ohnehin nicht ‧einholen können. Von daher sollten sie laut ‧Pellens bei ihren Investments weniger darauf ‧setzen, die besten Unternehmen zu finden, sondern eher auf eine breit gestreute Aktienanlage achten und einen langfristigen Anlagehorizont wählen.

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