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Trotz Kursrutsch Covestro ist die beste Neuemission der vergangenen zehn Jahre

Eine Studie zeigt: Für Anleger lohnt es sich oft, in Abspaltungen großer Konzerne zu investieren. Auch 2019 gibt es aussichtsreiche Kandidaten.
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Ein Jahr nach dem „Initial Public Offering“ hatte das Kursplus der Covestro-Aktie 123,7 Prozent betragen. Quelle: dpa
Covestro-Zentrale in Leverkusen

Ein Jahr nach dem „Initial Public Offering“ hatte das Kursplus der Covestro-Aktie 123,7 Prozent betragen.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer 20. November 2018 war kein guter Tag für die Aktionäre von Covestro. In einer Pflichtmitteilung korrigierte der Kunststoffhersteller seine Ergebnisprognose nach unten – die Aktie erlitt einen Schwächeanfall. Der wegen der Trockenheit zu niedrige Wasserstand des Rheins sorgt für Produktionsausfälle, das operative Ergebnis fällt deshalb wohl kleiner aus als geplant.

Die Investoren reagierten verschnupft: Die Aktien fielen um mehr als elf Prozent auf ein Zweijahrestief von 49,53 Euro. Es war der größte Kursrutsch seit dem Börsengang 2015.

Streng genommen ist das ungerecht: Für den Wasserpegel des Rheins kann Covestro nichts, und an der Börse gehört der Konzern zu den Erfolgsgeschichten. Laut einer exklusiven Auswertung der Beratungsfirma Kirchhoff fuhren Covestro-Anleger in den letzten zehn Jahren über weite Strecken am besten, betrachtet man die Kursentwicklung nach einem Börsengang.

Ein Jahr nach dem „Initial Public Offering“ – im Fachjargon IPO genannt– betrug das Kursplus 123,7 Prozent, nach 24 Monaten waren es sogar 198,1 Prozent (siehe Tabelle). Betrachtet man auch die ersten drei und sechs Monate nach dem Börsengang, dann liegt Covestro an der Performance-Spitze, vor dem Onlineunternehmen Lotto24 und der TLG Immobilien AG.

Aus Anlegersicht hat sich eine gewisse Bescheidenheit vor dem Börsengang ausgezahlt. „Unternehmen sollten den Preis bei einem IPO nicht voll ausreizen. Das erzeugt hohe Erwartungen, die dann nach dem Börsengang nicht erfüllt werden“, sagt Jens Hecht, Managing Partner bei Kirchhoff Consult.

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Covestro kam zu einem Ausgabepreis von 24 Euro an die Börse, nachdem die Preisspanne zuvor von ursprünglich angedachten 26,50 bis 35,50 Euro deutlich nach unten angepasst worden war. Sorgen um Chinas Wirtschaftswachstum und die Dieselaffäre hatten dem Leitindex Dax im Herbst 2015 zugesetzt, daher wurde der Börsengang eine wacklige Angelegenheit. Am vergangenen Freitag kostete eine Aktie gut 50 Euro. Aktuell raten 13 von Bloomberg befragte Analysten zum Kauf der Aktie, 15 zum Halten und keiner zum Verkauf.

Covestro ist eine Abspaltung des Bayer-Konzerns. Solche Ausgliederungen von Industriekonzernen zahlen sich für die Aktionäre oft aus, wie die Statistik zeigt. 2018 wurde der IPO von Siemens Healthineers, der Medizintechnik-Sparte des Industriegiganten, zur Erfolgsgeschichte.

Große IPOs besonders gefragt

Auch 2019 könnte ein lukratives Jahr für Neuemissionen werden. So will VW seine Nutzfahrzeugsparte aufs Parkett bringen, Continental die Antriebstechnik, sogar Thyssen-Krupp könnte sich aufteilen. Relativ konkret sind die Pläne der VW-Gruppe: Die Trucks der Marken MAN, Scania und Volkswagen sollen unter dem Kunstnamen Traton an die Börse gehen. Dabei könnten bis zu sechs Milliarden Euro erlöst werden, was den neuen Konzern zum Schwergewicht machen würde.

Anleger profitieren von großen IPOs meist mehr als von kleinen Emissionen. Zu den schlechtesten Börsengängen der vergangenen zehn Jahre zählen laut der Kirchhoff-Analyse beispielsweise die von Windeln.de und Elumeo (Edelsteinschmuck). Kleine Debütanten wie der Bekleidungshersteller Steilmann endeten sogar in der Insolvenz.

„Ich erwarte 2019 bis zu fünf milliardenschwere IPOs im deutschen Markt sowie eine Handvoll kleinere vielversprechende Transaktionen. Ein großes Thema werden auch weiterhin Konzernabspaltungen sein“, sagt Thomas Thurner, Leiter deutsches Aktienmarktgeschäft bei der US-Bank Morgan Stanley. „Bei Konzernabspaltungen kennen die Analysten und Investoren die Bilanz und das Geschäftsmodell, das macht eine Bewertung leichter“, erklärt er. Attraktiv seien IPOs großer Firmen mit werthaltigem Geschäftsmodell und moderater Verschuldung.

Angesichts des volatilen Börsenumfelds sei die frühe und gute Vorbereitung entscheidend, meint Stephan Hutter, Partner bei der Kanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom. Es gehe darum, den Zeitaufwand zwischen der IPO-Entscheidung und dessen Umsetzung so weit wie möglich zu reduzieren – und das nötige Zahlenmaterial aufbereitet in der Schublade zu haben.

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