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UBS-Verwaltungsratschef im Interview Warum Axel Weber Unternehmen zwingen will, nachhaltiger zu wirtschaften

Der Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS spricht über nachhaltiges Wirtschaften, gute Unternehmensführung und das Umdenken der Investoren.
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Der 62-Jährige ist seit sieben Jahren Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS. Quelle: AP
Axel Weber

Der 62-Jährige ist seit sieben Jahren Verwaltungsratspräsident der Schweizer Großbank UBS.

(Foto: AP)

Der Verwaltungsratschef der UBS, Axel Weber, ist überzeugt, dass Investoren künftig größeren Druck auf Topmanager ausüben werden mit dem Ziel, ihre Unternehmen auf mehr Nachhaltigkeit auszurichten. „Der Druck wird in den kommenden Jahren deutlich steigen“, sagt der ehemalige Bundesbank-Chef im Interview mit dem Handelsblatt. „Die Investoren werden die Unternehmen immer mehr dazu drängen, nachhaltiger zu wirtschaften.“

Das Thema Nachhaltigkeit wird laut Weber von einer schnell wachsenden Zahl mächtiger Investoren aufgegriffen. „Große US-Investoren schauen längst nicht mehr nur auf die Quartalszahlen, sondern vor allem auch auf gute Unternehmensführung sowie die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. Die Erwartung ist, dass ein nachhaltiges Geschäftsmodell langfristig auch höhere, risikoadjustierte Erträge liefert.“

Das Thema gilt als riesiger Trend an den Kapitalmärkten. Schon im Jahr 2016 betrug das Volumen des global nach ökologischen und sozialen Standards sowie Kriterien der guten Unternehmensführung ausgerichteten Kapitals laut dem Verband Forum Nachhaltige Geldanlagen rund 23 Billionen Dollar, ein Viertel des weltweit verwalteten Vermögens.

Immer häufiger thematisieren Großanleger diese Punkte auch auf den Hauptversammlungen und fordern vom Topmanagement konkrete und messbare Nachhaltigkeitsziele.

Weber appellierte an die Bankbranche, einen noch größeren Beitrag zum Kampf gegen den Klimawandel und für mehr Nachhaltigkeit zu leisten. „Unsere Branche war mitverantwortlich für die Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Jetzt müssen und wollen Banken im positiven Sinne Verantwortung übernehmen und maßgeblich dazu beitragen, dass das Wirtschaftssystem nachhaltiger wird.“

Dahin ist es noch ein weiter Weg: Schätzungen der Weltbank zufolge sind bis zu sieben Billionen Dollar jährlich notwendig, um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bis 2030 zu erreichen. Die bisherigen Versprechen privater Investoren seien dafür noch nicht ausreichend, räumt Weber ein. „Wenn aber die gesamte Finanzbranche sich engagiert, kommen wir schon sehr viel weiter.“

Eine Alternative zu den Zielen der Vereinten Nationen gebe es angesichts der Dramatik des Klimawandels nicht. „Die Ausgangslage ist denkbar ungünstig, und wenn wir die UN-Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen, müssen wir uns deutlich mehr anstrengen.“

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Weber, viele Großinvestoren setzen das Thema Nachhaltigkeit neu auf ihre Agenda. Was bedeutet das für die Unternehmen?
Der Druck wird in den kommenden Jahren deutlich steigen. Die Investoren werden die Unternehmen immer mehr dazu drängen, nachhaltiger zu wirtschaften.

Wer sind die treibenden Kräfte dieser Bewegung?
Haupttreiber für diesen Trend waren anfangs große Staatsfonds, wie zum Beispiel aus Norwegen. Mittlerweile wird das Thema aber von immer mehr Investoren aufgegriffen, zuerst meistens aus Europa, aber inzwischen auch aus Nordamerika. Große US-Investoren schauen längst nicht mehr nur auf die Quartalszahlen, sondern vor allem auch auf gute Unternehmensführung sowie die Nachhaltigkeit des Geschäftsmodells. Die Erwartung ist, dass ein nachhaltiges Geschäftsmodell langfristig auch höhere risikoadjustierte Erträge liefert.

Welche Rolle spielen die Banken?
Unsere Branche war mitverantwortlich für die Finanzkrise und deren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Jetzt müssen und wollen Banken im positiven Sinne Verantwortung übernehmen und maßgeblich dazu beitragen, dass das Wirtschaftssystem nachhaltiger wird. Dabei wollen wir bei UBS voranschreiten, indem wir nachhaltige Investitionslösungen und Finanzierungen anbieten und bei den Unternehmen höhere Transparenz anregen. Am Ende werden es aber vor allem institutionelle Investoren sein, die Druck auf Unternehmen ausüben. So hat UBS Asset Management zum Beispiel 2017 82 Prozent aller klimabezogenen Aktionärsbeschlüsse unterstützt.

Wie weit würden Sie gehen? Würden Sie auch Aktien verkaufen oder bestimmte Unternehmen nicht mehr finanzieren?
Wir haben sehr strikte Kriterien dafür, wie wir mit Unternehmen umgehen und welche Forderungen wir aufstellen. Wir stehen beispielsweise zunehmend im Dialog mit Unternehmen, was die Reduktion der Treibhausgase angeht. Wir müssen bei unseren Geschäften von Fall zu Fall entscheiden, oft auch Kompromisse eingehen – aber wir haben auch klare Kriterien für Geschäfte, welche wir nicht finanzieren. Wichtig ist, die Balance solcher Entscheidungen zunehmend Richtung Nachhaltigkeit zu verschieben. Wir finden, dass wir oft mehr erreichen, wenn wir gemeinsam mit den Unternehmen daran arbeiten, nachhaltiger zu wirtschaften, anstatt uns einfach zurückzuziehen.

Wie bringen Sie Unternehmen dazu, nachhaltiger zu wirtschaften?
Zum Beispiel durch unsere Zusammenarbeit mit Indexanbietern. Durch Nachhaltigkeitsindizes kann man positive Anreize setzen. Wenn Unternehmen in einen Index aufgenommen werden wollen, müssen sie sich an bestimmte Prinzipien halten. Und dann ist es ihre Entscheidung, ob sie dafür ihre Geschäftsmodelle anpassen wollen.

Sie haben 2017 versprochen, dass die UBS binnen fünf Jahren fünf Milliarden Dollar für Impact Investments einsammeln will, mit denen eine messbare Wirkung auf die Umwelt und hinsichtlich sozialer Belange erzielt werden soll. Wie weit sind Sie damit gekommen?
Wir sind hier in unserem Fahrplan jetzt schon weiter, als wir ursprünglich geplant hatten. Ich bin also zuversichtlich, dass wir unser Versprechen einhalten können. Das Ziel ist klar: Wir wollen unsere Kunden dazu animieren, nachhaltig zu investieren.

UBS hat gut drei Billionen Dollar an Assets. Da sind fünf Milliarden Dollar doch nur ein Feigenblatt.
Die fünf Milliarden Dollar beziehen sich allein auf Impact Investments – und in diesem Bereich ist das eine sehr ernst zu nehmende Summe. Im Bereich nachhaltiger Investments verwalten wir bei UBS immerhin ein Vermögen in Höhe von rund einer Billion Dollar, also etwa ein Drittel unserer gesamten verwalteten Vermögen. Das ist schon ein ernsthaftes Engagement, aber es gibt noch viel zu tun. Wir wollen unser Engagement ausbauen und auch andere mit an den Tisch bringen.

Inwiefern?
Wir treiben Nachhaltigkeit an vielen Fronten voran. Neben unseren eigenen Bemühungen in der Vermögensverwaltung für Privatkunden und im Asset Management engagieren wir uns beispielsweise stark im globalen Verband der Finanzindustrie, dem Institute of International Finance (IIF), den ich derzeit auch leite. Hier arbeiten wir mit rund 100 weiteren Mitgliedsunternehmen an einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Branche in Sachen Nachhaltigkeit und koordinieren dies sehr eng mit dem öffentlichen Sektor, zum Beispiel mit IWF, Weltbank, der G20 oder auch dem „Network for Greening the Financial System“ – einem Zusammenschluss von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden.

Aber reichen diese Bemühungen? Schätzungen der Weltbank zufolge sind bis zu sieben Billionen Dollar jährlich notwendig, um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen bis 2030 zu erreichen.
Die bisherigen Versprechen privater Investoren sind in der Tat bei Weitem noch nicht ausreichend, um diese Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Wenn aber die gesamte Finanzbranche sich engagiert, kommen wir schon sehr viel weiter.

Sind die Ziele überhaupt realistisch?
Die ehrliche Antwort lautet: Das wird sich zeigen. Aber ich sehe keine Alternative. Die Ausgangslage ist denkbar ungünstig, und wenn wir die UN-Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen, müssen wir uns deutlich mehr anstrengen. Jegliche Bemühungen in diese Richtung sind daher sehr willkommen.

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2 Kommentare zu "UBS-Verwaltungsratschef im Interview: Warum Axel Weber Unternehmen zwingen will, nachhaltiger zu wirtschaften"

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  • Sehr geehrter Herr Verwaltungsrat Weber!

    Über zwei Drittel aller (Umwelt-)Probleme in unserer Gesellschaft resultieren aus verkrusteten Strukturen und Prozessen. Mangelhafte (digitale) Mitarbeiterführung und falscher Umgang mit Kunden/Lieferanten/Bürgern verschlingt viele Milliarden an zusätzlichen Kosten. Dieser Befund deckt sich auch mit den neuen Studien der Beratungsunternehmen McKinsey / EY / PWC. Nachhaltigkeit wird in den Firmen bis heute sehr "klein" geschrieben, weil diese wie Recycling und hohe Standards, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen, Profit und Rendite schmälern. Oft fehlt die Rückendeckung des oberen Managements (wie z.B. Geschäftsführung, Aufsichtsrats, Beirats, Verwaltungsrats), den notwendigen Kulturwandel herbeizuführen.

    Wenn wir unsere Zukunft umweltgerecht gestalten wollen, dann muss der Wandel nicht nur schnellstens sinnvolle digital-technologische Lösungen für Kunden und Umwelt hervorbringen, sondern auch ethisch-menschliche Leitlinien einer neuen, digitalen Denk- und Handlungsstruktur (DNA-Mindset) in den Belegschaften (sog. Wertebasierte Doppelte Digitale Transformation nach Schust).

    Lesen Sie mehr dazu in meinem eBuch: „Führung 5.0: Intelligent vernetzen – unterstützen – entfalten“. Kostenlos herunterladbar unter http://bookboon.com/de/fuhrung-5-0-ebook. Es wird von der Universität St. Gallen / Schweiz als die herausragende Führungsanleitung zum Lesen und zur Anwendung empfohlen. Bitte empfehlen auch Sie es Ihren Kollegen und Mitarbeitern weiter. Freue mich sehr über ein kurzes Feedback von Ihnen.

    Mit freundlichen Grüßen Ihr Prof. Günther H. Schust – München. Alumnus und Gastdozent der Hochschule St.Gallen / Schweiz. Websites: www.Human-Performance-Management.de; www.i-h-h.com; www.SCOPAR.de


  • Hier wird eine Entwicklung aufgezeigt, die zwingend notwendig ist und längst überfällig. Man hat verlernt, langfristig zu denken und zu handeln, kurzfristiger Return ist wichtiger!!!!
    Damit wird den Chiinesen Tür und Tor geöffnet, denn die denken sehr langfristig und strategisch. Die MEthoden sind ein anderes Thema!
    Hoffentlich wird dieser Artikel von vielen Entscheidern gelesen und auch die Meinungsbildner, sollten über den Inhalt nmachdenken. Je schneller umgeschaltet wird, desto besser sind unsere wirtschaftlichen Übverlebenschancen!!

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