Übernahmen Ist die Fusionsparty jetzt beendet?

An den Börsen geht es schroffer zu. Immense Verluste wechseln sich mit deutlichen Kursgewinnen ab. Die Turbulenzen bringen den bislang boomenden Markt für Fusionen und Übernahmen in arge Bedrängnis.
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Die Kursverwerfungen in Fernost stecken weltweit die Börsen an. Davon ist auch der M&A-Markt betroffen. Quelle: dpa
Kursturbulenzen in Shanghai

Die Kursverwerfungen in Fernost stecken weltweit die Börsen an. Davon ist auch der M&A-Markt betroffen.

(Foto: dpa)

Die Aktivitäten im Geschäft mit Käufen und Verkäufen von Unternehmen bewegten sich 2015 auf ein Volumen von mehr als drei Billionen Dollar (2,6 Billionen Euro) zu, was ein neuer Rekordwert gegenüber dem bisherigen Hoch von 2007 gewesen wäre. Nun könnte das Tempo nachlassen, da die Verkaufswelle an den Börsen die Zuversicht der Entscheidungsträger belasten dürfte, durch Fusionen und Übernahmen oder Börsengänge Wachstum zu erzeugen. Vor allem Transaktionen mit Aktienkomponenten laufen Gefahr zu platzen. In mehr als der Hälfte der laufenden, noch nicht abgeschlossenen Transaktionen, sind Aktien Teil des Deals.

„Die große Verkaufswelle an den Aktienmärkten und Sorgen im Hinblick auf Chinas derzeitige Wachstumsraten werden wohl negative Auswirkungen auf anstehende M&A-Deals und IPOs haben“, sagte Richard Cranfield, Partner in der Kanzlei Allen & Overy in London, in einem Telefoninterview. Deals, welche noch im Verhandlungsstadium und noch nicht publik seine, seien jetzt in Gefahr, ergänzte Cranfield, der in der Kanzlei Vorsitzender der weltweiten Gruppe für Unternehmenstransaktionen ist und Co-Head für Finanzinstitute.

Da die Aktienbewertungen schwanken, könnten Transaktionen, bei denen der Gesamtpreis oder auch ein großer Teil davon in Aktien abgegolten werden soll, besonders leicht platzen.

Einige große Übernahmen auf Aktienbasis sind im laufenden Jahr angekündigt oder vorgeschlagen worden aber bislang nicht abgeschlossen. Shire hat im Rahmen einer Übernahmeofferte im Umfang von 30 Milliarden Dollar 0,1687 seiner in den USA gelisteten Anteilsscheine (ADRs) je Aktie von Baxalta geboten. Royal Ahold hat im Juni zugestimmt, Delhaize Group für rund 9,32 Milliarden Euro in Aktien zu übernehmen.

An diesen Märkten kracht es
Aktienmarkt China
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Mit Chinas Aktienmarkt fing alles an: Jahrelang propagierte die Regierung in Peking den Einstieg in Aktien – ganz offiziell in den Staatsmedien. Der kleine Mann sollte an der Börse investieren und den chinesischen Unternehmen zu Kapital verhelfen. Doch mit dem stagnierenden Wirtschaftswachstum kamen Zweifel auf. Die Börsen in Schanghai und Shenzhen brachen innerhalb weniger Wochen drastisch ein. Und das Virus China begann, sich auszubreiten.

Dax
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So zog Chinas Schwäche zum Beispiel auch das deutsche Aktienbarometer nach unten. Viele exportorientierte Dax-Unternehmen, vor allem die Autobauer, haben gelitten. Weil am Donnerstag die USA zusätzlich mit guten Konjunkturdaten aufwarten konnten und die Zinswende damit näher zu rücken scheint, ließ der Leitindex am Freitag weiter Federn. Zum Handelsschluss notierte er gut 300 Punkte tiefer bei 10.124 Punkten. Auf Wochensicht verlor der Dax knapp acht Prozent oder 861 Punkte.

Dow Jones
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Die voraussichtlich schlimmste Woche des Jahres für Aktien hat am Freitag auch die Wall Street nicht verschont. Nach enttäuschenden Konjunkturdaten aus China lagen die wichtigsten Indizes in New York zur Eröffnung deutlich im Minus. Der Dow-Jones-Index lag mit 16.815 Punkten ein Prozent im Minus. Der breiter gefasste S&P-500 tendierte mit 2.016 Zählern ebenfalls fast ein Prozent tiefer.

Yuan
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Nicht nur an den Börsen, auch bei den Währungen ging es zuletzt deutlich bergab. Anfang der Woche gab die chinesische Zentralbank überraschend den Yuan-Wechselkurs frei – woraufhin dieser um mehrere Prozent nach unten rauschte. Auch in den Folgetagen konnte die Regierung den Kurs nur mit Mühe über Devisenverkäufe stabilisieren. Grundsätzlich will Peking daran festhalten, den Referenzkurs für den Wechselkurs nach Angebot und Nachfrage zu bestimmen.

Türkische Lira
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Nicht nur der Yuan, auch die Schwellenländerwährungen allgemein haben in dieser Woche stark gelitten. Die türkische Lira, zum Beispiel, erreichte einen historischen Tiefstand nach dem anderen. Der Grund: Investoren ziehen ihr Geld aus den Schwellenländern ab und investieren es eher wieder im Dollar und Euro-Raum. Viele Schwellenländer hängen am Tropf Chinas. Das Vertrauen der Investoren schwindet daher.

Ölpreis
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Nach unten ging es diese Woche auch für den Ölpreis. Zuletzt kostete ein Barrel Brent noch 45,90 Dollar, ein Barrell der Sorte WTI noch knapp über 40 Dollar. Experten gehen längst davon aus, dass der Preisverfall weitergeht. Der Grund: Die USA hat durch die Schieferölförderung in nur vier Jahren die eigene Ölproduktion nahezu verdoppelt. Das dadurch steigende Angebot will und kann die Opec auch mittelfristig durch eigene Produktionskürzungen nicht kompensieren.

Ölaktien
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Doch nicht nur der Ölpreis leidet: Auch die Aktien der großen Ölunternehmen Exxon Mobil, Chevron, Royal Dutch Shell und Petrochina sind zuletzt deutlich eingebrochen. Experten warnen Anleger derzeit vor einem Wiedereinstieg.

„Bares ist Trumpf“, sagt Gilles Maggiorani, Spezialist für Sondersituationen beim Berater United First Partner in London, im Telefoninterview. „Investoren wollen ihr Marktrisiko begrenzen. Sie fragen zunehmend nach Schutzwällen, um das potenzielle Verlustrisiko bei Geboten mit hohem Aktienanteil einzugrenzen.“

Am Montag hatten die Börsen weltweit hohe Verluste erlitten. Die Verkaufswelle hatte über fünf Billionen Dollar Marktkapitalisierung vernichtet, nachdem China am 11. August überraschend die Landeswährung abgewertet hatte. Für die europäischen Börsen war der Montag der schwächste Handelstag seit 2008, während der S&P 500 Index um 3,9 Prozent einbrach und damit in die erste Korrektur in knapp vier Jahren eintrat.

Akteure im M&A Markt hoffen darauf, dass die hohen Kursausschläge vorübergehender Natur sind. Eine länger anhaltende Verkaufswelle könnte die Bewertungen unter Druck setzen, die Verhandlungen beeinträchtigen und auf kurze Sicht dazu führen, dass Deals verschoben werden, so George Casey, Partner und weltweiter Vorsitzender der M&A Gruppe bei der Kanzlei Shearman & Sterling in New York. „Ein volatiler Aktienmarkt könnte auch das Vertrauensniveau ankratzen, das Käufer in diesem Jahr an den Tag gelegt haben“, merkte Casey in einem Telefoninterview an.

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