Überraschende Trendwende Investoren entdecken Europa

Euro-Krise, war da was? Bei Investoren ist Europa plötzlich wieder angesagt. Die Kapitalzuflüsse sind enorm. Über die „politischen Risiken“ wird freundlich hinweggesehen. Doch das könnte nur von kurzer Dauer sein.
11 Kommentare
Quelle: Getty Images
(Foto: Getty Images)

DüsseldorfDie Finanzmärkte und die Modewelt haben mehr gemeinsam, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Damit ist nicht gemeint, dass die Banker der Wall Street gerne Hermes-Krawatten und Anzüge von Ermenegildo Zegna tragen. Es geht um das Phänomen, dass jede Mode irgendwann wiederkehrt. Sie muss nur lange genug out sein, um wieder angesagt zu sein; das gilt für Fashionista genauso wie für Investoren.

Die neueste Mode auf den Finanzmärkten: Europa. Lange verschmäht, entdecken die Anleger den alten Kontinent wieder. Investoren aus den USA haben im ersten Halbjahr so viel Geld in europäische Aktien gesteckt wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Insgesamt investierten US-Pensionsfonds und andere Großanleger rund 65 Milliarden Dollar. Das sei der höchste Betrag seit 1977, sagen die Analysten von Goldman Sachs.

Die Kapitalzuflüsse lassen den Euro Stoxx 50, den wichtigsten Index für europäische Aktien, steigen. Er hat in diesem Jahr um zehn Prozent zugelegt. Der Deutsche Aktienindex (Dax) ist um 13 Prozent gestiegen – und hat gerade erst ein neues Allzeithoch bei 8.770 Punkten aufgestellt.

„Europa bietet die besten Chancen. Die Konjunktur kommt immer besser in Schwung. Zugleich sind europäische Aktien sehr günstig bewertet“, sagt Edward Perkin, Chief Investment Officer für Aktien bei Goldman Sachs Asset Management.

„Neben der relativ niedrigen Bewertung erlebte Europa in den letzten Wochen mehrere positive konjunkturelle Überraschungen, die zu einer neuerlichen Gewinndynamik beitragen könnten“, sagt Cédric de Fonclare, Fondsmanager bei Jupiter Asset Management in London. „Wir halten es daher für möglich, über politische Risiken hinwegzusehen.“

Das sind ungewohnte Aussagen. Jahrelang hörte man von Investoren und Strategen aus dem angelsächsischen Raum, wie schlecht es um Europa bestellt ist. Fast schon genüsslich nahm man die Euro-Zone auseinander: schwache Wirtschaft, ausufernde Staatsschulden, uneinige Spitzenpolitiker. Umso erstaunlicher ist der Sinneswandel.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Vorteil Schuldenkrise
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Überraschende Trendwende - Investoren entdecken Europa

11 Kommentare zu "Überraschende Trendwende: Investoren entdecken Europa"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • "Euro-Krise, war da was? Bei Investoren ist Europa plötzlich wieder angesagt."

    LOOOOL Jaja.... :D und morgen ist Weihnachten ich weiss

  • "Warum sollten Investoren bei uns kaufen?"

    Weil es woanders schlechter aussieht.
    DIE Investition und DEN Idealzustand gibt es nicht, es ist immer nur eine Frage der Zeit, und das ist weltweit im kapitalistschen System bedingt.

    Endzeitstimmung ist da wohl eher ein persönliches Problem, je nach Sicherheitsbedürfnis.
    Es gibt aber keine absolute Sicherheit, nirgends, denn sonst gäbe es auch keinen Wettbewerb.
    Das ganze Leben ist ein Risiko.

  • Nichts dreht sich. Das ist Endpropaganda vom feinsten. Vor einiger Zeit haben die Chinesen so viele Staatsanleihen von Spanien gekauft. Und darum seien die Zinsen gefallen. Letztendlich kauft die EZB die Schrottpapiere und sagt die blöden Chinesen würden diesen Mist kaufen. Sie verarschen uns täglich. Und der Niedergang im Euroland ist gerade einmal im Anfangsstadium. Warum sollten Investoren bei uns kaufen? Ja Aktien aber sonst nichts. Die Kurse kurzfristig puschen vor den wichtigen Wahlen. In Amerika ist es genau so. Da werden die Aktien regelrecht nach oben katapultiert. Nach der Wahl wird der Gewinn mitgenommen und wir blöden EU Bürger versinken im korrupten brüsseler Schuldensumpf.

    Sachwerte kaufen. Das Sparbuch und der Bausparvertrag sind tot. Von Lebensversicherungen und Riester sind die meisten schon geheilt. Und die anderen werden es nie kapieren!!!

  • "Vielleicht hat Europa auch einfach Glück, dass sich die Mode geändert hat. Nachdem sich die Investoren lange auf die Euro-Krise konzentriert hatten, rückten andere Regionen in der Welt in den Fokus."

    Genauso siehts aus. Und ist immer der Lauf in diesem System. Letztendlich entscheiden für mich nicht die aktuellen Zinsen, sondern langfristige Zyklen.
    Europa ist ein immenser, sich wandelnder, Absatzmarkt mit sinkenden Arbeitskosten. Das wird sich irgendwann wieder drehen, logisch. Denn wenn Arbeitskosten sinken, sinkt auch der Konsum.
    Aber letztendlich zählt für mich als Geldanleger Stabilität und Verläßlichkeit.

  • Das ist für Profis Musik von gestern. Die Karawane zieht längs weiter und sucht in den niedergeschlagenen Börsen der Schwellenländer ihr Glück.
    Nun sollen die Privatdeppen noch etwas die Kurse hochhalten und für einen guten Ausklang der Profis sprich Banker sorgen. Das HB macht bei diesem Spiel - wie hier gut zu sehen - mit. Und beruft sich auch noch auf die Kassandra GS. Sehr schade.

  • Von kurzer Dauer könnte stimmen. Möglicherweise ist es nach dem 22.09.2013 schon wieder anders.
    Schau mer mal dann sehn mer schon!

  • die Gier war nie weg.

    Nicht erst seit Summers Absage ist allen klar, wohin die Reise geht.
    ... und solange es für den USD noch Sachwerte gibt, wird eben munter getauscht.

  • Die Gier war nie weg. In Amerika sind die Reichen, wie Bill Gate bereits wieder an ihrem alten Stand angekommen.

    Nicht angekommen sind diejenigen, die einst auf Eurozusammenbruch, -austritt etc. gewettet haben. Sie investieren jedoch weiter: http://www.welt.de/politik/deutschland/article115512728/Finanziert-Moevenpick-Milliardaer-AfD-Wahlkampf.html Dabei verspielen sie ihr Vertrauen in die Wirtschaft.

    Lehmann kann und wird immer wieder kommen, wenn die Leute so leicht sich beinflussen lassen und nicht sehen, dass es Prozesse gibt, die scheinbar keiner kontrolliert. Warum kostet die Wirtschaftsspionage beispielsweise 50 Milliarden € pro Jahr und es unternimmt keiner etwas dagegen?

    Wir sollten nicht mit Finger auf andere Länder zeigen, diese zielführend unterstützen ( jdeoch kein gutes Geld schlechtem hinterherwerfen ) und auf die Dinge im eigenen Land schauen: Arbeit & Soziales, Lohndumping, befristete Verträge, Großprojekte mit endlosen Kosten und Datenschutzbestimmungen, die Europa- und Deutschland nicht würdig sind.

    Es hieß mal "Vertrauen ist der Anfang von Allem",
    ist es - und wer einmal lügt, dem glaubt man nicht.

    Bitte geht wählen!

  • sein Wort in des Investors Ohr

    Sag mir
    wo ist all das Volumen hin,
    wo ist es geblieben.

    Lang lang ist es her.

    Sag mir wo sind die Investoren hin,
    wo sind sie geblieben.
    Sag mir wo sind die BigBoys hin
    Sag mir wo sind die Boni hin,
    lang lang ist es her
    lang lan
    L

  • Klasse, dass sich Investoren für Europa entscheiden. Dies bedarf jedoch nachhaltige Politik. Hierzu zählt, dass Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse, Patente und Wirtschaftsdaten geschützt werden müssen, damit Investoren - mangels Vertrauen - wieder abziehen.

    Deswegen ist es wichtig, dass eine Kontrolle funktioniert bzw. die Regierung genau dieses Vertrauen nicht verspielt: http://www.piratenfraktion-nrw.de/2013/09/stopwatching-eu-schlagt-bei-eu-kommission-auf-tausende-unterschriften-gegen-totaluberwachung-durch-tempora-programm Nachdem bekannt wurde, dass die EU via Belgacom bzw. britischem Geheimdienst ausgespäht wird: http://www.sueddeutsche.de/digital/angriff-auf-belgacom-britischer-geheimdienst-spaehte-belgische-telekomfirma-aus-1.1775825

    Es ist also nicht nur der böse Drache (http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/cyber-spionage-der-drache-schnueffelt-wo-er-kann-a-616125.html), sondern das Desinteresse am Datenschutz: http://www.spiegel.de/politik/ausland/david-cameron-instagram-foto-des-schlafenden-premiers-sorgt-fuer-kritik-a-923534.html

    Vertrauen in Menschen, in Investoren und Gäste,
    das schafft Arbeitsplätze und Wohlstand!

    Deswegen: Wählt Alternativen und informiert Euch:
    http://www.wahl-o-mat.de

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%