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Ungewöhnliche Renditen Investitionen in Gerichtsgebäude oder Feuerwehren werden zum Milliardenmarkt

Ein Fonds für Profianleger will soziale Wirkung mit hohen Zinsen verknüpfen. Investitionsobjekte befinden sich vor allem außerhalb Deutschlands im Rest Europas.
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Investitionen in Infrastruktur: Ungewöhnliche Renditen Quelle: dpa
Justitia in Frankfurt

Auch Gerichte sind für Investoren interessant.

(Foto: dpa)

FrankfurtMan kann es meistens aus eigener Erfahrung bestätigen: Viele öffentliche Gebäude sind in die Jahre gekommen, der Zahn der Zeit nagt an den Immobilien des vorigen Jahrhunderts. Kein Wunder, dass private Investoren auf der Suche nach Rendite das Thema „soziale Infrastruktur“ für sich entdeckt haben.

„Uns interessieren vor allem nachhaltige gesunde Kommunen und ihre Dienstleistungen. Dazu zählen beispielsweise Gesundheitszentren, Bildungseinrichtungen, Gerichtsgebäude, aber auch Werkswohnungen für Bedienstete in Krankenhäusern und bei Feuerwehren“, sagt Raymond Jacobs, Managing Director und Portfoliomanager beim Franklin Templeton Infrastructure Fund.

„Wir wollen mit unseren Investments eine soziale Wirkung erzielen, gemäß den Zielen der UN für eine nachhaltige Entwicklung“, ergänzt der Geldmanager. Zu den UN-Zielen gehören unter anderem der Kampf gegen die Armut und den Hunger, die Förderung von Innovation und Infrastruktur sowie nachhaltige Entwicklungen von Städten und Kommunen sowie der Klimaschutz.

Investments in soziale Infrastruktur sind Teil des sogenannten Impact Investings, mit dem soziale und ökologische Wirkungen erzielt werden soll, gleichzeitig aber eine angemessene Rendite für den Geldgeber herausspringen muss. Längst ist das Segment keine Nische mehr, Klimaschutz und die Verringerung sozialer Probleme entsprechen dem Zeitgeist.

Ein Milliardenmarkt

Das Global Impact Investing Network (GIIN) schätzt nach einer Datenerhebung unter 1300 Impact-Investoren das globale Marktvolumen mittlerweile auf gut 500 Milliarden Dollar mit steigender Tendenz. Die Zahl zeige die Dynamik der Industrie, gleichzeitig müsse weiteres Wachstum sichergestellt werden, um die UN-Ziele zu erreichen, sagte GIIN-Chef und Mitgründer Amit Bouri.

Allen Beteiligten sei aber auch klar, dass die Gefahr besteht, dass viele Anbieter nicht wirklich etwas tun. Und die Messung der sozialen Wirkung ist ebenfalls nicht einfach. Mit Investments in soziale Infrastruktur werden laut Templeton aber einige UN-Ziele adressiert, etwa die Bekämpfung der Landflucht.

Laut einer Studie der schweizerischen Großbank Credit Suisse will die nächste Generation – die erhebliche Vermögen erbt – mehr in diesem Bereich investieren. Gleichzeitig geben aber 56 Prozent der Befragten an, dass ihr Wissen über Impact Investing unzureichend sei, wie aus einer gemeinsamen Studie der Bank und der „Young Investors Organization“ hervorgeht.

Man suche heute Lösungen zum Nutzen künftiger Generationen, sagt Viola Steihoff Werner, Leiterin Global Next Generation and Families bei der Credit Suisse. 41 Prozent der Entscheider von morgen wünschten sich dabei Beratung für nichtfinanzielle Bedürfnisse.

Nach Angaben der Europäischen Investitionsbank (EIB) werden bis 2020 im Bereich soziale Infrastruktur als Teilmarkt des Impact Investings jährliche Investitionen von 350 Milliarden Euro benötigt. Es werden jedoch vermutlich nur 200 Milliarden Euro investiert. Dies bedeutet eine Lücke von 150 Milliarden Euro, die mit privaten Investorengeldern gefüllt werden kann. Diese streben laut Templeton-Manager Jacobs eine Verzinsung zwischen sechs und acht Prozent an – nach Kosten und Gebühren.

Im vergangenen Jahr wurden von institutionellen Investoren rund 158 Millionen Euro für den Franklin Templeton Social Infrastructure Fund eingesammelt, innerhalb von drei Jahren sollen 500 Millionen Euro an Eigenkapital eingeworben werden. Die Nachfrage sei sehr hoch, aktuell habe man mehr als 200 Millionen Euro an weiteren Zusagen.

Die Gesellschaft wirbt damit, dass soziale Infrastruktur immer gebraucht werde und deshalb nur wenig korreliert sei mit dem breiteren Immobilienmarkt. Zu den Risiken zählen Nachfragerückgänge nach solchen Immobilien und ihrer Nutzung – etwa aus mehr digitalen Dienstleistungen von Behörden oder politischen Veränderungen in den Zielländern.

Passende Objekte finden sich bisher überwiegend in Europa, weniger auf dem deutschen Markt. Es gibt außerhalb Deutschlands einen starken Trend hin zur Privatisierung. Bisher hat der Fonds beispielsweise ein Justizgerichtsgebäude in Madrid, eine medizinische Klinik in London und eine Altenpflegeeinrichtung in einem Vorort von Mailand erworben.

„Das Gerichtsgebäude in Madrid ist nur bis 15 Uhr offen. Danach wurde es nicht genutzt. Jetzt werden wir den Gemeindemitgliedern Räumlichkeiten für Konferenzen am späteren Nachmittag oder Abend verfügbar machen“, erläutert Jacobs ein Beispiel für Effizienzsteigerungen. Momentan sieht er in Ländern wie Spanien und Italien bessere Aussichten für Investments. Deutschland sei dagegen ein vergleichsweise teurer Markt für „soziale Infrastruktur“.

Mehr: Resultat der zweiten Sitzung des Klimakabinetts: Es muss mehr CO2 gespart werden. Die entsprechenden Grundsatzentscheidungen folgen im September.

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