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Union-Investment-Chef im Interview „Die Empfehlung nach der Draghi-Rede lautet: Aktien und Immobilien“

EZB-Präsident Draghi hat den Weg zurück zur ultralockeren Geldpolitik angedeutet. Für Union-Investment-Chef Reinke ist klar: Für Anleger lohnen sich nur noch Substanzwerte.
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„Die Empfehlung nach Draghis Rede lautet: Aktien und Immobilien“ Quelle: Union Investment
Hans Joachim Reinke

Der Vorstandsvorsitzende von Union Investment steuert 345 Milliarden Euro an Kundenkapital.

Frankfurt Minuszinsen können auch weiter fallen. Das hat Mario Draghi am Dienstag klargemacht. Der Chef der EZB will reagieren, falls Wachstum und Inflation in die falsche Richtung laufen. Das ruft Hans Joachim Reinke auf den Plan. Er ist Vorstandsvorsitzender von Union Investment, dem Fondshaus der Volks- und Raiffeisenbanken. Er steuert 345 Milliarden Euro an Kundenkapital.

Seine Botschaft: Anleihen lohnen längst nicht mehr. Nur noch Substanzwerte lohnen: Aktien und Immobilien. Seiner Meinung nach ist es höchste Zeit für deutsche Sparer, über zwei Billionen Euro an Zinsanlagen und Liquidität sinnvoller einzusetzen.

Herr Reinke, war der 18. Juni 2019 ein historischer Tag?
Wegen der Kehrtwende von Mario Draghi?

Seine Aussage, bei tiefer Inflation und schlechter Konjunktur wieder auf eine ultralockere Geldpolitik zurück zu schwenken.
Es ist absolut möglich, dass wir später in der Rückschau urteilen: Das war ein historischer Tag.

Also etwa eine Neuauflage seiner Aussage zur Rettung des Euros vor sieben Jahren.
Damals waren es die berühmten Worte „Whatever it takes“. Nach den heftigen Finanzmarktreaktionen an diesem Dienstag kann man nur sagen: Diese Rhetorik von Draghi traf die Anleger unvorbereitet.

Sind wir jetzt in eine Welt eingetaucht, in der gilt: Tiefzins für immer?
Es war schon bisher klar, dass wir lange tiefe Zinsen haben werden. Aber ob für immer oder vielleicht bis 2050, das kann niemand sagen. Das abgeflachte Wachstum und die schlechten Konjunkturdaten geben Draghi in seinen Aussagen zumindest recht.

Wird Draghi jetzt auch ganz unkonventionelle Mittel einsetzen?
Er wird nicht den großen Hammer nehmen. Aber er kann den kleinen wieder einsetzen, das heißt erneut Anleihen kaufen.

Brauchen Anleger nach der Draghi-Rede eine neue Strategie?
Wir vermitteln schon seit Jahren die Idee einer Evolution des Sparens. Die ist jetzt nur noch wichtiger geworden.

Klassisches Sparen ist Geschichte?
Die Deutschen haben 2,6 Billionen an liquiden Anlagen, wir haben die reichste Bevölkerung, die es je gab. Aber von diesem gewaltigen Geldberg stecken über 80 Prozent in Zinspapieren und Liquidität.

Was heute nichts mehr bringt.
Es hat sogar absurde Züge. In den 90er-Jahren konnten sie ihr Kapital mit einer Bundesanleihe dank des Zinseszinseffektes in zehn Jahren verdoppeln. Nach der Draghi-Rede sackte die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe auf minus 0,3 Prozent. Das meine ich mit absurd.

Klar, dieses Sparschema funktioniert längst nicht mehr. Aber die Anleger reagieren doch.
Das merken wir tatsächlich bei der Altersvorsorge und bei der Geldanlage. Im vergangenen Jahr haben Privatkunden bei uns netto 7,5 Milliarden Euro angelegt. Davon waren 5,5 Milliarden Fonds-Sparpläne, und das fast ausschließlich Aktienprodukte.

Sie wollen sagen: Nach der Draghi-Rede ist noch klarer, dass nur Substanzwerte attraktive Erträge versprechen?
Ja, die Empfehlung lautet: Aktien und Immobilien.

Müssen wir wieder über ein Thema reden, das in der Finanzkrise schon einmal auf den Tisch kam: Enteignung der Sparer durch einen Minuszins?
Mit einem Drohbegriff wie Enteignung erreiche ich die Kunden nicht. Wir haben 4,7 Millionen Kunden von Volks- und Raiffeisenbanken, das sind Menschen aus der Mitte der Gesellschaft. Wir versuchen es mit einer anderen Sprache: Das achte Weltwunder, der Zinseszins, ist abgeschafft. Deswegen braucht ihr Aktienprodukte oder Mischfonds.

Kommt man mit rationalen Argumenten weiter?
Das ist in den Köpfen keine rationale Sache. Die Deutschen haben an Finanzthemen ohnehin wenig Interesse. Natürlich ist es irre, dem Staat durch den Kauf einer Anleihe noch Geld zu geben. Noch mehr schenke ich ihm in realer Rechnung, also wenn ich die Inflation berücksichtige.

Aber am bewussten Dienstag der Draghi-Rede konnte man sogar mit eine Minusrenditen-Anleihe Geld machen, weil der Kurs stieg.
Ja, aber natürlich ist das verrückt. Das macht auch kein Privatanleger. Der Ertrag sollte ja aus einer regelmäßigen Zinszahlung kommen.

Und was bedeutet die Draghi-Rede für Ihre Aktienerwartungen? Müssen Sie da nicht offensiver werden?
Die Aktienmärkte werden aktuell durch Draghi gestützt, aber es ist unklar, ob das auch strukturell der Fall ist.

Dabei wird Donald Trump sicher eine Rolle spielen.
Die geopolitischen Fragen sind der wichtigste Punkt. Der Konflikt am Golf kann einem Angst machen, und die Handelsstreitigkeiten kommen noch obendrauf. Und klar steht hier Donald Trump im Zentrum. Er denkt nur machtpolitisch.

Er twitterte auch am Dienstag, Draghi verhalte sich verantwortungslos. Tiefere Zinsen können den Euro schwächen, was einen Exportvorteil für Euroland-Staaten bedeuten würde.
Den Tweet würde ich nicht so ernst nehmen. Für Trump sind die Zollfragen wichtiger. Wenn er den Handelsstreit mit China beigelegt hat, zumindest vorübergehend, dann wird er sich Europa vorknöpfen – wie er schon angekündigt hatte.

Aber das müsste den positiven Draghi-Effekt für die Aktien bremsen.
In der Tat, Aktien würden kurzfristig leiden. Gerade die europäischen und deutschen Automobilaktien.

Herr Reinke, vielen Dank Dank für das Interview.

Mehr: EZB-Chef Mario Draghi bringt angesichts der geringen Inflation zusätzliche Zinssenkungen und weitere Anleihekäufe ins Spiel. Die Märkte jubeln.

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