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US-Aktienmarkt Diese Börsen-Strategie steckt hinter den Trump-Tweets

Wer glaubt, dass ein wütender Donald Trump einfach Tweets nach Lust und Laune verschickt, der irrt. Offenbar sind für ihn zwei Dinge an der Börse wichtig.
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Donald Trump: Diese Börsen-Strategie steckt hinter den Tweets Quelle: Bloomberg
Handelssaal der New York Stock Exchange

US-Präsident Donald Trump ist auf dem Fernsehbildschirm in der Börse zu sehen. Seine Tweets haben erheblichen Einfluss auf die Kurse an den Märkten.

(Foto: Bloomberg)

Düsseldorf Gewinnerwartungen von Unternehmen und Konjunkturdaten bestimmen die Entwicklung an den Börsen. Dieser Grundsatz galt einmal. Wer die Börsenentwicklung in den vergangenen Jahren verfolgt hat, könnte nämlich zu einem anderen Schluss kommen.

Es sind die Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump auf Twitter, die immer wieder Aktienkurse nach oben treiben und – seit einigen Monaten – oft auch nach unten absacken lassen können. Würde der ehemalige Immobilien-Tycoon Insiderhandel betreiben, er wäre ein noch reicherer Mann.

Zwar ist Trumps Gesamtbilanz an den US-Märkten seit seinem Amtsantritt am 8. November 2016 immer noch positiv: Der Dow Jones 30 ist seitdem um mehr als 45 Prozent gestiegen, der umfassendere S&P 500 um mehr als 40 Prozent.

Insgesamt hat Trump bisher rund 10.000 Tweets losgelassen, mit steigender Frequenz, wie die US-Bank JP Morgan berechnet hat. Mittlerweile gibt es sogar einen Index, der „den Einfluss der Tweets des Präsidenten auf die Schwankungen von Zinssätzen quantifizieren“ soll.

Am Aktienmarkt verstärkt sich seit einigen Monaten der Eindruck, dass der US-Präsident mit den Aktienkursen spielt. Seine Tweet-Tiraden gegen China führten regelmäßig zu Ausverkäufen der Börsenindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500.

Grafik

Ganz nebenbei: Mit seinen Ausfällen hat Trump sogar das ominöse „Plunge Protection Team“ arbeitslos gemacht, weil die Kursausschläge an den Börsen aufgrund dieser Tweets immer schneller und häufiger kommen. Das von der US-Notenbank ins Leben gerufene Team soll eigentlich zu große Kurssprünge verhindern und sogar heftige Börsencrashs abmildern, kann aber wohl kaum so schnell reagieren, wie der US-Präsident twittert.

Doch wer glaubt, dass ein wütender Präsident einfach Tweets nach Lust und Laune verschickt, der irrt. Es steckt sogar ein System dahinter. Ein Vergleich von US-Börsencharts und Trump-Tweets zeigt interessante Entwicklungen.

Zum einen hat Trump stets den Dow Jones mit nur 30 Einzelwerten und nicht den umfassenderen und aussagekräftigeren Auswahlindex S&P 500 im Blick. Zum anderen tauchen Trumps Twitter-Nachrichten immer auf, wenn sich der Dow Jones der 200-Tagelinie nähert. Diese Durchschnittslinie ist ein Gradmesser für den langfristigen Trend.

Bleibt der altehrwürdige US-Index oberhalb dieser steigenden Linie, gilt der Aufwärtstrend als intakt. Ein Abrutschen darunter signalisiert den Beginn eines Abwärtstrends, der dann endgültig in Kraft tritt, wenn die Linie zu einem späteren Zeitpunkt fällt.

Die folgenden Beispiele sind natürlich keine harten Beweise. Aber es drängt sich der Eindruck auf, dass Trump immer dann einen kompromissbereiten Ton anschlägt, wenn der Dow kurz vor dem Rutsch unter diese Durchschnittslinie notiert.

10./23. März 2018: Der Dow Jones rutscht gefährlich nah an die 200-Tages-Durchschnittslinie, da nimmt der US-Präsident plötzlich und für viele überraschend Europa von den Strafzöllen auf Stahl und Aluminium aus. Das hatte er mit einem Tweet am 10. März bereits angedeutet.

2. Mai 2018: Der Dow Jones notiert erneut nah der 200-Tageslinie: Trump twittert, er freue sich auf ein baldiges Treffen mit seinem guten Freund, dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping. Da die Verhandlungen der Unterhändler zeitgleich endeten und noch niemand wusste, ob erfolgreich oder nicht, sprangen die Aktienkurse nach diesem Tweet nach oben. 

15. Juli 2018: Der Index rutscht kurzzeitig unter den 200-Tage-Durchschnitt: Trump trifft Putin und schlägt einen überraschenden Kuschelkurs ein. 

13. August 2019: Trump deutet auf Chinas Probleme mit Hongkong hin und wird daher kurzzeitig als führend im Handelsstreit betrachtet. 

Der Chart zeigt aber auch, dass Trumps Twitter-Taktik nicht immer funktioniert. Im vierten Quartal 2018 eskalierte der Handelsstreit mit China, da halfen auch keine Tweets mehr: Der Dow Jones brach ein und rutschte deutlich unter diese Linie.

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1 Kommentar zu "US-Aktienmarkt: Diese Börsen-Strategie steckt hinter den Trump-Tweets"

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  • Stichwort Insiderhandel: Den muss man ja nicht selbst machen - zu gefährlich als Präsident. Man muss nur die Insiderinfos rechtzeitig den richtigen Leuten geben, die die dann unverdächtig verwenden können. Würde mich jedenfalls nicht wundern, wenn der seine Buddys jeweils vorher informiert. „Ey Leute, kauft / verkauft mal ein paar Aktienpakete, ich hau gleich wieder einen raus.“ Der Hauptkern der „Strategie“ von Trump scheint ja letztendlich doch Selbstbereicherung zu sein, wobei „Selbst“ hier seine Familie und Kumpels mit einschließt.

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