Virtuelle Realität

Während der Technologiemesse in Tokio zeigt ein Redner die Vorteile von virtueller Realität: In den USA verändern sich die Rahmenbedingungen für die Tech-Aktien.

(Foto: Bloomberg)

US-Aktienmarkt Welche Tech-Aktien einen neuen Bullenmarkt anführen dürften

Lange trieb vor allem der Aufschwung der US-Tech-Titel die Börsen nach oben. Doch zuletzt überzeugten viele Aktien nicht mehr. Worauf Anleger jetzt achten müssen.
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San FranciscoSie waren Stars. Doch zuletzt verblasste ihr Ruhm rasant. Die großen US-Technologieaktien standen im Zentrum einer massiven Börsenkorrektur im Oktober. Apple und Amazon verloren ihre Billionen-Dollar-Marktbewertungen, Microsoft zog in einem unerwarteten Vertrauensbeweis der Investoren in diesen wilden Zeiten sogar an Amazon vorbei auf den zweiten Platz der wertvollsten Unternehmen.

Facebook brach nach enttäuschenden Quartalszahlen ein, ebenso IBM. Die Aktie kollabierte praktisch nach ihrem Ergebnisausweis und wurde nach der 33-Milliarden-Dollar-Übernahme von Red Hat noch einmal abgestraft. IBM bietet eine Dividendenrendite von über sechs Prozent. Und trotzdem bleiben die Käufer weg.

So massiv, wie die Tech-Aktien die Börsenhausse angetrieben hatten, so unerbittlich prügelten sie die großen Indizes nun nach unten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq, der Nasdaq 100, verlor im Oktober alleine 8,7 Prozent, so viel wie in keinem Monat seit fast zehn Jahren.

Monatelang hatte vor allem der starke Aufschwung der US-Tech-Titel zuvor die Börsen nach oben getrieben. Doch inzwischen ist Ernüchterung eingekehrt. Erleben Anleger jetzt das Ende der Flitterwochen auf dem Parkett? Einige Experten sehen das nicht so pessimistisch. Sie glauben weiter an Kurspotenzial in wichtigen Titeln – zumal nach der Korrektur der vergangenen Wochen.

Seit Mittwoch führen die Tech-Titel die Erholung nach den überwiegend positiv aufgenommenen Ergebnissen der sogenannten Midterm-Wahlen an. „Das sind die Anführer eines Bullenmarktes“, so Jason Benowitz, Portfoliomanager der Roosevelt Investmentgroup aus New York, auf Bloomberg. „Wenn wir eine Rally sehen, werden sie dabei sein.“ Doch es spricht viel dafür, dass sich nun die Spreu vom Weizen trennt.

Denn die Rahmenbedingungen für die Tech-Aktien verändern sich. Die Demokratische Partei hat die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernommen, und die Hoffnung ist, dass dies mit einer Zähmung des sprunghaften US-Präsidenten Donald Trump einhergeht, zumal im Handelskrieg mit China, der auch auf Amazon und Apple lastet.

Weitgehend resistent dürfte sich die Branche gegen die jüngsten und kommenden Zinserhöhungen zeigen, mit einer Ausnahme: Netflix. Netflix hat gerade erst wieder einen hochverzinsten Junk-Bond aufgelegt, um seinen negativen Cashflow zu finanzieren. Für Filme, Serien und Lizenzen fließt netto mehr ab, als brutto reinkommt. Das liegt daran, dass die Inhalte vorab finanziert werden müssen und erst über Jahre ihre Gewinne einspielen. Netflix ist anfällig für steigende Zinsen.

Der Rest der großen Tech-Werte wie Google, Apple und mit Einschränkungen auch Amazon verdient gutes Geld und hat seine Schulden im Griff. Problematisch kann es auch bei dem glücklosen und verlustreichen Social-Media-Netz Snap werden, das aktuell in einer Sanierungsphase steckt. Solche hochbewerteten und hochrisikoreichen Aktien bilden derzeit das Schlusslicht in der Gunst der Investoren, die auf einmal Top-Werte der Branche zu Preisen kaufen könnten, die sie seit Jahren nicht mehr gesehen hatten. Wenn sie denn wollen.

Skeptische Investoren

Denn viele Investoren blicken skeptischer auf die Branche. Der größte Negativpunkt war die durchmischte Saison der Quartalszahlen, die zwar meist gute Werte für die abgelaufenen Vierteljahre zeigte, aber gleichzeitig durchweg Vorsicht für das laufende Quartal. Generell ist eine Abschwächung des Wachstumstrends zu beobachten.

Amazon nennt einen Wachstumskorridor des Umsatzes für das laufende Quartal, der im Mittel bei 15 Prozent liegt. Im ersten Quartal waren es noch über 30 Prozent. Die harte Konkurrenz macht sich bemerkbar. Auch nicht mehr so glänzende Zahlen zeigten Facebook, Alphabet und auch Apple.

Generell bleiben Analysten aber positiv, was die gesamte Industrie angeht. Die Marktforscher von Gartner gehen etwa davon aus, dass EMEA, Europa, Mittlerer Osten und Afrika, 2019 einen Anstieg der IT-Ausgaben um zwei Prozent auf insgesamt 973 Milliarden Dollar sehen wird. Die Digitalisierung der Weltwirtschaft ist ungebrochen. Ein klares Wachstumssegment sieht Gartner in der IT-Sicherheit. Hackerangriffe und Datendiebstahl sind heute der Normalfall, und Unternehmen und Management müssen handeln. Davon könnten Unternehmen wie Microsoft, Oracle oder Palo Alto Networks profitieren.

Trotzdem beginnen Analysten jetzt damit, ihre oft luftigen Kursziele erst einmal nach unten zu korrigieren. Es gibt aktuell nur einen Weg, der mit hoher Sicherheit zu einer markanten Jahresendrally im Aktienmarkt und damit auch der Tech-Aktien führen würde, da sind sich Analysten einig: Wenn Fed-Chef Jerome Powell die Dezember-Zinserhöhung absagen würde. Doch darauf weist bislang gar nichts hin. Der Markt für Tech-Aktien zeigt langfristig ungebrochen gute Aussichten. Die Digitalisierung der Welt ist nicht aufzuhalten. Kurzfristig wird es für Anleger jedoch deutlich gefährlicher als bisher.

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