US-Leitzins ZEW-Chef rechnet nicht mit harter Wende

Anleger blicken bange auf die anstehende Zinsentscheidung der Fed. Clemens Fuest gibt Entwarnung. Er rechnet nicht damit, dass die Notenbank schon in der kommenden Woche Ernst macht.

MannheimDer ZEW-Chef rechnet damit, dass die Zinsen in den USA in sehr langsamen Schritten angehoben werden. Die private Verschuldung in den Vereinigten Staaten sei wieder ziemlich angestiegen, und viele Investoren hätten Wertpapiere „mittelprächtiger Qualität“ in ihren Portfolios. „Wenn es jetzt eine harte Zinswende und entsprechend massive Bewegungen an den Finanzmärkten gäbe, könnte das den Aufschwung in den USA gefährden“, sagte er.

Clemens Fuest während eines Interviews: Nach Einschätzung des ZEW-Chefs könnte eine Zinserhöhung der Fed den Aufschwung in den USA gefährden. Quelle: Reuters
Clemens Fuest

Clemens Fuest während eines Interviews: Nach Einschätzung des ZEW-Chefs könnte eine Zinserhöhung der Fed den Aufschwung in den USA gefährden.

(Foto: Reuters)

In den vergangenen Jahren habe die deutsche Wirtschaft ihre Märkte vor allem in den Schwellenländern gefunden, wo jedoch derzeit eher rezessive Tendenzen vorherrschten. Daher werde zunehmend der amerikanische Markt als Wachstumsmarkt gesehen. Schwierig könnte für deutsche Unternehmen die Entwicklung in China werden. Derzeit investiere China die Hälfte seines Bruttoinlandsprodukts, normal seien 20 bis 25 Prozent. „Das ist überhaupt nicht durchzuhalten“, betonte Fuest. In China gehe es darum, von einer investitions- und kapitalorientierten zu einer konsumorientierten Volkswirtschaft zu kommen, die sich durch Innovationen weiterentwickelt. „Dieser Strukturwandel ist eine neue Herausforderung für China, und wir wissen nicht, ob sie bewältigt wird“, sagte der ZEW-Chef.

Wenn es schlecht laufe in China, werde die deutsche Wirtschaft stärker betroffen sein als andere Länder in Europa. Aber es gebe dennoch keinen Grund zur Panik. „Die deutsche Wirtschaft ist sehr diversifiziert und wird das auffangen“, sagte Fuest.

ommenden Woche über die erste Zinserhöhung seit 2008.

Im Fall einer Zinswende in den USA sei nicht zu erwarten, dass die Europäische Zentralbank (EZB) nachzieht, sagte Fuest. In Europa erhole sich die Konjunktur nur zaghaft. Die EZB betreibe derzeit eine Politik der monetären Lockerung, die nicht mit einer Zinserhöhung zusammenpasse. „Jetzt die Zinsen zu erhöhen würde bedeuten, dass man gleichzeitig aufs Gaspedal und auf die Bremse tritt, und das wird die EZB nicht machen“, sagte Fuest.

In diesen Dax-Aktien steckt am meisten China

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
L&S

+0,24 +1,07%
+23,13€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Lufthansa
1 von 11

Die Unsicherheit über die konjunkturelle Entwicklung in China ist groß – die Abwertung des Yuan durch die Zentralbank schürt Sorgen vor einem Wachstumseinbruch. Auch Dax-Titel stehen deswegen unter Druck. Der direkte Umsatz in China ist stark unetrschieldich. Wir zeigen die am meisten exponierten Firmen.

Umsatzanteil in China: 5 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: über 5 Prozent

Stand aller Angaben: 15. Juli 2015, Quelle: Wirtschaftswoche

SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007164600
Börse
L&S

-0,92 -0,90%
+102,11€
Chart von SAP SE INHABER-AKTIEN O.N.
SAP
2 von 11

Umsatzanteil in China: 6 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: bis zu 5 Prozent

THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007500001
Börse
L&S

+0,52 +2,62%
+20,21€
Chart von THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.
ThyssenKrupp
3 von 11

Umsatzanteil in China: 6 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: bis zu 5 Prozent

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
L&S

-0,09 -0,09%
+109,25€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
4 von 11

Umsatzanteil in China: 8,5 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: null Prozent

BAYER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000BAY0017
Börse
L&S

+0,48 +0,66%
+74,16€
Chart von BAYER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Bayer
5 von 11

Chinas Bevölkerung altert, die Umweltverschmutzung nimmt zu. Dementsprechend steigt auch die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten. Das könnte Bayer helfen.

Umsatzanteil in China: 10 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: bis zu 5 Prozent

LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005470405
Börse
L&S

+0,22 +0,34%
+65,09€
Chart von LANXESS AG INHABER-AKTIEN O.N.
Lanxess
6 von 11

Umsatzanteil in China: 10 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: bis zu 5 Prozent

CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005439004
Börse
L&S

+2,02 +1,34%
+151,95€
Chart von CONTINENTAL AG INHABER-AKTIEN O.N.
Continental
7 von 11

Auch Autozulieferer wie Continental leiden unter der sich andeutenden Wirtschaftsschwäche in China.

Umsatzanteil in China: 11 Prozent

Erwartetes Wachstum in 12 Monaten: über 5 Prozent

Der ZEW-Chef rechnet damit, dass die Zinsen in den USA in sehr langsamen Schritten angehoben werden. Die private Verschuldung in den Vereinigten Staaten sei wieder ziemlich angestiegen, und viele Investoren hätten Wertpapiere „mittelprächtiger Qualität“ in ihren Portfolios. „Wenn es jetzt eine harte Zinswende und entsprechend massive Bewegungen an den Finanzmärkten gäbe, könnte das den Aufschwung in den USA gefährden“, sagte er.

Was aus 100.000 Euro wurde
Öl (Brent)
1 von 12

Der Ölpreis hat dieses Jahr ziemlich Federn lassen müssen. Wer seit Jahresbeginn 100.000 Euro in das „schwärze Gold“ investiert hat, hätte jetzt nur noch 80.010* Euro. Die hohe Überproduktion, auch ausgelöst durch das Fracking in den USA, und Sorgen um eine schwächere Weltkonjunktur ließen den Ölpreis einbrechen.

Quellen: Bloomberg, Bank of America Merrill Lynch, FMH Finanzberatung

*Anlageergebnis in Euro gerundet ohne Steuern und ohne Kosten für Wertpapierkauf und Wertpapierverwahrung. Bei Öl Terminkontrakt,  bei Anleihen und Aktien Indizes.

Dow Jones
2 von 12

US-Aktien boten dieses Jahr bisher ebenfalls wenig Grund zur Freude. Wer zum Jahresstart 100.000 Euro in den Dow Jones Index gesteckt hätte, würde (wenn er jetzt verkaufen würde) nur noch 92.680 Euro besitzen. Der große Absturz kam vor allem Ende August. Im Vorjahr hatte der Index um rund acht Prozent zugelegt.

Shanghai Composite
3 von 12

Ebenfalls bergab, wenn auch nicht ganz so stark, ging es für chinesische Aktien. Aus 100.000 Euro, die in den Shanghai Composite investiert wären, wären heute 93.600 Euro geworden. Für Turbulenzen an den chinesischen Börsen sorgten vor allem Konjunkturängste. Anleger befürchten, dass sich die chinesische Wirtschaft deutlich abkühlen könnte. Die Abwertung der chinesischen Währung verstärkte diese Sorgen und sorgte für einen Kursrutsch.

MSCI Emerging Markets
4 von 12

Die einstigen Hoffnungsträger, die Schwellenländer, enttäuschten bisher auch. Die traumhaften Wachstumsraten sind schon lange vorbei und Investoren zogen ihr Geld aus den Schwellenländern ab. Aus 100.000 Euro im MSCI Emerging Markets wären seit Jahresbeginn 96.980 Euro geworden. Bekannteste Vertreter der Schwellenländer sind die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika). An der Börse Börse in Bombay (Bild) ging es Ende August auch kräftig abwärts.

MSCI World
5 von 12

Die Aktien der Industrieländer schnitten nur etwas besser ab – ein Plus schafften allerdings auch sie nicht. Wer 100.000 Euro in den MSCI World Index investiert hätte, hätte heute 98.130 Euro.

Deutsche Anleihen
6 von 12

Fast unverändert ist die Entwicklung bei deutschen Staatsanleihen. Aus 100.000 Euro wurden hier 99.900 Euro. Während Anfang des Jahres die Zinsen 10-jähriger Bundesanleihen deutlich sanken, zogen sie im August rapide an. Vor allem die Unsicherheiten in China und die Turbulenzen an der Börse trieben die Anleger wieder in Anleihen.

Tagesgeld
7 von 12

Das erste Plus in dieser Aufzählung, wenn auch nur ein kleines, schafft das Tagesgeld (Durchschnitt). Wer 100.000 Euro zum Jahresbeginn auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt hätte, der würde heute über 100.400 Euro verfügen.

In den vergangenen Jahren habe die deutsche Wirtschaft ihre Märkte vor allem in den Schwellenländern gefunden, wo jedoch derzeit eher rezessive Tendenzen vorherrschten. Daher werde zunehmend der amerikanische Markt als Wachstumsmarkt gesehen. Schwierig könnte für deutsche Unternehmen die Entwicklung in China werden. Derzeit investiere China die Hälfte seines Bruttoinlandsprodukts, normal seien 20 bis 25 Prozent. „Das ist überhaupt nicht durchzuhalten“, betonte Fuest. In China gehe es darum, von einer investitions- und kapitalorientierten zu einer konsumorientierten Volkswirtschaft zu kommen, die sich durch Innovationen weiterentwickelt. „Dieser Strukturwandel ist eine neue Herausforderung für China, und wir wissen nicht, ob sie bewältigt wird“, sagte der ZEW-Chef.

Wenn es schlecht laufe in China, werde die deutsche Wirtschaft stärker betroffen sein als andere Länder in Europa. Aber es gebe dennoch keinen Grund zur Panik. „Die deutsche Wirtschaft ist sehr diversifiziert und wird das auffangen“, sagte Fuest.

  • dpa
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