Venture Capital Der Boom bei Wagniskapital neigt sich dem Ende zu

Der deutsche Markt für Risikokapital stößt an seine Grenzen. In der Spätphase des Booms gibt es immer mehr fragwürdige Emissionen.
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Investoren halten sich zurück mit Investitionen in deutsche Start-ups. Quelle: dpa
Gemeinschaftsbüro junger Firmen in Nürnberg

Investoren halten sich zurück mit Investitionen in deutsche Start-ups.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Rekordzuflüsse in die deutschen Start-ups haben ihren Höhepunkt überschritten. Der Boom im hiesigen Markt für Venture Capital neigt sich nach den jüngsten Zahlen der Beratungsgesellschaft EY (ehemals Ernst & Young) dem Ende zu. Danach konnten die jungen Technologiefirmen und Gründer im ersten Halbjahr insgesamt 2,4 Milliarden Euro an Wachstumskapital einsammeln, sieben Prozent weniger als in der Vergleichszeit des Vorjahres.

2017 hatte vor allem der Börsengang von Delivery Hero für einen Rekord gesorgt. Rechnet man die Börsengänge heraus, so stiegen die Investments mit Risikokapital zwar um 3,5 Prozent auf einen Höchststand von 2,2 Milliarden Euro. Allerdings lässt die Wachstumsdynamik spürbar nach. Man habe in Deutschland inzwischen einen „vorläufigen Höhepunkt der Marktaktivitäten auf hohem Niveau erreicht“, meint Peter Lennartz, Partner bei EY.

Erstmals sind laut EY in diesem Jahr Initial Coin Offerings – abgekürzt ICOs – nennenswert als neue Finanzierungsform in Erscheinung getreten – trotz starker Kritik von vielen Seiten. Deutsche Start-ups nahmen demnach im ersten Halbjahr bei 13 ICOs insgesamt 250 Millionen Euro ein. Im Vorjahr war nur eine derartige Transaktion gezählt worden, die elf Millionen Euro einbrachte. Anleger erwerben bei einem ICO keine Aktien von einem Unternehmen, sondern einen Token, der eine Art Gutschein für eine künftige Dienstleistung darstellt.

Ob diese Finanzierungsform weiter an Bedeutung gewinnt, bleibt abzuwarten. „Nach dem Hype im ersten Halbjahr und negativer Publizität aufgrund fehlender Regulierungen ist es aktuell wieder etwas schwieriger für Start-ups, sich über ICOs zu finanzieren“, erklärt VC-Experte Lennartz. Allerdings beschäftigten sich heute auch Konzerne, Investitionsbanken und die Regulatoren mit dieser Finanzierungsform und den damit zusammenhängenden Geschäftsmodellen, die auf der Blockchain-Technologie basieren, so dass hier durchaus ein großes Wachstumspotenzial bestehe.

Die Finanzaufsicht Bafin und andere Experten haben davor gewarnt, dass ICOs von schwarzen Schafen im Kapitalmarkt auch missbräuchlich verwendet werden können. Für Aufsehen sorgte jüngst das Jungunternehmen Savedroid. Das Frankfurter Start-up sammelte im Frühjahr über einen ICO laut Firmenchef Yassin Hankir rund 40 Millionen Euro bei Anlegern ein. Kurz danach waren Hankir und die Internetseite der Firma stundenlang nicht erreichbar. Der Firmengründer erklärte, er habe darauf aufmerksam machen wollen, dass der ICO-Markt wegen Betrügereien vor dem Abgrund stehe.

Bei klassischen VC-Investitionen nahm das Online-Einrichtungshaus Home24 beim Börsengang 172 Millionen Euro ein, die Frontier Car Group im Mai 74 Millionen Euro. Bei den Fintechs im Finanzsektor holten sich die Start-ups in Berlin in 15 Finanzierungsrunden im ersten Halbjahr 289 Millionen Euro, die hessischen Anbieter kamen auf 63 Millionen Euro aus fünf Runden.

Der Hype bei den E-Commerce-Geschäftsmodellen ist offenbar vorbei. Insgesamt kamen die Start-ups aus dem Bereich der virtuellen Shops und Kaufhäuser nur noch auf 975 Millionen Euro – nach knapp 1,4 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Im globalen Maßstab spielt der deutsche Markt für Venture Capital praktisch keine Rolle mehr. Hier dominieren laut dem Analysehaus Preqin unangefochten die Geldgeber für die chinesischen Start-ups. Alleine im zweiten Quartal pumpten die VC-Fonds hier 40 Milliarden Dollar in 1155 Deals – entsprechend 54 Prozent des weltweiten Finanzierungsvolumens.

Auf dem zweiten Platz rangiert Nordamerika mit 31 Prozent, Europa muss sich mit acht Prozent begnügen. Neun der zehn größten Finanzierungsrunden fanden im Reich der Mitte statt, erklärt Preqin-Beteiligungsexperte Christopher Elvin. Absoluter Mega-Deal war die Finanzierungsrunde über 14 Milliarden Dollar für den chinesischen Zahlungsdienstleister Ant Financial Services Group.

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