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Vermögensverwalter Die kommende Mega-Anlageklasse: Blackrock sagt Boom für Private Equity voraus

Der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock sieht enormes Potenzial für Beteiligungskapital. Die Sparte könnte in völlig neue Dimensionen wachsen.
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Der Run auf Beteiligungskapital wird von vergleichsweise hohen Renditen angetrieben. Quelle: Reuters
Blackrock-Zentrale in New York

Der Run auf Beteiligungskapital wird von vergleichsweise hohen Renditen angetrieben.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Es ist eine enorme Zahl. Weltweit beläuft sich die Finanzierungskraft von Private Equity aktuell auf rund 1,3 Billionen Dollar, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Unter dem Druck von Niedrigzinsen und volatilen Aktienmärkten haben in den vergangenen Jahren immer mehr Vermögende ihre Flucht in diese bisher kleine, aber feine Nische gesucht.

Doch das könnte möglicherweise nur der Anfang gewesen sein. Geht es nach den Einschätzungen des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, wird das Geschäft mit Private Equity in den nächsten Jahren noch in eine völlig neue Dimension wachsen.

Die neue Mega-Anlageklasse: Bisher führte diese Form der Kapitalanlage, bei der Beteiligungsgesellschaften Unternehmen kaufen, diese aufbauen und sie nach fünf bis sieben Jahren wieder verkaufen, unter den großen Geldanlageformen wie Aktien oder Anleihen ein Nischendasein.

Zwar werden außerbörsliche Beteiligungsgesellschaften von Investorengeldern überschwemmt und haben Schwierigkeiten, die Mittel auch in attraktiven Käufen von Firmen unterzubekommen. So richtig durchgesetzt hat sich die Investmentsparte bisher indes noch nicht.

Das gilt gerade für Deutschland, wo Versicherungen, Pensionsfonds und Stiftungen meist nur einen kleinen Betrag in Private Equity anlegen, der oftmals bei ein bis drei Prozent der gesamten Anlagesumme liegt. Diese Zurückhaltung könnte unter dem Druck des schwierigen Marktes und wegen des Mangels an attraktiven Anlageformen nun allerdings ein Ende finden.

Eine Untersuchung von Blackrock, deren Ergebnisse dem Handelsblatt exklusiv vorliegen, ergibt, dass ein Investment von 20 bis 40 Prozent in privaten Märkten, zu denen die Experten Private Equity zählen, sinnvoll sei, erklärt Jean Boivin, Leiter des Investment-Instituts des Finanzriesens Blackrock. Es ist ein Urteil, das großes Gewicht hat, denn der Vermögensverwalter betreut Gelder im Volumen von 6,5 Billionen Dollar.

Angetrieben wird der Run auf Private Equity von den nach wie vor vergleichsweise hohen Renditen in diesem Geschäft. Die erzielten Profite dort sind laut dem Datenanbieter Preqin teilweise doppelt so hoch wie an den Aktienmärkten. Außerdem sei die Branche krisenresistenter. Großinvestoren blicken angesichts der verschlechterten Aussichten für die Wirtschaft deshalb umso mehr auf die noch recht junge Anlageklasse.

„Trumps Zoll-Hammer und Chinas Yuan-Retourkutsche“

Für Anlageprofis wie Robert Greil, Chefstratege vom Bankhaus Merck Finck, haben „Trumps Zoll-Hammer und Chinas Yuan-Retourkutsche ein kleines Börsenbeben ausgelöst“. Und das dürfte es nicht gewesen sein: „Uns steht ein heißer Börsenherbst bevor.“ Grund genug, nicht nur Risiken abzubauen und Aktien zu verkaufen. Gleichzeitig bauen Großanleger ihr Engagement in alternativen Märkten abseits der Börsen aus.

Sie versuchen, ihre Portfolios krisenresistenter zu machen, und liegen damit offenbar richtig. Blackrock-Mann Boivin betont: „Die besten 25 Prozent der Private-Equity-Häuser erreichen eine Überrendite von zwei bis vier Prozentpunkten gegenüber dem Durchschnittsertrag an den öffentlichen Börsen.“

Aus der Sicht eines halben Jahrzehnts ist eine Rendite vor Gebühren von 13 Prozent bei US-Private-Equity erzielbar, rechnet Blackrock vor. Dem stünden erwartete 5,9 Prozent Rendite bei börsennotierten kleinen US-Unternehmen gegenüber.

Investments in Private Equity wirken so für institutionelle Investoren immer verlockender. „37 Prozent der Geldgeber wollen aktuell ihre Zusagen aufstocken“, betont Gregor von Deuten, Investmentexperte bei Coller Capital, mit Blick auf eine aktuelle Umfrage. Seit 2010 hat jährlich rund ein Drittel der Großanleger seine Bereitschaft signalisiert, sein Engagement aufzustocken. Nur ein Zehntel wollte weniger investieren.

Die Branche der Finanzinvestoren nähert sich in Zeiten von Minuszinsen damit einer neuen Größenordnung. Zweistellige Milliardensummen bei neuen Fonds werden allmählich zur Routine. Jüngstes Beispiel ist der Megafonds von Advent, die Firma sammelte im Juni für den Global Private Equity Fonds IX insgesamt 17,5 Milliarden Dollar ein.

Losgetreten haben diesen Trend das Beteiligungshaus Blackstone mit einem Fonds über 22 Milliarden Dollar und der Rivale Apollo mit seinem Fonds in Rekordgröße über 24,7 Milliarden Dollar.

Problem Illiquidität

Als großen Nachteil der Investments in private Märkte, zu denen neben Private Equity etwa auch Immobilien und Hedgefonds, Infrastruktur und Kredite zählen, werten viele Investoren allerdings bisher deren relative Illiquidität. Der Hintergrund: Anleger können sich von ihren Investments nicht von heute auf morgen verabschieden.

Doch Blackrock-Mann Boivin glaubt, dass das Problem der Liquidität überschätzt werde. „Tatsächlich bekamen selbst in der letzten Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2009 nur wenige institutionelle Anleger Probleme, wenn sie hohe Ausgaben oder Gebühren schultern mussten“, argumentiert er.

Für Investoren, die bei ihrer Anlage weniger Begrenzungen unterliegen würden, könnte der Anteil von Private Equity sogar höher als 40 Prozent liegen. „Dann gilt es allerdings, Topmanager zu finden, die fähig sind, auch höhere Erträge als der Durchschnitt zu erzielen“, betont der Experte.

So könnten Stiftungen laut Boivin durchaus auf einen Anteil von bis zu 58 Prozent in „alternativen Strategien“ wie Private Equity und Hedgefonds kommen, wenn sie über ein Vermögen verfügten, das eine Milliarde Dollar übertrifft. Verstärkt seien hier direkte Investments in Unternehmen zu sehen, die etwa zusammen mit Private Equity bei Übernahmen eingegangen würden.

Während strategische Käufer im schwierigen Konjunktur- und Marktumfeld mit vielen politischen Risiken nach Ansicht von Rainer Langel, Europachef von Macquarie, vorsichtig geworden sind, suchten Finanzinvestoren angesichts voller Kassen nach wie vor nach Übernahmemöglichkeiten.

„In stabilen Branchen wie dem Gesundheitsbereich, Technologie und Infrastruktur sind die Preise bei Übernahmen hoch, ist das Interesse groß und die Finanzierung kein Problem“, sagt der Banker. Es würden attraktive Preise erzielt, wie sich am Beispiel der Online-Plattform Scout24 ablesen lasse, wo die Private-Equity-Häuser Hellman & Friedman sowie Blackstone ihr Übernahmeangebot zu niedrig ansetzten und scheiterten.

Gleichzeitig werde die Privatisierung börsennotierter Firmen deutlich zunehmen, zeigt sich Langel überzeugt. In den nächsten zwei Jahren werde es mehr Fälle geben, als die Branche je zuvor gesehen habe. Angesichts der viele Milliarden schweren Zuflüsse zu Private Equity schreckten selbst schwierige Fälle nicht mehr ab. „Es zeigt sich, dass Unternehmen in Private-Equity-Hand besser geführt werden, was auch an der deutlichen Eigenbeteiligung des Konzernvorstands liegt“, betont der Macquarie-Mann.

Selbst ein konjunktureller Abschwung werde den Trend nicht stoppen, sagt Blackrock-Experte Boivin voraus. Das hohe verfügbare Beteiligungskapital von 1,3 Billionen Dollar, das noch investiert werden müsse, könne in einem Abschwung als Puffer genutzt werden, wenn Investoren sich von ihren Engagements trennen wollten.

„Außerdem hat sich in der jüngsten Finanzkrise gezeigt, dass die Struktur der privaten Märkte Einbrüche abpuffert. Die öffentlichen Börsen waren viel volatiler, da sie liquider waren und die Anleger ihre Investments schnell verkaufen konnten“, betont der Vermögensverwaltungsexperte.

Selbst Kreditfonds dürften sich demnach in einem Abschwung nicht besser entwickeln als Private Equity, auch wenn Schulden gegenüber Eigenkapital vorrangig behandelt würden. Das gilt nach den Worten von Boivin vor allem, weil die Gläubigerschutzklauseln zunehmend aufgeweicht würden. Ein weiterer Aufstieg von Private Equity dürfte deshalb nur schwer auszubremsen sein.

Mehr: Am Beispiel Blackrock zeigt sich: Große Vermögensverwalter müssen ihre Geschäfte neu ordnen, wenn sie überleben wollen. Robert Landgraf kommentiert.

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