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Vermögensverwalter Warren Buffett, Bill Gross, Ray Dalio – Die Altstars der Fondsbranche treten kürzer

Die globale Fondsbranche steht vor einem Generationenwechsel. Die Kult-Investoren ziehen sich zurück. An ihre Stelle treten nüchterne Daten.
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Nach Jahren schwacher Fondserträge hört der Manager auf. Quelle: Reuters
Bill Gross

Nach Jahren schwacher Fondserträge hört der Manager auf.

(Foto: Reuters)

FrankfurtEr war einer der letzten seiner Art: Bill Gross hat mit Pimco einst ein erfolgreiches Finanzimperium aufgebaut, wurde ehrfurchtsvoll als „König der Anleihen“ tituliert und diente ganzen Generationen von Fondsprofis als Vorbild. Doch jetzt gibt Bill Gross auf und geht in Rente.

Damit zieht der 74 Jahre alte Star-Investor die Konsequenz aus vier Jahren voller schmachvoller Niederlagen: Seitdem er zu Janus Henderson gewechselt war, fiel seine Anlageperformance miserabel aus und die Kunden zogen immer mehr Geld ab.

Gross ist nicht der einzige Altstar, der abtritt. Die globale Fondsbranche ist inmitten eines Generationenwechsels: Die charismatischen Investmentstars der Aufbauphase, sie werden durch Computerprogramme und durch technokratische und weniger unternehmerisch denkende Jungmanager ersetzt.

Es ist der Abgang einer Gründergeneration. Die wenigen, verbliebenen Mitglieder des exklusiven Klubs der alten, weißen Männer sind oft 70 Jahre und älter und haben vor Jahrzehnten ihre eigenen Investmentgesellschaften aufgebaut. Jetzt ziehen sie sich nach und nach zurück. Manche von ihnen wie Warren Buffett oder George Soros sind noch öffentlich präsent, haben viele Investmententscheidungen aber in andere Hände übergeben.

Andere wie Gross geben auf. Und manche segnen einfach das Zeitliche – so wie John Bogle, Vater der Indexfonds und Gründer der zweitgrößten Anlagegesellschaft Vanguard. Er verstarb vor drei Wochen.

Zu den aktuellen Abschieden der großen Namen hat Jens Ehrhardt eine klare Meinung. In Deutschland gehört der Gründer von DJE Kapital selbst zu den bekanntesten Vermögensverwaltern. „Die Stars werden seltener, sterben aus, den Eindruck habe ich“, sagt der 77-Jährige. Die Zeiten hätten sich geändert: „Früher wurden Entscheidungen schon einmal nach Bauchgefühl getroffen, das geht heute nicht mehr.“

Viele dieser Stars haben ihren Status auch mithilfe des langen Börsenaufschwungs erworben. „Ohne die Anleihehausse von über drei Jahrzehnten wäre die Karriere von Bill Gross kaum denkbar gewesen“, meint Manfred Schlumberger, Manager beim Fondshaus Starcapital.

Algorithmen statt Egomanen

Die Branche verliert nicht nur große Namen, sondern auch Charakterköpfe. „Die Nachfolger von Gross oder Bogle bei den Top-Firmen haben alle was drauf, aber es fehlt ihnen das Charismatische oder manchmal auch Egomanische ihrer Vorgänger“, meint Schlumberger.

Heute erscheint es kaum noch denkbar, dass die Könner der Branche in den kommenden Jahrzehnten mehrere Billionen Dollar große Asset-Manager aufbauen, wie es manche ihrer großen Vorgänger schafften. „Ich sehe keinen, der solche Vermögen einsammeln könnte“, sagt Ehrhardt.

Der Münchener blickt nach vorne: „In Zukunft werden Daten wichtiger sein als Stars.“ Im Wettstreit von Mensch und Algorithmus scheint die Software die Oberhand zu gewinnen. „Die Maschine ist ein Anwärter für einen Platz im Olymp der großen Investoren“, meint Ali Masarwah, Analyst bei der Ratingagentur Morningstar. Doch Masarwah und andere Experten wollen keinen totalen Abgesang auf die Helden aus Fleisch und Blut anstimmen.

An eine „Koexistenz von Algorithmen und stärker personengetriebenen Investmentstilen“ glaubt Matthias Hübner von der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman.

Vollständig überzeugt haben die virtuellen Geldsteuerer nämlich bisher nicht. Das zeigt ein Blick auf die anspruchsvollste Variante der von Computern getriebenen Strategien: Die von Künstlicher Intelligenz gesteuerten Hedgefonds überzeugten einige Zeit mit guten Erträgen, kommen aber seit einem Jahr mit den wechselhaften Börsen nicht klar, wie ein Index der Researchfirma Eurokahedge belegt.

So suchen Experten nach möglichen Nachfolgern für die alten Herren im Investoren-Olymp, möglichst mindestens eine Generation jünger. „Das könnten die sein, die sich durch einen ‚lucky punch‘ nach oben katapultieren – wie in der Vergangenheit“, sagt Robert Habatsch, Vorstand von Greiff Capital Management.

So wurden einige Stars in der Finanzkrise vor zehn Jahren geboren, weil sie erfolgreich gegen den Markt wetteten und hinterher als Sieger dastanden – für eine gewisse Zeit. „Wer damals die Lichter ausschoss, der war anschließend ein Held“, erinnert Masarwah. Wenn die Börsen weiter turbulent bleiben, könnte die aktuelle Periode die Aufsteiger von morgen gebären.

Jenseits von Glückstreffer-Kandidaten arbeiten sich die regelmäßig Erfolgreichen nach vorne. „Mit beständiger Performance glänzen“, nennt Habatsch das. Diese Leistungsbilanzen sind notgedrungen kürzer als die der alten Heroen, noch nicht nachhaltig, und es geht um weniger Kapital, teilweise viel weniger. Neue Weltstars werden so also nicht geboren, aber immerhin Manager, die aus der Masse herausragen.

Große Fußstapfen

Einige Namen fallen in Fachkreisen häufiger: In Übersee gehört Jeffrey Gundlach dazu. Die bekannte US-Finanz-Zeitschrift „Barron’s“ hob den Chef des Asset-Managers Doubleline vor einigen Jahren auf den Thron und titelte „Der neue Bond-König“. Das war ein direkter Angriff auf Bill Gross. Der 59-jährige Gundlach, ehemaliges Mitglied einer Punk-Band mit mathematischer Begabung, hat es weit gebracht, bietet seine Anleihestrategie sogar in Deutschland an.

Während Gundlach für seine Kunden immerhin einen dreistelligen Milliardenbetrag betreut, backen die möglichen großen Namen von morgen in Europa kleinere Brötchen. Einen nennen die Experten häufiger: Bert Flossbach. Der Kölner Verwalter brachte sich mit guter Anlageleistung in der Finanzkrise ins Gespräch. „In gewisser Weise sind seine Fondserträge unspektakulär, er ist in den Rankings nie ganz vorne, aber über viele Jahre unter den Besten“, urteilt Analyst Masarwah.

Für ihn ist er „ein europäischer Kandidat für den Investoren-Olymp, ein beständiger Manager ohne Starallüren“. Der 57-jährige Flossbach ist im deutschen Sprachraum zu einem bekannten Gesicht seiner Zunft geworden. Ein Mix aus analytischer Schärfe und Klartext-Sprache als wohltuendes Kontrastprogramm zum typischen Finanzchinesisch haben ihren Anteil daran.

Trotz Brexits bleibt die Londoner City das Zentrum der europäischen Finanzszene. Hier tut sich ein Franzose um, der sich in den vergangenen Jahren profilierte: Bruno Crastes. Er gehört zum Asset-Manager mit dem einfallsreichen Namen H2O.

Die Firma gibt es nicht einmal zehn Jahre, aber der 53-jährige Crastes und seine Kollegen haben mit ihren Strategien für Anleihen und Währungen bereits einen deutlich zweistelligen Milliardenbetrag eingesammelt. „Die sind so erfolgreich, dass sie mit Geld überhäuft werden“, beschreibt es Greiff-Mann Habatsch.

Die neuen Helden treten in große Fußstapfen. John Bogle verstarb 89-jährig. Er war keiner der ganz Großen, weil er durch kluges Kaufen und Verkaufen zur richtigen Zeit seinen Kunden ein Vermögen bescherte. Mit genau dem Gegenteil machte er sich schon in frühen Jahren zur Legende. Er ist der Vater der Indexfonds. Dank Bogle können Anleger seit vielen Jahrzehnten simpel in ganze Märkte investieren. Sein Motto: „Suchen Sie nicht nach der Nadel, kaufen Sie den Heuhaufen.“

In diesem Jahrhundert sind Indexfonds die vielleicht größte Erfolgsstory im Finanzgeschäft. So kreierte Bogle eine eigene Branche, die ihn überlebt. Er braucht deshalb keinen Nachfolger. Das Indexprodukt ist sein Vermächtnis. Den Chefsessel seiner US-Anlagefirma Vanguard hatte er bereits vor langer Zeit abgegeben.

Über fünf Billionen Dollar Kapital betreut die Firma im wenig bekannten Valley Forge. Die Gesellschaft wächst schneller als die weltweite Nummer eins, Blackrock. In wenigen Jahren dürfte Vanguard ganz oben stehen.

Eine Klasse für sich

Eine Klasse für sich ist auch Bill Gross. Der hob im kalifornischen Newport Beach Pimco aus der Taufe. Pimco wurde zur Topadresse unter den Anleihemanagern – ähnlich wie Bogle beim Thema Indexfonds. Auch als Investor setzte Gross Maßstäbe. An der Wall Street war er der „king of bonds“. Er dirigierte den größten Anleihefonds, in der Spitze an die 300 Milliarden Dollar schwer.

Dank guter Anlageerträge deckten ihn Investoren mit viel Geld ein. Da machte es zunächst wenig aus, dass er als arrogant, jähzornig und leicht erregbar galt. Auf seinem Höhepunkt beantwortete er die Frage, was er denn noch erreichen wolle, so: „Ich will gewinnen, immer nur gewinnen.“

Vor vier Jahren überwarf sich Gross mit der Pimco-Führung und verließ das Haus. Seine Anlagebilanz schwächelte schon. Er wechselte zum Konkurrenten Janus Capital, wo er nur einen kleinen Fonds betreute, der wenig Ertrag abwarf. Ohnehin schien Gross andere Dinge im Kopf zu haben. In seinen Marktberichten schrieb er über seine Katze, Kriegserlebenisse oder kanzelte Notenbanker ab.

Kleinere Schlagzeilen machte er zuletzt höchstens mit Versteigerungen seiner Briefmarkensammlung. Wie Bogle ist ihm sein Platz im Geschichtsbuch als erfolgreicher Firmengründer sicher. Sein Ruf als Fondsmanager aber hat gelitten.

Die längste und immer noch anhaltende Erfolgsgeschichte schreibt jedoch ein bescheidener Mann aus Omaha in Nebraska. Er hat keine eigene Industrie geschaffen wie Bogle, ist kein Bondkönig wie Gross, betreut nicht einmal Kundengeld wie ein Fondsmanager. Dafür steuert Warren Buffett seine Aktiengesellschaft Berkshire Hathaway. Mit Firmenbeteiligungen ist er seit Jahrzehnten extrem erfolgreich. Einer der reichsten Männer ist der 88-Jährige ohnehin.

Die Berkshire-Hauptversammlung jedes Jahr ist mehr ein folkloristisches Fest. Es treffen sich Aktionäre, aber die sind eher Fans ihres Idols, begeistert von klugen Investments und Kurssteigerungen der Aktie – die teuerste der Welt.

Buffett sucht für Berkshire nach Unternehmen, die seiner Meinung nach zu billig sind. Seine Auswahlprinzipien gehen auf Ideen zurück, die fast ein Jahrhundert alt sind. Wie kann er sicherstellen, dass seine Philosophie aus der Zeit alter Industrien überlebt, gleichzeitig sein Nachfolger einen offenen Blick auf die Möglichkeiten der Hightech-Ära hat?

Buffett übergab seinen Kandidaten bereits einen Teil der Gelder. Dieses Kapital legen sie in Eigenregie an, so können sie sich über Jahre hinweg bewähren und ihr Talent demonstrieren.

Nachfolger gesucht

Das Nachfolgeproblem beschäftigt die Berkshire-Strategen, weil der Erfolg der Gesellschaft untrennbar mit dem Namen Buffett und seiner langfristigen Strategie verbunden ist. „Wenn du nicht bereit bist, eine Aktie für zehn Jahre zu halten, solltest du auch nicht darüber nachdenken, sie für zehn Minuten zu besitzen“, sagte Buffett einmal.

Klassische Geldverwalter haben es an dem Punkt leichter. Sie wollen eher kurzfristige Erfolge erzielen, sind mehr verkaufsorientiert ohne echte Stars an der Spitze. Hier spielen weniger die Personen eine Rolle. Selbst wenn Führungsleute wechseln, läuft das Unternehmen weiter.

Eine spezielle Gruppe von Vermögensverwaltern plagt das Nachfolgeproblem besonders. Es sind die Hedgefonds. Auch einige ihrer Chefs gehören zu den Stars der Branche. Hedgefonds sind jedoch oft One-Man-Shows. Die Firmen stehen und fallen mit den Gründern, die häufig über 60 Jahre alt sind und jetzt über ihren Ausstieg nachdenken. Dazu gehört Ray Dalio, einer der bekanntesten der Branche, Leiter des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater. Er setzt bereits einen langfristigen Übergangsplan um.

Die Topmitarbeiter werden immer stärker an der Firma beteiligt. Seine Utopie beschreibt der 69-Jährige mit blumigen Worten: „Mein finales Ziel ist es, eine Maschine zu bauen, die so gut arbeitet, dass ich mich zurücklehnen kann, und einfach zuschaue, wie das Schöne passiert.“

Noch schwerer haben es schwächelnde Hedgefonds-Manager. Ein gutes Beispiel ist John Paulson, der in der Finanzkrise mit Wetten auf Immobilien und Derivate zum Star wurde. Doch zuletzt griff er häufig daneben. „Keine einzige Strategie ist zu jeder Zeit die richtige“, erklärte er einmal und behielt damit zum eigenen Leidwesen recht.

Die Misserfolge führten dazu, dass ein Großteil des Fondskapitals inzwischen sein eigenes Geld ist. Deshalb erklärte der 63-Jährige Ende Januar, dass ihn ein Gedanke umtreibt: die übrig gebliebenen Kunden auszuzahlen und künftig nur noch das eigene Geld zu verwalten.

Möglicherweise eröffnet sich ein technologischer Ausweg aus dem Nachfolgerdilemma: So könnte ein Dalio seine Ansätze in Algorithmen gießen und unsterblich machen. Der deutsche Fondsmanager Flossbach grübelt, ob „jemand irgendwann die alchemistische Anlageformel findet“. Das Ziel wäre dann: „Ein digitaler Stein des Weisen, der sich mit Künstlicher Intelligenz immer weiter selbst verbessert.“

Der Praxistest für solche Wunderformeln steht aber noch aus.

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