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Vermögensverwaltung 350.000 Dollar Stundenlohn: Hedgefonds-Manager verdienen trotz schwachem Börsenjahr Rekordsummen

Schlechtes Jahr für Hedgefonds, gutes Jahr für Verwalter: Carl Icahn hat 2018 350.000 Dollar pro Stunde verdient – auch den Kollegen geht es gut.
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Der Hedgefonds-Manager hatte auch 2018 Grund zum Feiern. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Carl Icahn

Der Hedgefonds-Manager hatte auch 2018 Grund zum Feiern.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Frankfurt Von einem Jahresgehalt von über 350.000 Dollar wären die meisten Menschen begeistert. Führungskräfte in Deutschland verdienen im Schnitt gut ein Fünftel dessen. Für Carl Icahn ist das dagegen keine große Sache. Der bestverdienende Hedgefonds-Manager der Welt kassierte im vergangenen Jahr diesen Betrag in jeder einzelnen der 8760 Stunden, die ein Jahr umfasst – in erster Linie als Gewinn aus seiner Investmentgesellschaft.

Im vergangenen Jahr konnte er sein Vermögen um 3,07 Milliarden Dollar steigern, wie aus Zahlen des renommierten Finanzdatenanbieters Loong Palace Hurun Research hervorgeht. Selbst für Amerikas Verhältnisse ist das sehr viel. Am Tag vermehrte er seinen Reichtum um 8,4 Millionen Dollar.

Das schwierige Börsenjahr 2018 konnte damit den wachsenden Reichtum der erfolgreichsten Hedgefonds-Manager nicht bremsen. Durchschnittlich rutschten Hedgefonds im vergangenen Jahr laut Datenanbieter Preqin mit 3,42 Prozent ins Minus.

Aber Icahn, der zu den bekanntesten aktivistischen Investoren zählt, fuhr mit seinem Investment-Portfolio 2018 ein dickes Plus von 7,9 Prozent ein – was sich auch für ihn bezahlt machte: Sein Vermögen stieg dadurch um 14 Prozent.

Unter vielen Unternehmenslenkern ist Icahn gefürchtet. Denn er zählt zu den Investoren, die aktiv Einfluss auf die Unternehmen nehmen – und sich dabei nicht immer Freunde machen. Dabei sollte ihm anfangs eine andere Karriere bestimmt sein. Seine Mutter drängte ihn, zunächst Medizin zu studieren.

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Erst nach zwei Jahren verabschiedete er sich aus dem verhassten Studium und ging zeitweise zur Armee. Seine Berufung fand er jedoch im Finanzbereich, wo er im Jahr 1961 als Aktienhändler an der Wall Street begann.

Unter den Superreichen weltweit rangiert der Sprössling einer jüdischen Familie aus Far Rockaway in Queens in New York City nunmehr auf Rang 33 und verbesserte sich um 13 Plätze mit seinem Vermögen von insgesamt 25 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr. Der 83-Jährige ragt als Hedgefonds-Manager aus den 2 470 Milliardären weltweit heraus, die zusammen ein Vermögen von 9,6 Billionen Dollar besitzen.

Mit dem Spitzentrio unter den Reichen kann der Freund von US-Präsident Donald Trump jedoch nicht mithalten, der als Aktivist seit 1968 Konzerne wie die Fluggesellschaft TWA, den Videostreamer Netflix und den Computerriesen Dell mit seinem Einstieg aufschreckte.

So führen die Hurun-Liste der Milliardäre weltweit der Gründer der Handelsplattform Amazon, Jeff Bezos, der langjährige Kopf des Softwarekonzerns Microsoft, Bill Gates, und Warren Buffett als Altmeister der Geldanlage an. Mit 147, 96 und 88 Milliarden Dollar ist ihr Reichtum inzwischen gigantisch.

Allerdings engagieren sich Gates und Buffett mit vielen Milliarden in der Bill & Melinda Gates Foundation, die, an ihren Einlagen gemessen, die größte Privatstiftung der Welt ist.

Seit der Gründung finanziert die Stiftung mit einem Kapital von über 40 Milliarden Dollar vor allem Gesundheitsprojekte in Entwicklungsländern und gibt Geld für soziale Zwecke in den USA aus. Bezos selbst war lange nicht als Philanthrop aufgefallen. Jetzt will er mit seiner zwei Milliarden Dollar schweren Stiftung „One day fund“ obdachlosen Familien helfen und Vorschulen bauen.

Tepper und Simons überzeugen

Icahn hat sich ebenfalls der Giving-Pledge-Initiative von Gates und Buffett angeschlossen, bei der sich Reiche dazu verpflichten, die Hälfte ihres Vermögens für soziale Zwecke abzugeben. Zudem hat der New Yorker rund 200 Millionen Dollar für das Mount Sinai Hospital in seiner Geburtsstadt gespendet, das inzwischen in Icahn School of Medicine at Mount Sinai umbenannt wurde.

Für Icahn gilt der Leitsatz von Ken Griffin aus dem Jahr 2001, der 2018 mit seinem Hedgefonds Citadel Topverdiener der Branche war: „Von Tag eins an war es das Ziel, den besten unabhängigen Händler aufzubauen. Wenn du 100 Millionen Dollar besser warst als ein anderer Hedgefonds, warst du ein Gott.

Wenn du aber 100 Millionen Dollar verdienst und ein anderer die Straße herunter 400 Millionen Dollar, dann solltest du besser nachdenken, warum du keine 500 Millionen Dollar gemacht hast.“

Im vergangenen Jahr hat der Ruf der Hedgefonds-Manager zum Teil gelitten. 2018 bereiteten ihnen zeitweise massiv fallende Aktienkurse, schwächelnde Währungen und starke Kursschwankungen Probleme.

Eigentlich lieben Marktprofis hohe Volatilität, da sie dann die Ertragsentwicklung herkömmlicher Anlagen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe leichter schlagen können, aber vergangenes Jahr erwischte viele der Richtungswechsel an der Börse auf dem falschen Fuß. Preissprünge in einer Aktienhausse, die nach rund zehn Jahren ausläuft, und steigende Zinsen erschwerten den Managern das Leben.

Für Hedge Fund Research (HFR) war es „das schlechteste Jahr seit 2011“.

Nicht nur „schlossen mehrere Hedgefonds am Anfang des vierten Quartals“, wie der Präsident von HFR, Kenneth Heinz, betonte. Anleger reagierten nach seiner Analyse bei den unregulierten Anlagevehikeln auch mit deutlicher Kapitalflucht auf die massiven Verluste bei traditionellen Investments wie Aktien.

Insgesamt zogen Investoren nach einer Studie von Goldman Sachs 33,5 Milliarden Dollar im Laufe des vergangenen Jahres bei den Finanzinvestoren ab.

Das vergangene Jahr war für Hedgefonds das schlechteste seit 2011. Hedge Fund Research

Hedgefonds wetten auf steigende und fallende Aktienkurse, nutzen minimale Preisunterschiede an Handelsplätzen aus und versuchen, aus Fusionen einen Gewinn zu ziehen. In den vergangenen Monaten gerieten sie jedoch verstärkt in die Kritik: Zu hohe Gebühren, zu wenig leistungsorientiert, lauteten die Vorwürfe der Großanleger.

In der Vergangenheit eingebürgerte Regeln wie zwei Prozent Management-Gebühr und 20 Prozent Erfolgsprovision sind heute nach Ansicht von Michael Viehmann, Vorstand des Sauren Fonds Research, nicht mehr zu halten. „Inzwischen liegen die offiziellen Gebühren durchschnittlich eher bei 1,5 Prozent und gut 17 Prozent Gewinnbeteiligung“, stellt er fest.

Aber die Anleger würden heute ohnehin deutlich intensiver über faire Gebühren verhandeln, „die dann auch unter diesen Sätzen liegen“.

Der kalifornische Pensionsfonds Calpers – einer der größten weltweit – warf Ende 2014 sogar die Hedgefonds komplett aus seinem viele Milliarden Dollar schweren Portfolio. Doch inzwischen hat sich die Branche wieder aufgerappelt. Im noch jungen Jahr kam es zum stärksten Start seit 2012. Die Hedgefonds profitierten von der Erholung an den Märkten. Im Februar legten sie um 1,4 Prozent zu und damit den zweiten Monat in Folge.

Insgesamt betrug das Plus im Januar und Februar 4,9 Prozent, wie HFR ausgerechnet hat.

Den Rückenwind der ersten zwei Monate benötigen Manager vom Schlag eines Icahn, eines David Tepper mit seinem Hedgefonds Appaloosa Management und James Simons mit dem Renaissance Technologies Hedgefonds nicht. Ihr Erfolg schlägt sich in Milliardenerträgen nieder. Dabei sah es bei Tepper lange nicht nach einem Erfolg bei den Spezialfonds aus. Den heute 61-Jährigen hat sein Vater erstmals in Kontakt mit der Börse gebracht.

100 Anteilsscheine der Firma Career Academics zum Preis von zwei Dollar je Aktie waren sein erstes Investment. Die Firma ging kurze Zeit später pleite. Die Börse aber ließ Tepper nicht mehr los. Heute zählt er zu den erfolgreichsten Spekulanten an der Wall Street. Er kauft, was keiner haben möchte.

Aus einer ganz anderen Ecke kommt James Simons. Der 80-Jährige scheut die Öffentlichkeit und will mit der Wall Street nichts zu tun haben. Seinem Erfolg tut das keinen Abbruch. Mit dem Hedgefonds Renaissance zählt er zu den erfolgreichsten Investoren überhaupt. Simons studierte zunächst an der US-Kaderschmiede Massachusetts Institute of Technology und war später Dozent an der renommierten Harvard-Universität.

Während des Vietnamkrieges arbeitete er als Codeknacker für die Regierung. Seine Stärke ist es, mathematische und statistische Analysen als Basis für Anlageentscheidungen aufzubauen. Dazu sammelte er eine Unmenge von Daten, suchte nach Korrelationen und Ineffizienzen. Der Erfolg gibt ihm recht.

Die Leitung von Renaissance hat er inzwischen abgegeben. Er kassiert nur noch und gibt den Philanthropen. Von klassischen Bankern der Wall Street will Renaissance nichts wissen. Gesucht sind Naturwissenschaftler und Mathematiker. Ein Erfolgsrezept.

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