Vermögensverwaltung Anlage-Profi Jan Ehrhardt setzt weiter auf Aktien – „Der Dax ist nicht teuer“

Anlageprofi Jan Ehrhardt will mit einem Robo-Advisor den Erfolg seines legendären Vaters fortführen. Doch die eigentliche Herausforderung steht ihm noch bevor.
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Tritt in die Fußstapfen seines berühmten Vaters. Quelle: Wolf Heider-Sawall/laif
Dr. Jan Ehrhardt

Tritt in die Fußstapfen seines berühmten Vaters.

(Foto: Wolf Heider-Sawall/laif)

FrankfurtEr ist schon zu Lebzeiten eine Anlegerlegende: Dr. Jens Ehrhardt. Seit über 40 Jahren ist seine unabhängige Vermögensverwaltung DJE Kapital AG im Finanzmarkt aktiv. Aber in Zeiten der Digitalisierung reicht ein guter Name allein langfristig nicht mehr aus, um im harten Wettbewerb zu bestehen.

Deshalb ist die digitale Vermögensverwaltung Solidvest von Jan Ehrhardt – dem Sohn des Gründers – an den Start gegangen. Die DJE Kapital AG verwaltet heute für private und institutionelle Kunden rund 13 Milliarden Euro. Etwa fünf Milliarden davon managt der Sohn.

Aktuell ist der jüngere Ehrhardt ziemlich zuversichtlich für die kommenden Monate, wenn es um die Börsen geht: „Für das zweite Halbjahr sind wir optimistisch bezüglich der Aktienmärkte. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 ist beispielsweise der Dax keinesfalls teuer“, meint der Geldmanager. Das Kurspotenzial liege bei deutschen und europäischen Papieren durchaus bei rund zehn Prozent. Das würde einen Stand beim Deutschen Aktienindex (Dax) von gut 14.000 Punkten bedeuten.

Doch nicht alle Experten sind so positiv gestimmt. Die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) erwarten, dass sich die Korrektur an den Aktienmärkten – immer wieder unterbrochen von kurzen Erholungsphasen – fortsetzt. Die Dax-Prognose für das dritte Quartal lautet auf 11.500 Punkte. Und bei der Fondsmanager-Umfrage der Bank of America Merrill Lynch für Europa haben sich zuletzt vor allem die Einschätzungen zu den Gewinnen der Unternehmen eingetrübt.

Wenn die Zeiten einmal wirklich rauer werden an den Märkten, dann wird auch die Performance der Robo-Advisor, der automatisierten Vermögensverwalter, einem ersten Härtetest unterzogen. Bisher haben sie eine „Goldilocks“-Ära durchlebt, in der die Rahmenbedingungen – vor allem wegen der sehr niedrigen Zinsen – unschlagbar gut waren.

Beim letzten Crash nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers waren die Robo-Geldverwalter noch bei Weitem nicht so groß und präsent wie heute. Weil die meisten von ihnen mit Indexprodukten (ETFs) arbeiten, gibt es kaum Absicherungen nach unten, wenn es einmal knirscht im Gebälk. Die Stunde der Wahrheit kommt also erst noch.

Erfahrung und Analyse

Jan Ehrhardt ist sich sicher: „Langfristig wird der Markt der digitalen Vermögensverwaltungen über die Performance gewonnen.“ Das war aber auch schon so in der analogen Welt, in der sich sein heute 76-jähriger Vater behaupten musste.

Der 42-jährige Sohn will mit seiner Erfahrung punkten. „Ich suche bereits seit 15 Jahren Aktien aus. Diese Erfahrung sollte sich bei einem echten Abschwung oder Crash auszahlen. Viele Robo-Advisor haben noch keine schlechten Zeiten erlebt, das müssen die Anleger im Hinterkopf behalten“, sagt er. Kern des Anlageprozesses bei den Ehrhardts ist die FMM-Methode, die fundamentale und markttechnische Analysen umfasst, die wiederum auf eigenem Research basieren.

Solidvest setzt auf 30 Einzeltitel aus dem Aktienuniversum und 20 Anleihepapiere. Wer sein Portfolio nach diesem Modell ausschließlich mit Aktien bestückt hat, der konnte laut Solidvest in den zwölf Monaten zum 14. Juni 2018 ein Plus nach Kosten von 7,47 Prozent erzielen. Bei einer Mischung aus 75 Prozent Aktien und 25 Prozent Bonds sowie Cash (siehe Tabelle) beträgt das Plus 4,73 Prozent. Seit diesem Mai wird der Ableger der DJE Kapital AG im Echtgeldwettbewerb von Brokervergleich.de mit einem Standardportfolio geführt und misst sich dort mit anderen Anbietern mit ähnlichem Risikoprofil.

Nach dem Start am 2. Mai 2017 stand zunächst nicht die Gewinnung von Neukunden im Fokus, aber es wurden schon Portfolios mit Echtgeld verwaltet. Seit dem 1. Mai dieses Jahres ist man jetzt aktiver in der Neukundenansprache. „Im Schnitt bekommen wir einen neuen Kunden pro Tag, und zwar ohne Werbung. Die Mindestanlagesumme sind 25.000 Euro, aber wir hatten auch schon einen Neukunden, der auf einen Schlag 700.000 Euro angelegt hat“, sagt der jüngere Ehrhardt.

Im Schnitt habe Solidvest im ersten Jahr täglich rund 70.000 Euro neu eingesammelt. Selbstkritisch meint der Junior, dass man die zwölfmonatige Testphase vielleicht hätte abkürzen können. Andererseits galt es, Pannen zu vermeiden. „Wir haben einen guten Ruf zu verlieren“, sagt er.

Der Marktantritt von Solidvest erfolgt relativ spät, viele Wettbewerber können heute schon auf weit höhere Summen blicken, die sie digital verwalten. Beispielsweise hat der Robo-Advisor Scalable innerhalb von 28 Monaten bei mehr als 30.000 Kunden insgesamt eine Milliarde Euro eingesammelt. Mehr als die Hälfte des verwalteten Vermögens kam von Kunden der Direktbank ING-Diba, die seit vergangenem September mit dem jungen Unternehmen aus München kooperiert.

Insgesamt dürften die Robo-Advisor, bei denen ein Großteil der Arbeit von Algorithmen erledigt wird, in Deutschland nun mehr als zwei Milliarden Euro verwalten. Trotz des Vorsprungs der Konkurrenz gibt sich Jan Ehrhardt gelassen: „Als Familienunternehmen muss ich keine Zielvorgaben für die Solidvest erfüllen. Natürlich wollen wir wachsen, aber es gibt keine Milestones.“

Beratung immer noch gefragt

Während Solidvest jetzt richtig in Schwung kommen will, rechnen Experten schon bald mit einer Konsolidierung der Branche der automatisierten Vermögensverwalter. „Der Boom an Neugründungen ebbt ab, nach den Fusionen und Übernahmen bleiben vielleicht fünf bis sechs virtuelle Vermögensverwalter übrig“, sagt Betina Wunderlich, Managing Director und Finanzexpertin bei der Unternehmensberatung Accenture.

Tendenziell kommen ihrer Meinung nach auch die Margen bei den Robo-Geschäftsmodellen unter Druck. In Deutschland könne man im Schnitt noch 100 Basispunkte (also ein Prozentpunkt vom verwalteten Vermögen) verdienen, in den USA nur noch 40 bis 50 Basispunkte. „Da sieht man, wo die Reise hingeht“, sagt Wunderlich.

Die Kunden wünschten sich hybride Geschäftsmodelle, also die Kombination aus klassischen Beratern und virtuellen Angeboten. Man wisse aus Umfragen, dass 81 Prozent der Kunden weiterhin Wert legten auf die persönliche Interaktion. Und 51 Prozent bevorzugten eine Kombination aus digitalen Angeboten mit Zugang zu einem persönlichen Berater.

„Jetzt rückt vermehrt die Bestandspflege der Kunden in den Fokus. Dazu gehört auch, dass Klienten aus der traditionellen Vermögensverwaltung neue digitale Angebote mit automatisierten Produkten erhalten“, sagt Wunderlich. Beobachter glauben, ein Vorteil für Solidvest könne deswegen sein, dass schon eine Kundenbasis existiert.

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  • Wenn man die Einzelpositiionen von Solidvest ansieht, kann man nicht gerade erkennen, dass der DAX unterbewertet ist und deshalb gerade im DAX investiert wurde....
    oder wird Jan erst noch in den DAX investieren??? Und in welche Werte???
    Da wäre doch mal eine genauere Berichterstattung sinnvoll!

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