VTB Direkt Russische Bank lockt Anleger an

Experten warnen: Deutsche legen vermehrt ihr Geld bei VTB und Sberbank an – zwei russischen Staatsbanken. Weil die Töchter-Institute in Österreich sind, gilt kein deutsches Anlagerecht. Was passieren könnte.
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Aktivisten vor der umstrittenen Bank in Russland. Tatsächlich warnen Experten auch deutsche Anleger vor der Sberbank. Quelle: Reuters
Sberbank

Aktivisten vor der umstrittenen Bank in Russland. Tatsächlich warnen Experten auch deutsche Anleger vor der Sberbank.

(Foto: Reuters)

HamburgTrotz der Ukraine-Krise legen immer mehr Deutsche ihr Geld bei den russischen Staatsbanken VTB und Sberbank an. Bei der VTB Direkt stiegen die Einlagen im vergangenen Jahr um rund 52 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Das geht aus einem Geschäftsbericht der VTB Bank Austria hervor, zu der die VTB Bank Direkt gehört. Schon Ende Mai war bekannt geworden, dass die Guthaben bei der „Sberbank direct“ bereits 1,5 Milliarden Euro betragen, obwohl die Bank hierzulande erst Mitte 2014 gestartet war.

Die Europa-Töchter der beiden Banken locken in Deutschland mit vergleichsweise hohen Zinsen. Doch viele Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht. Denn die EU-Sanktionen gegen Russland haben VTB und Sberbank massiv unter Druck gebracht. Die Ratingagenturen attestieren ihrer Bonität inzwischen mehrheitlich Ramschniveau. Dass die Europa-Töchter in Wien ansässig sind und damit nicht der deutschen, sondern lediglich der österreichischen Einlagensicherung angehören, weckt auch wenig Vertrauen.

Rein formal gilt auch im Nachbarland die EU-Einlagenrichtlinie, die Guthaben bis 100.000 Euro schützt. Ob die Österreicher im Fall der Fälle aber tatsächlich bereit wären, die deutschen Kunden einer russischen Bank zu entschädigen, bleibt abzuwarten. Die Einlagensicherung in Wien verfügt bislang kaum über Kapital, vielen Banken des Landes geht es schlecht. Glaubwürdig haften könnte allenfalls der österreichische Staat. Doch der zeigte schon bei der Pleite der Hypo Group Alpe Adria wenig Lust, ausländische Gläubiger abzufinden – und das, obwohl in dem Fall sogar eine explizite Staatsgarantie existierte.

Bemerkenswert ist, dass Sberbank-Vizechef Alexander Morosow laut „Bloomberg“ kürzlich freimütig bekannte, die Österreich-Tochter habe mit dem frisch eingesammelten Geld der deutschen Sparer einen Milliardenkredit bei der Moskauer Mutter abgelöst. Eigentlich sind VTB und Sberbank aufgrund der EU-Sanktionen von Euro-Finanzierungen abgeschnitten. Die Töchter sind von den Strafmaßnahmen allerdings ausgenommen.

Welche Firmen noch auf Russland setzen
Stada
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In Russland wuchs der Arzneimittelhersteller Stada im vergangenen Jahr um vier Prozent, allerdings in Rubel gerechnet. Durch den Wertverfall der Währung nahm der Umsatz in Euro gerechnet stark um 14 Prozent auf 360,7 Millionen Euro ab. Das Land ist aber nach wie vor der größte Auslandsmarkt. Stada-Chef Hartmut Retzlaff reist derzeit etwa fünf Mal pro Jahr nach Russland, „aus motivatorischen Gründen, um den Mitarbeitern zu zeigen, dass man an den Standort glaubt“, sagt er.

Bionorica
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Für den Naturarzneimittelhersteller Bionorica ist Russland der wichtigste Auslandsmarkt: Der steuert rund ein Drittel zu Geschäft bei und legte in den vergangenen Jahren stets zweistellig zu. Das ist auch 2014 nicht anders gewesen, allerdings nur in Absatz gerechnet. Der Umsatz sank wegen der Währungsumrechnungseffekte um etwa sieben Prozent auf 72 Millionen Euro. Bionorica-Chef Michael Popp hat den Verfall des Rubels nur zu einem Teil mit Preiserhöhungen aufgefangen: „Wir haben im Sinne des Patienten auf Umsatz verzichtet“, nennt Popp dieses Vorgehen.

Fresenius
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Der Gesundheitskonzern Fresenius hat im November angesichts der Osteuropa-Krise seine Pläne für ein Gemeinschaftsunternehmen in Russland aufgegeben. Geplant war ein Zusammenschluss des bestehenden Geschäfts der Ernährungs- und Infusionssparte Fresenius Kabi mit dem russischen Pharmaunternehmen Binnopharm. Den Unternehmen entstanden wegen des geplatzten Deals keine finanziellen Verpflichtungen. Zum Gesamtumsatz des Gesundheitskonzerns Fresenius trägt Russland weniger als ein Prozent bei.

Siemens
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Der Besuch bei Wladimir Putin vor gut einem Jahr hat Siemens-Chef Joe Kaeser viel Aufmerksamkeit, aber auch viel Kritik eingebracht – dem Geschäft geholfen hat er nicht. Die Umsätze seien etwa um die Hälfte eingebrochen, berichtete Kaeser kürzlich. Russland ist ein wichtiger Markt für den Infrastrukturanbieter, die Münchener bauen dort zum Beispiel Züge und Gasturbinen. „Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann“, bedauerte Kaeser. Siemens wolle Know-how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. „Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.“

Otto-Gruppe
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Im August 2013 kündigte die Otto-Gruppe noch neue Investitionen in Russland an. Eineinhalb Jahre später ist die Ernüchterung groß. Für das Unternehmen ist Russland zu einer Belastung geworden. Im abgelaufenen Geschäftsjahr ist der Umsatz um 25 Prozent gesunken. Bereinigt um Wechselkurseffekte bleibt ein Rückgang um nur vier Prozent. Und fest steht auch: Die Otto-Gruppe hat in Russland Geld verloren. Zwar hält Hans-Otto Schrader, Chef der Otto-Gruppe, eine Rezession in Russland für nicht vermeidbar. Aber: „Wir haben diesen Markt über sechs Jahre aufgebaut – und wir werden ganz vorne mit dabei sein, wenn sich die Lage bessert“, sagt er.

Hubert Burda Media
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Fragt man den Vorstandsvorsitzenden von Hubert Burda Media, Paul-Bernhard Kallen (Bild), ob sich sein Unternehmen angesichts der Wirtschaftskrise in Russland aus dem Land zurückziehen will, antwortet er: „Nein, wir nicht. Die Frage ist aber, ob man uns noch haben will.“ Offenbar will der russische Staat das nicht. Vergangenen Herbst unterzeichnete Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das vorsieht, den Anteil von Ausländern an russischen Medienunternehmen auf 20 Prozent zu beschränken. Besonders hart trifft dies Burda. In Verlagskreisen werden die Erlöse, die Burda in Russland und in der ebenfalls krisengeschüttelten Ukraine erzielt, auf gut 200 Millionen Euro geschätzt.

Bauer Media
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Bauer will sich angesichts der Debatte um das neue Mediengesetz zwar überhaupt nicht zum Russland-Engagement äußern. Für den Hamburger Verlag dürften die Märkte in den USA, Australien, England und Polen aber weitaus wichtiger sein als der Markt in Russland, wo das Zeitschriftenhaus ausweislich seiner russischen Website 25 Titel herausgibt.

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1 Kommentar zu "VTB Direkt: Russische Bank lockt Anleger an "

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  • Herr Dohms, Sie weisen in Ihrem Artikel auf die Einlagensicherung in Österreich hin, welche auf der Umsetzung der EU-Richtlinie 2014/49/EU beruht. Sicherlich wissen Sie, dass am 03.07.2015 auch in Deutschland die gesetzliche Umsetzung dieser Richtlinie mit dem Einlagensicherungsgesetz in Kraft tritt. Auch hier werden die erforderlichen Guthaben erst aufgebaut (in den nächten Jahren und nur bis zu (% des betreffenden Volumens). Meine Frage lautet: Wird auch der deutsche Staat "wenig Lust" (sic!) zeigen, seine beschlossenen Gesetze einzuhalten? Sie schrieben keinen Kommentar sondern einen Artikel. Im Handelsblatt hätte ich mehr erwartet. Scheinbar ist Russlandbashing auch auf diesen Niveau möglich.

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