Warren Buffett US-Starinvestor kauft sich in der Ölbranche ein

In Zeiten fallender Ölpreise hat Warren Buffet in eben jene Branche investiert: Allerdings nicht in die Ölförderung, sondern in eine „Downstream“-Gesellschaft. Die Berkshire B-Aktie profitiert davon aber nicht.
Update: 14.01.2016 - 09:18 Uhr
Insgesamt kaufte Starinvestor Warren Buffett in wenigen Tagen 3,5 Millionen zusätzliche Aktien des  petrochemischen Unternehmens Phillips 66 ein. Quelle: AFP
Warren Buffett

Insgesamt kaufte Starinvestor Warren Buffett in wenigen Tagen 3,5 Millionen zusätzliche Aktien des petrochemischen Unternehmens Phillips 66 ein.

(Foto: AFP)

San FranciscoEs ist einer dieser nüchternen Zettel, die an der Wall Street jeden Tag massenhaft ausgefüllt und an die Börsenaufsicht geschickt werden. Doch Name und Inhalt des unscheinbaren Formulars „Form 4“ haben es in sich: „Berkshire Hathaway Inc.“ steht dort unter dem Punkt „Reporting Person“ (meldende Person). Und bei Wohnort: „Omaha“ in Nebraska.

Warren Buffett hat wieder zugeschlagen. Genau 1.741.210 Aktien des petrochemischen Unternehmens Phillips 66 hat der Starinvestor am 8. Januar 2016 gekauft, gibt er in der Pflichtmitteilung bekannt. Der Gesamtbestand liegt jetzt bei 65,68 Millionen Stück und beim Kästchen „10% Owner“ (Anteilseigener von zehn Prozent) ist ein Kreuzchen gesetzt.

Insgesamt kaufte Buffett in wenigen Tagen 3,5 Millionen zusätzliche Phillips-Aktien ein. Zu einer Zeit, in der der Ölpreis im freien Fall ist, baut „das Orakel aus Omaha“ seine Positionen in der Branche aus.

Am Mittwoch brachen die Rohölpreise an den Märkten zeitweise auf unter 30 Dollar ein. In Deutschland war der Liter Diesel teilweise für weniger als 0,90 Euro zu bekommen. Im US-Staat Oklahoma kostete die Gallone (3,78 Liter) Benzin laut gasbuddy.com nur noch 1,63 Dollar. In Kalifornien gab es die höchsten Preise mit 2,80 Dollar im Schnitt. 3,60 Dollar waren es Anfang 2014 noch.

An der Börse half die Nachricht vom Aktienzukauf durch Buffett nicht. Mit dem Aktienmarkt brach auch die Berkshire B-Aktie um knapp 1,96 Prozent auf 126,28 Dollar.

Das hat sich im Portfolio des Starinvestors geändert

PHILLIPS 66 REGISTERED SHARES DL -,01

WKN
ISIN
US7185461040
Börse
FSE

-1,72 -1,82%
+93,90€
Chart von PHILLIPS 66 REGISTERED SHARES DL -,01
Phillips 66
1 von 47

Neu im Depot

Im zweiten Quartal hatte sich Warren Buffett noch komplett von Anteilen am Öl- und Gaskonzern Phillips 66 getrennt, doch im dritten Quartal stieg er wieder ein.

Buffetts Anteile: 61 Millionen Aktien
Veränderung im dritten Quartal 2015: plus 100 Prozent

Quelle aller Angaben: 13-F-Pflichtveröffentlichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC

AT & T INC. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US00206R1023
Börse
Xetra

-0,19 -0,66%
+28,38€
Chart von AT & T INC. REGISTERED SHARES DL 1
AT&T
2 von 47

Im dritten Quartal war Warren Buffett noch neu beim Mobilfunkkonzern AT&T eingestiegen - und zwar direkt in großem Stile. Die fast 60 Millionen Aktien waren etwa 1,75 Milliarden Euro wert. Im vierten Quartal reduzierte er er seine Beteiligung aber schon wieder deutlich.

Buffetts Anteile: 46,6 Millionen Stück
Veränderung im dritten Quartal 2015: minus 21 Prozent

DAVITA INC. REGISTERED SHARES DL -,001

WKN
ISIN
US23918K1088
Börse
FSE

-0,50 -0,83%
+59,66€
Chart von DAVITA INC. REGISTERED SHARES DL -,001
Davita Healthcare
3 von 47

Neu im Depot

Eingestiegen ist Buffett im dritten Quartal beim Pharma-Forschungsunternehmen DaVita Clinical Research.

Buffetts Anteile: 38,57 Millionen Stück
Veränderung im dritten Quartal: plus 100 Prozent

VIACOM INC. REG. SHARES CLASS B DL -,001

WKN
ISIN
US92553P2011
Börse
FSE

+0,67 +2,57%
+26,73€
Chart von VIACOM INC. REG. SHARES CLASS B DL -,001
Viacom
4 von 47

Aus dem Depot geflogen

Das Vertrauen Warren Buffetts in den US-Medienkonzern war bereits in den vergangenen Quartalen gesunken. Der 85-Jährige stieß seine restlichen 5,65 Millionen Papiere des Unternehmens zwischen Juli und Oktober 2015 ab. Viacom ist ein amerikanischer TV-Konzern, der unter anderem an Kabelgesellschaften wie MTV, aber auch an Filmproduktionsgesellschaften wie Paramount und Dreamworks beteiligt ist.

Buffetts Anteile: 0
Veränderung im dritten Quartal 2015: Anteil um 100 Prozent abgebaut

AMERICAN EXPRESS CO. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US0258161092
Börse
Xetra

+0,65 +0,69%
+94,35€
Chart von AMERICAN EXPRESS CO. REGISTERED SHARES DL -,20
American Express
5 von 47

Die vier wichtigsten Titel (1/4)

Fast 60 Prozent des Aktienwerts in Warren Buffetts Portfolio geht auf vier Einzeltitel zurück. Dazu zählt der Kreditkartenanbieter American Express. An der Beteiligung hat sich auch im dritten Quartal nichts geändert.

Buffetts Anteile: mehr als 151 Millionen Stück
Veränderung im dritten Quartal 2015: unverändert

COCA-COLA CO., THE REGISTERED SHARES DL -,25

WKN
ISIN
US1912161007
Börse
Xetra

+0,05 +0,13%
+39,47€
Chart von COCA-COLA CO., THE REGISTERED SHARES DL -,25
Coca Cola
6 von 47

Die vier wichtigsten Titel (2/4)

Der bekennende Limonaden-Trinker Buffett hält auch im dritten Quartal 2015 an seinen Coca-Cola-Aktien fest. Der Investor hat insgesamt 400 Millionen Papiere in seinem Portfolio, damit gehören ihm fast zehn Prozent der gesamten Anteile an dem Konzern.

Buffetts Anteile: 400 Millionen
Veränderung im dritten Quartal 2015: unverändert

INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20

WKN
ISIN
US4592001014
Börse
Xetra

-0,48 -0,37%
+127,57€
Chart von INTL BUSINESS MACHINES CORP. REGISTERED SHARES DL -,20
IBM
7 von 47

Die vier wichtigsten Titel (3/4)

Software-Hersteller IBM gilt als dritter Liebling im Buffett-Portfolio. Im dritten Quartal 2015 hielt er die Beteiligung nahezu unverändert, nachdem er im ersten Quartal um drei Prozent aufgestockt hatte. Buffett hält insgesamt acht Prozent der Unternehmensanteile.

Buffetts Anteile: 79,37 Millionen
Veränderung im dritten Quartal 2015: unverändert

Die Anleger sind vorsichtig geworden. 2015 war ein bescheidenes Jahr für die erfolgsverwöhnte Investmentgesellschaft und Analysten und Marktbeobachter schauen genau hin. Denn mit seinem reich diversifizierten Anlageportfolio ist Berkshire das fünftgrößte Unternehmen der USA und hat seit Mitte der 90er-Jahre nie schlechter gelegen als der breite Markt. Und wenn Berkshire Probleme hatte, war das oft genug ein Frühindikator für drohende Wirtschaftsschwächen.

Warum jetzt Phillips 66? „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“, sagte schon Carl Mayer von Rothschild und Buffett scheint dieser Regel zu folgen. Aber mit einer leichten Modifikation. Phillips 66 ist kein Ölförderer („Upstream“), sondern ein Verarbeiter von Rohöl, eine „Downstream“-Gesellschaft, wie man in der Branche sagt.

Sie verarbeitet, transportiert und vermarktet Rohölprodukte. Neben Beteiligungen an 15 Erdölraffinerien betreibt das Unternehmen gut 20.000 Tankstellen (in Deutschland Jet). Hervorgegangen ist es als Abspaltung des Ölförderers Conoco Phillips.

Anders als die Ölförderer, die unter Überkapazitäten leiden, sind die Verarbeiter nicht so hart vom Preisverfall betroffen. Derzeit besteht weltweit kein großer Überhang an Raffineriekapazitäten, so dass der Preisverfall am Rohölmarkt in der Regel nicht ungebremst ist.

Die Quartalszahlen von Phillips 66 werden am 29. Januar erwartet. Im dritten Quartal 2015 meldete der Konzern einen Gewinn von 1,58 Milliarden Dollar nach 1,02 Milliarden im Jahr zuvor. Dies, so Firmenchef Greg Garland, resultierte nicht zuletzt aus einer Kapazitätsauslastung der Raffinerien von 96 Prozent. Die Autofahrer tanken wieder voll und die Lieferanten kommen kaum noch nach.

Phillips 66 passt also doch in das konservative, eher risikoaverse Depot von Buffett. Seit dem Börsengang 2012 hat Phillips 66 die Dividende verdreifacht und bei anhaltend gutem Geschäft wäre eine weitere Erhöhung denkbar.

Zudem wurde gerade erst das Aktienrückkaufprogramm um zwei Milliarden Dollar aufgestockt. Und da das Unternehmen kein Erdöl fördert, fallen die enormen finanziellen Risiken von erfolglosen Bohrungen auch weg.

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