Warum Short Sales wichtig sind Das Geheimnis der Leerverkäufe

Die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise hat Leerverkäufe massiv in Verruf gebracht. Doch sollten solche Spekulationen auf sinkende Kurse verboten werden? Neue Studien belegen nun, dass Short Sales wichtig für das Funktionieren von Börsen sind.
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Short Sales sind in Verruf geraten. Auch Bundespräsident fordert ein Verbot bestimmter Leerverkäufe. Zu Recht? Quelle: dpa

Short Sales sind in Verruf geraten. Auch Bundespräsident fordert ein Verbot bestimmter Leerverkäufe. Zu Recht?

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LONDON. Stellen Sie sich vor, Sie leihen einem Bekannten für ein paar Wochen Ihre Lieblings-CDs. Ihr Freund aber will gar keine Musik hören, sondern verkauft ihre Scheiben bei Ebay. Bevor er sie ihnen wieder zurückgibt, besorgt er sich die Alben irgendwo anders. Falls inzwischen gebrauchte CDs billiger zu haben sind, hat er damit bares Geld verdient.

Eine ziemlich absurde Vorstellung, finden Sie? Für CDs mag das stimmen - an den Börsen gehören solche Transaktionen zum Tagesgeschäft. Zehntausendfach verkaufen Menschen Aktien, die ihnen nicht gehören, sondern die sie sich vorübergehend geliehen haben. "Leerverkäufe" heißen diese Geschäfte, oder auch "Short Sales" (aktuelle Leerverkäufe finden Sie in unserer Datenbank).

Ende 2007, schätzen Ökonomen, waren in den USA an mehr als 40 Prozent aller Aktiengeschäfte Leerverkäufer beteiligt. Sie spekulieren auf sinkende Kurse. Ähnliches gilt für Credit Default Swaps - Finanzinstrumente, mit denen Investoren auf die Insolvenz von Hausbesitzern oder Staaten wetten können.

Die anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise hat solche Spekulationen auf den Crash massiv in Verruf gebracht. Ist es nicht unmoralisch, am Elend anderer zu verdienen? Destabilisieren Leerverkäufer nicht die Börse, weil sie den Markt mit Verkaufsofferten überfluten können? Sind sie nicht auch für die Krise mitverantwortlich?

Leerverkäufe anno 1609

Im Herbst 2008 standen die Short Seller am Pranger, die gegen Banken wetteten, im Frühjahr 2010 die Hedge-Fonds, die mit Credit Default Swaps auf die Zahlungsunfähigkeit Griechenlands setzten.

Leerverkäufe und die Kritik an ihnen sind so alt wie die Börsen: Schon 1609 shorteten niederländische Geschäftsleute Aktien der Ostindien-Handelskompanie. Ein Jahr später führte die Amsterdamer Börse die ersten Beschränkungen für solche Geschäfte ein.

In Deutschland knüpfen Oppositionspolitiker jetzt ihre Zustimmung für die Griechenland-Hilfe an strengere Auflagen für Leerverkäufer. Selbst Bundespräsident Horst Köhler fordert ein Verbot bestimmter Leerverkäufe. Denn: "Die Bürger wollen vor unverantwortlichem Treiben auf den Finanzmärkten sicher sein."

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20 Kommentare zu "Warum Short Sales wichtig sind: Das Geheimnis der Leerverkäufe"

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  • wer sich wundert , warum sein erspartes weg ist:

    So funktionieren Leerverkäufe
    Bei Leerverkäufen veräußert ein Großanleger Aktien, die er gar nicht in seinem Depot liegen hat. Stattdessen leiht er sich die Papiere - meist mehrere 100000 Stück für einige Wochen - von einem anderen Großaktionär. In der Regel werden diese Geschäfte weltweit zwischen institutionellen Anlegern wie Banken und Versicherungen abgeschlossen.

    Der Verleiher erhält dann eine einmalige Leihgebühr, die je nach Angebot und Nachfrage zwischen 0,125 und 20 Prozent per anno des aktuellen Aktienkurses liegen kann. Der Vorteil des Verleihers: Er verdient zusätzlich Geld mit seinen Aktien, die sonst nur im Depot lägen. Sinkt der Aktienkurs, kann der Leiher die Papiere günstiger wiederbeschaffen und die Differenz abzüglich der Leihgebühr behalten. Steigt der Aktienkurs aber, macht er Verlust.
    _____________________


    es ist nicht weg, es haben nur andere.....

  • Witzig ist, dass hier mit dem Spread bei Aktien argumentiert wird, obwohl es an der börse nur einen Aktienkurs gibt. Vermutlich sind Aktienderivate gemeint. Aber die entziehen den basismärkten Liquidität.

    An der börse wird der Aktienkurs nach dem Marktmodell bestimmt. bei Derivaten durch Emittenten "gestellt".

  • Witzig ist, dass hier mit dem Spread bei Aktien argumentiert wird, obwohl es an der börse nur einen Aktienkurs gibt. Vermutlich sind Aktienderivate gemeint. Aber die entziehen den basismärkten Liquidität.

    An der börse wird der Aktienkurs nach dem Marktmodell bestimmt. bei Derivaten durch Emittenten "gestellt".

  • ich habe den Eindruck, dass viel zu viele Leute, die hier Kommentare schreiben, alles stark vereinfachen wollen. Der Artikel bringt, wenn auch etwas einseitig, gut nachvollziehbare Argumente für den generellen Leerverkauf.

    Es bringt einfach keinen weiter, wenn hier völlig ohne Argumente derart festgefahrene und radikale Meinungen geäußert werden. Es kann nun mal nicht jeder Wirtschaftsexperte sein. Aber wer keiner ist, der soll bitte nicht glauben, dass die Dinge in extrem komplexen Gebieten wie der Wirtschaft so einfach sind, wie das ihn manche allgemeinverständliche Zeitschriften glauben lassen.
    irgendwo hier habe ich z.b. gelesen, dass Leerverkäufe insiderhandel wären, weil man ja "heimlich" den Kurs damit beeinflusst. ich habe noch nie so traurig gelacht. Nach dieser Logik sind Käufe auch insiderhandel, weil man ja "heimlich" und manipulativ den Kurs stärkt. Also sollte man den freien Markt vielleicht ganz abschaffen, weil man nur durch insiderhandel handeln kann? Vielleicht lieber nicht. ich meine das nicht persönlich. Es geht mir einfach darum, dass man als Laie seine Meinung eher vorsichtig formulieren sollte. Natürlich kann man sie äußern, aber dann sollte man nicht so tun, als wäre alles andere Quatsch.
    Nochmal kurz zu den ungedeckten Leerverkäufen in Form von Derivaten: Man kauft oder verkauft etwas, was einem das Recht darauf gibt, etwas anderes zu kaufen oder zu verkaufen. Das ist etwas ganz natürliches, macht Sinn und ist längst nicht so unlogisch oder unrealistisch, wie viele sagen. Dass jedoch theoretisch mehr Recht auf etwas gekauft werden kann, als es davon tatsächlich gibt, ist natürlich gefährlich und unlogisch. Aber ich glaube, dass das eher ein ungewollter Fehler im System ist, der ausgebessert werden kann und NiCHT als Argument gegen Leerverkäufe oder Derivate im Allgemeinen zählen sollte. Nur meine Meinung.


  • @Martin
    Aktien sind beteiligungen an Unternehmen. Richtig. Aber wenn ich meine beteiligungen an Unternehmen verkaufen will oder muss weil ich das Geld anderweitig brauche und finde jemand der mir Geld dafür gibt ist das meine Entscheidung, auch wenn das ein investmentbanker ist. Wenn ich das nicht mehr darf, werde ich nie wieder beteiligungen an Unternehmen kaufen. Damit wäre keiner bedient.

  • ein verbot von leerverkäufen ist analog zu tobin-steuern zu sehen: weniger liquidität, weniger transaktionen u. u.U. verlagerung von transaktionen auf andere marktplätze....
    wie das die volatilität mindern soll kann wohl nicht einmal ein politiker erklären.

  • Aktien sind beteiligungen an Unternehmen. Der Handel mit Aktien darf nicht zum Selbstzweck verkommen. Der Aktienkäufer gibt das Geld, das Unternehmen erwirtschaftet den Mehrwert. beim Aktienhandel ansich entsteht kein Mehrwert, jedem Gewinner steht ein Verlierer gegenüber. Jeder investmentbanker, der den ganzen Tag nur Papiere hin- und herschiebt und selbst nicht produktiv arbeitet ist ein Feind der Realwirtschaft.

  • Leerverkäufe sind nichts anderes als insiderhandel. Man profitiert von den selbst ausgelösten Kursänderungen und weiß es nur selbst. Das ist kriminell. Außerdem: warum verleiht jemand Aktien, wenn er weiß, daß der Leiher ihren Wert nach unten treibt?

  • Wer argumentiert, dass Leerverkäufe verboten werden sollten, weil dies etwas künstlich schafft, "das gar nicht existiert" und damit "Spekulationsexzesse" fördert, der müsste auch gegen jede Form von Krediten (sei es für immobilien oder Wertpapiere) sein. Ein Kredit schafft nach dieser Logik auch etwas, das nicht existiert, ist aber für unsere Wirtschaft von existenzieller bedeutung.

    Platte Verbote haben selten die richtigen Anreize geschaffen und müssen daher immer mit besonderer Vorsicht genossen werden.

  • Ohne sie sänke die Liquidität der Märkte, Preise wären zufällig und Kosten höher. Sie finden nur statt, wenn Geschäfte gesichert werden oder der Markt es anbietet, also sind sie in dem bereich, der beklagt wird, nur Reaktoren. Sie verursachen nichts - das waren zuvor ganz andere. So dient das Gemecker nur der Ablenkung von eigenem Versagen oder ist bloßes ideologisches Gerede.

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