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Weltgrößter Staatsfonds Norwegischer Ölfonds macht erstmals seit 2011 Verlust – und investiert mehr in Aktien

Noch im vergangenen Jahr erzielte der weltgrößte Staatsfonds eine zweistellige Rendite. 2018 fällt die Bilanz negativ aus. Nun steuern die Manager um.
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Der norwegische Staatsfonds plant erhebliche Veränderungen seiner Investmentstrategie. Quelle: dpa
Ölplattform vor der Küste Norwegens

Der norwegische Staatsfonds plant erhebliche Veränderungen seiner Investmentstrategie.

(Foto: dpa)

StockholmDer größte Staatsfonds der Welt, der norwegische Ölfonds, hat im vergangenen Jahr erstmals seit 2011 einen Verlust verbucht. Der Wert der Investments in Aktien, Anleihen und Immobilien ging um 6,1 Prozent oder 485 Milliarden Kronen (49,6 Milliarden Euro) zurück. Insgesamt verwaltete der Staatsfonds Ende vergangenen Jahres 8.256 Milliarden Kronen.

„2018 war ein Jahr, das sowohl von Wachstumserwartungen als auch von der Besorgnis über die Auswirkungen der zunehmenden Handelsbarrieren geprägt war“, erklärte Yngve Slyngstad, Chef des Staatsfonds in Oslo.

Um den Verlust zu kompensieren, haben die Fondsverwalter im vergangenen Jahr damit begonnen, den Aktienanteil im Portfolio zu erhöhen. Sie investierten im vierten Quartal umgerechnet rund 19 Milliarden Euro in Dividendenpapiere und schraubten damit deren Anteil an den gesamten Investitionen auf 66,3 Prozent hoch. Ausländische Anleihen machten 30 Prozent aus, Immobilien standen für gut drei Prozent.

Die Fondsmanager haben in der Vergangenheit mehrfach sinkende Aktienkurse genutzt, um ihre Positionen aufzubauen. Im abgelaufenen Jahr verlor das Aktienportfolio 9,5 Prozent seines Wertes, während bei den Immobilien eine Rendite von 7,5 Prozent und bei Anleihen von 0,6 Prozent erzielt wurde.

Die Anlagekriterien des Fonds werden vom norwegischen Finanzministerium vorgegeben. Die Richtlinien erlauben es dem Fonds, bis zu 70 Prozent des Vermögens in Aktien zu investieren. Diesen Anteil will man möglichst bald ausschöpfen. 25 Prozent dürfen in Staatsanleihen angelegt werden, fünf Prozent in Immobilien.

Insgesamt gehören dem Ölfonds 1,4 Prozent sämtlicher auf der Welt ausgegebener Aktien. Die Top Ten der gewichtigsten Aktieninvestments lesen sich wie das „Who’s who“ der Weltwirtschaft: Als größte Beteiligung steht der US-Konzern Microsoft oben in der Anlageliste, gefolgt von Apple und der Google-Muttergesellschaft Alphabet. Auch Nestlé und BP gehören zu den größten Investitionen.

Die Fondsmanager bilden den Index FTSE Global All Cap nach und versuchen, ihn durch gezielte Investments zu schlagen. Bei den Staatsbonds sind die aus den USA, Japan und Deutschland am stärksten vertreten. In den vergangenen Jahren hat der Fonds verstärkt auch in Schwellenländern investiert.

Der Fonds wurde eingerichtet, um den Wohlfahrtsstaat auch nach dem Versiegen der Öl- und Gasquellen noch finanzieren zu können. Der Ölfonds dient aber nicht nur der sozialen Vorsorge, sondern er soll auch den Staatshaushalt in der Balance halten.

Bislang wurden reale Erträge von vier Prozent im Haushalt eingeplant. Einnahmen, die darüber hinausgehen, werden akkumuliert. Die norwegische Regierung hat allerdings in den vergangenen Jahren mehr Mittel aus dem Fonds abgezogen, um den gesunkenen Ölpreis kompensieren zu können.

Portfolio ist breit gestreut

Für private Anleger kann der Ölfonds als Orientierungshilfe dienen. Denn seit seiner Gründung 1996 beträgt die durchschnittliche Rendite rund sechs Prozent. Damit trotzten die Fondsmanager allen politischen und wirtschaftlichen Krisen in den vergangenen Jahrzehnten. Diversifizierung und Langfristigkeit sind wichtige Elemente ihrer Erfolgsformel.

Wegen der langen Euro- und Schuldenkrise haben die Fondsmanager aus Oslo den Anteil an europäischen Aktien kontinuierlich verringert. Und diese Entwicklung ist nach Worten von Fondschef Slyngstad noch nicht abgeschlossen. Ziel sei es, den europäischen Anteil von knapp 50 Prozent auf etwa 40 Prozent zu senken.

Insgesamt ist der Fonds an 9.158 Unternehmen in 73 Ländern beteiligt. In Deutschland hält der Fonds noch Anteile an 195 deutschen Unternehmen im Wert von 27 Milliarden Euro und ist mit einem Gesamtanteil von rund vier Prozent trotz rückläufiger Investitionen immer noch der größte Investor in Dax-Unternehmen.

Wie breit sich die Norweger aufgestellt haben, zeigt ihre Beteiligung an Borussia Dortmund. An dem Fußballklub halten sie gut ein Prozent. Zudem haben die Fondsmanager aus Oslo die sogenannten „Frontier Markets“, Länder wie Kuwait, Oman, Tunesien, Slowakei, Pakistan oder Vietnam, im Visier. Aktien in Norwegen dürfen er und seine Verwalter nicht kaufen. Zu groß sei das Risiko einer Überhitzung der einheimischen Wirtschaft, würde der riesige Fonds in der vergleichsweise kleinen Volkswirtschaft investieren.

Kritik an der Anlagestrategie des Ölfonds gibt es immer wieder. Zuletzt fanden die Umweltschutzorganisationen Greenpeace, Framtiden i våre hender (Zukunft in unseren Händen) aus Norwegen und die deutsche NGO Urgewald heraus, dass der Fonds weiterhin in Unternehmen der Kohleindustrie investiert. Ursprünglich hatte Fonds-Chef Slyngstad selbst vorgeschlagen, sich aus Investitionen in die Öl-, Gas- und Kohleindustrie zurückzuziehen.

Nach dem am Mittwoch von den drei Umweltschutzorganisationen veröffentlichten Bericht ist der Fonds aber weiterhin an 32 Unternehmen der Kohleindustrie beteiligt. Dazu zählen auch deutsche Konzerne wie RWE und Uniper. „2015 war Norwegens Ölfonds noch ein Klima-Vorbild, jetzt sind sie ein Nachzügler“, kritisierten die Umweltschutzorganisationen.

Mehr: Nicht alle Großanleger teilen die Ansicht der Fondsmanager aus Norwegen. Sie verfolgen die genau umgekehrte Strategie: Großanleger trennen sich von Aktien.

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