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Zahlungsdienstleister Das müssen Anleger nach dem Kurseinbruch über Wirecard wissen

Die Aktie des Zahlungsdienstleisters Wirecard erlebte in der vergangenen Woche einen beispiellosen Kurseinbruch. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen für Anleger.
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Für Wirecard bleibt es in den nächsten Tagen erst einmal turbulent. Quelle: Reuters
Wirecard-Schriftzug auf der Messe Gamescom

Für Wirecard bleibt es in den nächsten Tagen erst einmal turbulent.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Kursverlust ist gigantisch: Bei Wirecard wurde vergangene Woche in nur drei Handelstagen ein Börsenwert von 7,2 Milliarden Euro vernichtet. Allein am Freitag addierten sich die Verluste bis Handelsschluss auf 4,3 Milliarden Euro. Nach einem zweiten, erneut kritischen Bericht der „Financial Times“ über den Verdacht krimineller Machenschaften bei Wirecard brach das Papier zeitweise um über 30 Prozent ein.

Die britische Wirtschaftszeitung berichtete von einem internen Bericht der Singapurer Kanzlei Rajah & Tann, in dem von einem Verdacht auf gefälschte Buchführung, Betrug, Korruption und Geldwäsche die Rede sei. Davon habe das Management, das die Untersuchung in Auftrag gegeben habe, bereits am 8. Mai 2018 in einer Präsentation erfahren. Wirecard selbst hat den Bericht der „Financial Times“ wie schon Mitte vergangene Woche auch nach den zusätzlichen Informationen erneut dementiert.

Die wichtigsten Fragen, die Anleger zum Start der Woche um Wirecard beachten müssen:

Was bringt der Montag?

Kurzfristig hat der Zahlungsdienstleister für 13 Uhr zu einer Telefonkonferenz mit dem Management geladen. Erstmals wollen sich Vorstandschef und Anteilseigner Markus Braun und Finanzvorstand Alexander von Knoop in der Öffentlichkeit zu den Vorwürfen äußern. Vom Verlauf der Telefonkonferenz und von Fakten, die die Vorwürfe der „Financial Times“ entkräften, dürfte es abhängen, wie sich die Aktie zum Wochenbeginn entwickelt und es danach weitergeht.

Was erwarten die Analysten?

Bei den Analysten steigt die Nervosität. Noch ist eine deutliche Mehrheit vom Unternehmen überzeugt. Wegen der insgesamt unklaren Situation sind mögliche Auswirkungen der Anschuldigungen auf die Gewinne nicht in die Bewertungen des Konzerns geflossen.

Mehrheitlich basieren die Experten ihre Einschätzungen auf den leicht über Plan liegenden Umsatz und den Gewinn für das abgelaufene Jahr, die vergangene Woche mitgeteilt wurden. Laut Finanzdatenanbieter Bloomberg raten 26 Analysten zum Kauf, vier zum Halten der Aktie und nur drei zum Verkauf. Dazu gehört Markus Friebel von Independent Research, der die Aktie jedoch nicht wegen der Anschuldigungen kritisch sieht, sondern wegen der hohen Bewertung.

Grafik

Wie bewerten technische Analysten die Lage bei Wirecard?

Sämtliche technische Linien wurden zuletzt gerissen. Die Aktie fiel unter die 20-, die 38-, die 50-, die 100- und die 200-Tage-Linie. Dazu markierte sie Ende vergangener Woche ein Sechsmonatstief. Die Trendfolge, auf die Anhänger dieser Bewertungsmethode setzen, zeigt somit eindeutig nach unten.

Danach sind weitere Kursverluste zu befürchten. Vor den Meldungen um Wirecard ab vergangenem Mittwoch zeigten die Indikatoren noch großteils nach oben. Die technische Analyse sollte deshalb in ihrer Aussagekraft im Moment nicht überschätzt werden.

Wer sind die größten Investoren in Wirecard?

Das größte Paket mit einem Anteil von 7,05 Prozent hält seit Langem Vorstandschef und Gründer Markus Braun über die MB Beteiligungsgesellschaft mbH. Auf Platz zwei steht der US-Investmentriese Blackrock mit 6,72 Prozent, gefolgt von der britischen Jupiter Fund Management mit exakt fünf Prozent und den Amerikanern von Artisan Partners Management mit 4,99 Prozent und der Citigroup mit 4,94 Prozent. Der Rest der Aktien wird größtenteils frei an der Börse gehandelt.

Welche Hedgefonds wetten derzeit gegen Wirecard?

Der einzig bekannte Name ist aktuell der britische Hedgefonds Odey Asset Management. Im Bundesanzeiger findet sich mit Stichtag vergangenen Donnerstag eine Netto-Leerverkaufsposition von 0,56 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals. Daten des Informationsdienstes Bloomberg zufolge hat Odey mit einer Position von 131,8 Millionen Dollar auf fallende Kurse bei Wirecard gewettet.

Durch den jüngsten Kurssturz hat der Hedgefonds so einen Buchgewinn von rund 18 Millionen Dollar erzielt. In den Wochen zuvor hatte Odey bereits Millionengewinne mit Wetten gegen die britische Metro Bank und Intu Properties gemacht. Ebenfalls wettete er zuletzt gegen das britische Pfund.

Weitere Hedgefonds, die gegen Wirecard spekulieren, sind offiziell nicht bekannt. Nach Informationen des Handelsblatts gibt es sie aber. Sie müssen jedoch erst ab einem Anteil von einem halben Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals ihre Position melden und bleiben deshalb unter dieser Marke.

Wie können spekulative Privatanleger von den starken Kursbewegungen profitieren?

Bei heftigen Kursausschlägen wie bei Wirecard ergeben sich für Anleger außergewöhnliche Chancen, denen Risiken bis hin zum Totalverlust gegenüberstehen. Nur geübte Kapitalanleger sollten hier mitmischen. Wer es spekulativer als mit der Aktie selbst haben will, kann Optionsscheine erwerben.

Bei Wirecard bieten sie Institute wie Commerzbank, Goldman Sachs oder DZ Bank und Unicredit an. Dabei muss sich der Anleger zunächst entscheiden, ob er auf steigende (Call-Optionsscheine) Aktienkurse oder auf fallende (Put-Optionsscheine) setzen will. Er legt für sich den Basiswert fest, über den er über einen gewissen Zeitraum auf die erwartete Kursbewegung in der Aktie spekuliert. Der Anleger erwirbt das Recht, den Basiswert zu einem festgelegten Preis in Zukunft kaufen oder verkaufen zu können.

Geht die Spekulation auf, zahlt ihm die Bank am Ende den Gewinn aus. Über die Hebelwirkung, die ein solches Produkt je nach Ausgestaltung und Vorlieben der Anleger beinhaltet, kann der Gewinn um ein Mehrfaches höher ausfallen als der reine Kursanstieg der Aktie. Umgekehrt droht im Extremfall der Totalverlust, wenn sich der Aktienkurs anders entwickelt als gewettet. Natürlich fallen für Optionsscheine auch Gebühren bei den Banken an.

Muss Wirecard angesichts der Turbulenzen bald die Prognose senken?

Kein Außenstehender kann derzeit beurteilen, was an den Vorwürfen dran ist. Das trauen sich selbst die Analysten, die Experten am Kapitalmarkt nicht zu. Deswegen gleichen alle Vorhersagen einer wilden Spekulation.

Falls die Vorwürfe nicht alsbald entkräftet werden, steigt jedoch eine Gefahr: Kunden von Wirecard könnten angesichts der unklaren Lage abspringen. Das würde sich am Ende in den Gewinnen widerspiegeln und den Kurs unter Druck setzen. Für das Management ist es deswegen dringend geboten, allen Anschuldigungen den Boden zu entziehen.

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