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ZEB-Studie Gewinnverfall – Vermögensverwalter geraten unter Zugzwang

Die europäischen Vermögensverwalter stehen vor einem Konzentrationsprozess, zugleich müssen sie ihre Kosten massiv senken, um profitabel zu bleiben.
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Die Deutsche-Bank-Tochter zählt zum Kerngeschäft des Geldhauses. Quelle: Reuters
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Die Deutsche-Bank-Tochter zählt zum Kerngeschäft des Geldhauses.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDie europäischen Vermögensverwalter stehen vor einem harten Konzentrationsprozess. „Die Konsolidierung in der Branche schreitet voran, es gibt einen Trend zu größeren Einheiten. Dieser Prozess beschleunigt sich in den kommenden Jahren massiv“, sagt Carsten Wittrock, Partner bei der Unternehmensberatung ZEB.

Die Asset-Manager müssten massiv an der Kostenschraube drehen, um profitabel wachsen zu können. Konzerne, deren verwaltete Vermögen zwischen 300 Milliarden und einer Billion Dollar liegen, gerieten besonders unter Zugzwang. Sie wiesen häufig eine breite Angebotspalette auf, gleichzeitig seien sie aber nicht groß genug, um ausreichende Skaleneffekte zu realisieren. Skalierbarkeit bedeutet in diesem Kontext vor allem standardisierte Abläufe in Vertrieb, Produktion und Verwaltung, die – auch über digitale neue Werkzeuge und Methoden – Kosteneinsparungen erst ermöglichen.

Mittelfeld unter Druck

Laut einer Studie von ZEB unter 46 Asset-Managern mit einem verwalteten Vermögen von fast 30 Billionen Euro werden vor allem die mittelgroßen Häuser in schweres Fahrwasser kommen. „Kleine, spezialisierte Asset-Manager gehören zu den erfolgreichsten Spielern im Markt, mittelgroße Anbieter haben es vergleichsweise schwer und verdienen relativ wenig, ihr Netto-Mittelzufluss liegt unter dem Durchschnitt der Branche“, erläutert Wittrock.

Die Marktmacht der ganz großen Gesellschaften mit mehr als einer Billion Dollar nehme sowieso kontinuierlich zu, schon wegen der Mittelzuflüsse in passive Produkte wie Indexfonds, die von allen großen Gesellschaften angeboten würden. Zu den führenden Anbietern gehören Blackrock und State Street – deutsche Adressen sucht man vergebens in der Topliga. Nur zehn Vermögensverwalter teilen sich weltweit ein Drittel der Assets.

Die meisten heimischen Player sind ausgerechnet im mittleren Segment zu finden, das die größten Probleme bekommen dürfte. Dazu zählen DWS, Allianz Global Investors und Union Investment. Eine Zukunftsstrategie können hier Zusammenschlüsse sein. Zuletzt gab es beispielsweise Spekulationen, die Deutsche-Bank-Tochter DWS könne von Amundi übernommen werden, davor kursierten Meldungen, die schweizerische UBS und die Deutsche Bank könnten ihre Vermögensverwalter zusammenlegen.

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Deutsche-Bank-Konzernchef Christian Sewing sagte am Mittwoch, die Tochter DWS solle auch strategische Optionen nutzen, selbst im Falle einer Fusion gehöre sie aber weiter zum Kerngeschäft des Geldhauses. Laut ZEB-Studie profitiert die Branche zwar von einigen globalen Megatrends. Dazu zählten die wachsende Mittelschicht in den Schwellenländern, die Niedrigzinsen auf Bankeinlagen und der hohe Bedarf an Altersvorsorge.

Gewinnmarge schrumpft

Trotz dieser Megatrends wird das Umfeld jedoch rauer. So sagt auch die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) für die Branche schwere Zeiten voraus. Die Gewinne könnten in den kommenden vier Jahren in einem Negativszenario mit einer Korrektur an den Märkten um fast 30 Prozent sinken, heißt es in einer Studie. Die Gesellschaften sollten unrentable Fonds schließen, an Übernahmen denken und in die Datenaufbereitung investieren.

Die schlechteste Option sei das Aussitzen der Probleme, heißt es in der BCG-Analyse. „Die meisten Fondsgesellschaften und Vermögensverwalter haben seit der Finanzkrise 2008 nicht ernsthaft versucht, die Kostenblöcke deutlich zu reduzieren. Diese Schwäche wurde durch steigende verwaltete Vermögen überdeckt“, sagt ZEB-Partner Wittrock.

Aber wenn die Kurse fielen und die Vermögen schrumpften – wie im vierten Quartal 2018 –, dann würden die Versäumnisse sichtbar. Die Kosten-Ertrags-Relation stagniert in der Branche seit Jahren, 2017 mussten im Schnitt 67 Cent aufgewendet werden, um einen Euro zu verdienen. Die Digitalisierung könnte hier helfen, das Einsparpotenzial reicht laut Experten bis zu 15 Prozent der Kosten.

Eine besondere Herausforderung stellt der Aufstieg der passiven Indexprodukte dar – der sogenannten Exchange Traded Funds (ETF). Das Segment wächst stürmisch, in der Regel sind Indexfonds preiswerter für die Kunden als aktiv gemanagte Fonds. „Die Gebühren werden weiter sinken, die Kunden können sich freuen. Das hängt natürlich auch mit dem Vormarsch der passiven Produkte in Verbindung mit der zunehmenden Transparenz über Gebühren und Kosten zusammen“, erklärt Wittrock.

Mehr zu dem Thema: Kühne Fondsmanager streichen oft höhere Erträge ein als Konkurrenten, die eher breit streuen. Doch hält ihr Vorsprung nicht immer lange.

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