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Abgeltungsteuer Papiere mit Puffer

Wer jetzt investiert, kann die Abgeltungsteuer noch vermeiden. Welche Zertifikate für Steuersparer geeignet sind.
  • Daniel Schönwitz
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Zertifikateanleger können sich noch für die Abgeltungsteuer rüsten. Foto: Archiv

Zertifikateanleger können sich noch für die Abgeltungsteuer rüsten. Foto: Archiv

In gut neun Monaten beginnt für Anleger eine neue Ära. Ab dem 1. Januar 2009 gilt für Kapitalerträge statt des persönlichen Steuersatzes von bis zu 45 Prozent ein Pauschalsatz von 25 Prozent. Klingt zunächst nicht schlecht, aber ein Pfeiler der Abgeltungsteuer birgt für Millionen Sparer Sprengstoff: Künftig sind Spekulationsgewinne auch nach Ablauf der Spekulationsfrist steuerpflichtig – das Steuerprivileg für geduldige Anleger, die Kursgewinne bisher nach einem Jahr ohne Abzug einstreichen konnten, gehört also bald der Vergangenheit an.

Besonders streng sind die Regeln für Zertifikate. Anders als bei Aktien oder Fonds können Anleger die Steuerfreiheit nicht einfach bis weit in die Zukunft retten, indem sie bis zum Stichtag am 31. Dezember investieren: Wer jetzt ein Zertifikat kauft, muss spätestens am 30. Juni 2009 aussteigen, um abgabenfrei davonzukommen. Danach sind alle Erträge steuerpflichtig, egal, ob die Spekulationsfrist abgelaufen ist oder nicht. Davon ausgenommen sind lediglich Zertifikate, die schon vor dem 15. März 2007 im Depot lagen.

Die gegenüber Aktien drastisch verkürzte Übergangsfrist haben die Koalitionäre kurz vor der Verabschiedung noch ins Gesetz geschrieben. Sie fürchteten, dass gewiefte Banker massenhaft Papiere basteln könnten, die Anlegern bei niedrigem Risiko steuerfreie Gewinne bescheren. Wer dem Fiskus trotz der erschwerten Bedingungen ein Schnippchen schlagen will, muss in den nächsten Wochen handeln. Das Zeitfenster schließt sich in einem Vierteljahr. Wenn die einjährige Spekulationsfrist im Juni 2009 noch läuft, wird aus der angepeilten Abgabenfreiheit nichts.

Besonders geeignet für Steuerstrategen sind angesichts schwächelnder Börsen derzeit Discountzertifikate. Denn mit diesen Papieren sind auch dann Gewinne drin, wenn die Aktienmärkte ins Taumeln geraten. Und wer weiß schon, wo die Börse im Frühsommer 2009 steht? Die schönste Steuerersparnis bringt nichts, wenn Anleger auf Verlusten sitzen bleiben.

Der entscheidende Vorteil der Discountpapiere ist ihr Sicherheitspuffer: Anleger kaufen sie mit einem Rabatt zum Kurs des Basiswerts (Aktie oder Index), haben also Luft nach unten. Und anders als bei Bonuszertifikaten bleibt die Pufferfunktion auf jeden Fall bis zum Laufzeitende erhalten. Die Puffer gibt es derzeit in fast jeder gewünschten Höhe, die Banken haben in den vergangenen Monaten Tausende Discounter mit Laufzeiten bis Juni 2009 auf den Markt geworfen. Allein auf den Dax gibt’s 727 Papiere, auf die Aktie des Energieriesen Eon immerhin 203.

Während die Eon-Aktie um die Marke von 120 Euro pendelt, kostet ein dazugehöriges Discountzertifikat von BNP Paribas rund 80 Euro – ein Rabatt von fast 34 Prozent (siehe Tabelle "Letzte Chance"). So weit kann der Aktienkurs also fallen, ohne dass der Käufer des Zertifikats ins Minus rutscht. Der Clou ist die Gewinnschwelle (Cap) von 88 Euro. Solange der Wert der Aktie nicht darunter fällt, bekommen Anleger am 19. Juni 2009 auf jeden Fall 88 Euro zurück, das entspricht einer jährlichen Rendite von mehr als acht Prozent – steuerfrei. Mehr gibt’s aber auf keinen Fall, auch wenn sich die Eon-Aktie als Kursrakete entpuppt.

Viele Discountpapiere stellen derzeit trotz hoher Rabatte sogar zweistellige Renditen in Aussicht, etwa ein Thyssen-Krupp-Zertifikat der Dresdner Bank (siehe Tabelle). Der Grund: Die im Zuge der Finanzkrise deutlich gestiegenen Schwankungen an den Aktienmärkten haben Discounts billiger gemacht. Denn mit dem Kauf der Papiere verkaufen Anleger automatisch eine Option, und Optionspreise steigen bei hoher Volatilität. Das ermöglicht derzeit einen günstigeren Einstieg.

Eines sollten Steuerstrategen bei solch blendenden Aussichten aber nicht übersehen: Wenn die Laufzeit eines Zertifikats nächstes Jahr endet, können sie das Geld nicht mehr abgeltungsteuerfrei investieren. Aus steuerlicher Sicht seien Zertifikate deshalb derzeit "eine Beimischung, aber kein Basisinvestment", sagt Steuerberater Jochen Busch von der Kanzlei RP Richter & Partner in München. Mit Aktien oder Fonds lasse sich die Abgeltungsteuer schließlich in diesem Jahr noch für immer vermeiden. "Was langfristig entbehrlich ist, sollte in solche Anlageformen fließen", so Busch. Discountinvestments sind also vor allem empfehlenswert mit Erspartem, das bald wieder gebraucht wird.

Wer lieber auf Garantien als auf einen Puffer baut, kann sich angesichts der nahenden Abgeltungsteuer ebenfalls Steuervorteile sichern. Zwar sind mit Garantiezertifikaten keine steuerfreien Erträge möglich, weil sie als "Finanzinnovation" gelten und Gewinne deshalb auch nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist zu versteuern sind. Bis Ende des Jahres greift dabei aber noch der persönliche Steuersatz von bis zu 45 Prozent – vom 1. Januar an dagegen die Abgeltungsteuer von 25 Prozent. "Wenn Gutverdiener jetzt Garantiezertifikate kaufen, sollten sie deshalb darauf achten, dass die Laufzeit frühestens 2009 endet", empfiehlt Steuerberater Busch.

Ganz Clevere können die Steuerlast sogar noch weiter senken – dank eines bisher kaum beachteten Details: Ungenutzte Spekulationsverluste aus der Zeit vor der Abgeltungsteuer-Ära dürfen von 2009 an auch von Gewinnen mit Garantiezertifikaten abgezogen werden. Da deren Ertrag bei Ablauf oder Verkauf neben einer Zinskomponente oft aus einem Kursanstieg besteht, erhöhen Anleger mit diesen Papieren ihre Chancen, "nach 2008 Kursgewinne einzufahren und offene Verluste verrechnen zu können", sagt Busch.

Derzeit müssen Anleger mit Spekulationsverlusten oft abwarten, bis sie bei einem Aktienverkauf wieder Gewinn machen, um das Minus steuerlich geltend machen zu können. Zunächst hatte Finanzminister Peer Steinbrück geplant, in der Abgeltungsteuer-Ära auch die Verrechnung von Spekulationsverlusten mit Zinsen und Dividenden zu erlauben – eine schöne Idee zur Vereinfachung, die leider auf den letzten Metern aus Angst vor Einnahmeausfällen verworfen wurde.

Ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs könnte die Nachfrage nach bestimmten Garantiezertifikaten in den nächsten Monaten anheizen. Die Richter haben entschieden, dass Teilgarantien nicht automatisch dazu führen, dass die Papiere als steuerpflichtige Finanzinnovationen einzustufen sind. Wenn bei einem Papier zehn Prozent des Einstiegspreises garantiert und 90 Prozent im Risiko sind, müssten nach Ablauf der Spekulationsfrist nur zehn Prozent des Gewinns versteuert werden. Allerdings fürchten Experten, dass das Finanzministerium den positiven Richterspruch per Nichtanwendungserlass aushebelt (siehe "Angst vor dem Erlass"). Dass der Fiskus so rigide durchgreift, ist keine Seltenheit.

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