Anlagestrategie Flucht in Sicherheit

Die Krim-Krise überschattet das Börsengeschehen. Manche Anleger haben Gewinne mitgenommen. Investoren sollten jetzt ihr Portfolio genau unter die Lupe nehmen und im Zweifelsfall defensive Werte bevorzugen.
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Quelle: dpa
(Foto: dpa)

UnkelPutin schafft Fakten. Auf der Krim haben seine Truppen schon vor Tagen die Kontrolle über die strategisch wichtigen Gebäude, Straßen und Versorgungseinrichtungen übernommen, die ukrainischen Kasernen werden belagert und der Hafen in Sewastopol blockiert. Die ukrainische Flotte soll an Russland übergeben werden – und der Rest der Krim gleich mit. Am Sonntag findet das umstrittene Referendum statt, in dem voraussichtlich beschlossen werden wird, dass die Krim offiziell russisch wird. Daran hegen Experten kaum einen Zweifel. Der Rest der Welt wird es vermutlich hinnehmen müssen.

„Es geht eigentlich nur darum, wie sich die Europäische Union und die USA aus der Affäre ziehen, ohne zu sehr an Glaubwürdigkeit zu verlieren“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Es geht allerdings nicht nur um Gesichtswahrung. Der Konflikt um die Krim ist ein politisches Beben, dessen Erschütterungen auch an den Finanzmärkten deutlich zu spüren sind. Die Stimmung unter den verunsicherten Investoren ist gedämpft. Aus Sorge um eine weitere Eskalation der russisch-ukrainischen Auseinandersetzungen haben Anleger in den vergangenen Tagen Gewinne mitgenommen. Der Dax notiert derzeit bei etwas unter 9.050 Punkten. Vor zweieinhalb Wochen stand der deutsche Leitindex noch bei über 9.700 Punkten. Folgt nun eine Baisse?

Defensive Werte mit Offensivpotenzial

UNILEVER N.V. CERT.V.AAND. EO-,16

WKN
ISIN
NL0000009355
Börse
FSE

+0,76 +1,61%
+47,55€
Chart von UNILEVER N.V. CERT.V.AAND. EO-,16
Unilever
1 von 8

Unilever

Die Deutschen geben ihr Geld vor allem für Essen und Trinken aus. Davon profitiert unter den Konsumwerten insbesondere die Nahrungsmittelindustrie, der Klassiker unter den defensiven Branchen. Denn gegessen und getrunken wird immer – auch dann, wenn an der Börse einmal keine fetten Kursgewinne zu erzielen sind. Deshalb waren Aktien von Nahrungsmittelherstellern gerade in mageren Börsenzeiten bislang immer begehrt. Zu den ganz großen unter den Aktienwerten rund ums Essen und Trinken gehören unter anderem die Papiere von Unilever.

DANONE S.A. ACTIONS PORT. EO-,25

WKN
ISIN
FR0000120644
Börse
FSE

+0,72 +1,13%
+64,64€
Chart von DANONE S.A. ACTIONS PORT. EO-,25
Danone
2 von 8

Danone

Der zweite große Lebensmittelkonzern heißt Danone. Der Fokus des in Paris ansässigen Unternehmen liegt auf Michprodukte, Getränke und Gebäck. Außerdem vertreibt Danone abgefülltes Trinkwasser, Babynahrung und medizinische Nahrungsprodukte. Mit einer Marktkapitalisierung von über 31 Milliarden Euro gehört Danone zu den größten Konzernen Europas. Zuletzt lief die Aktie allerdings nicht so gut, wie gewohnt. Im laufenden Jahr gaben die Papiere über fünf Prozent nach. Es bleibt also viel Luft nach oben.

HEINEKEN N.V. AANDELEN AAN TOONDER EO 1,60

WKN
ISIN
NL0000009165
Börse
FSE

+0,42 +0,49%
+86,46€
Chart von HEINEKEN N.V. AANDELEN AAN TOONDER EO 1,60
Heineken
3 von 8

Heineken

Der dritte große Konzern, der sich auf Lebensmittel spezialisiert ist Heineken. Die Aktienkurse dieser drei Nahrungsmittel-Riesen haben sich in den vergangenen zwölf Monaten unterdurchschnittlich entwickelt. Doch dieser Trend könnte nun drehen, wenn die Portfoliomanager ihre Depots auf Defensiv umschichten.

STXE 600 FOOD & BEVERAGE INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658749
Börse
DJSTOXX

+7,94 +1,24%
0,00€
Chart von STXE 600 FOOD & BEVERAGE INDEX (PRICE) (EUR)
Stoxx Europe 600 Food & Beverage Index
4 von 8

Stoxx Europe 600 Food & Beverage Index

Anleger, die auf einen Turnaround Nahrungsmittel-Aktien hoffen, können neben der Investition in Einzelwerte auch auf Indexzertifikate setzen, die die Wertentwicklung von Konsumaktien-Indizes abbilden. Ein Beispiel dafür ist ein Zertifikat von HSBC Trinkaus auf den Stoxx Europe 600 Food & Beverage Index (WKN: TB0MTL), der aktuell 29 Aktienwerte umfasst. Ein ähnliches Zertifikat…

ESTX FOOD & BEVERAGE INDEX (PRICE) (EUR)

WKN
ISIN
EU0009658368
Börse
DJSTOXX

+7,37 +1,27%
0,00€
Chart von ESTX FOOD & BEVERAGE INDEX (PRICE) (EUR)
Euro Stoxx Food & Beverage Index
5 von 8

Euro Stoxx Food & Beverage Index

…kommt von der HypoVereinsbank onemarkets (WKN HV16ET) auf den Euro Stoxx Food & Beverage Index, der 16 europäische Werte umfasst. Die drei größten Werte sind die C&C Group, Danone und Unilever.

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
Xetra

+0,15 +1,16%
0,00€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
6 von 8

Deutsche Telekom

Die Deutsche Telekom erfreut ihre Anleger regelmäßig mit hohen Dividenden. Für Anleger sind deshalb nicht nur die Aktien, sondern vor allem Discountzertifikate auf Telekom-Werte interessant. Denn die für die Zukunft erwarteten Dividenden der Aktien werden in den Zertifikaten vorab als Rabatt an die Anleger weitergegeben. Dafür werden mögliche Kursgewinne mit einem sogenannten Cap begrenzt.

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
Xetra

+3,30 +1,87%
0,00€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Münchener Rück
7 von 8

Münchener Rück

Ein defensiver Wert aus dem Bereich Versicherungen, der ebenfalls mit hoher Dividendenrendite lockt, ist die Münchener Rück. Alternativ zu Discountzertifikaten bieten sich auf diesen Basiswert auch Aktienanleihen an, die dasselbe Chancen-/Risikoprofil aufweisen wie Discountzertifikate.

„Es heißt zwar, dass politische Börsen kurze Beine haben, doch in diesem Fall ist die Krim-Krise nicht die Ursache für die Kurskorrektur an den Aktienmärkten, sondern nur der Anlass für viele Anleger, die eigene Strategie zu überdenken, bereits erzielte Buchgewinne in bare Münze umzuwandeln und kurz innezuhalten“, meint Robert Halver. „Denn es gibt mehrere Unsicherheits-Faktoren, die von den Marktteilnehmern lange Zeit ausgeblendet wurden. Angesichts der dramatischen politischen Entwicklung in der Ukraine könnten verdrängte Ängste wieder geweckt werden“, so Halver. Dazu zähle die Angst, dass Chinas Immobilien-Kreditblase platzen und das Wirtschaftswachstum nicht nur in Asien, sondern weltweit gefährden könnte. Auch die Probleme in der Euro-Zone seien nicht gelöst, sondern nur mithilfe billigen Geldes von der Europäischen Zentralbank vertagt worden.

In den USA sei der Geldhahn ebenfalls weiterhin bis zum Anschlag geöffnet. Das Land sei nach wie vor hoffnungslos hoch verschuldet. Für Deutschland im Besonderen gelte: „Unsere Wirtschaft ist mindestens energieseitig eng mit der russischen verzahnt, dass es nicht im Interesse Deutschlands wäre, sich wegen der Geschehnisse auf der Krim ernsthaft mit Putin anzulegen“, so Halver. Je nachdem, ob der Krim-Konflikt sich ausdehnt oder nach und nach in diplomatischem Geplänkel ausklingt, hat dies die entsprechenden Folgen für verschiedene Branchen. So hat sich zuletzt zum ersten Mal seit Langem der MDax nicht mehr besser als der Dax entwickelt.

„Das liegt an den vielen zyklischen Exportwerten aus Branchen wie Maschinenbau, Automobil, Elektro und Chemie, für die Russland ein bedeutender Absatzmarkt ist. Aktien von Unternehmen aus diesen Branchen werden erneut steigen, wenn zwischen Russland und dem Westen wieder Tauwetter einsetzt“, erwartet Halver. Von einer heißen Spekulation auf die politische Entwicklung im Osten rät der Börsenexperte jedoch ab.

„Angesichts der Gesamtsituation ist es vermutlich kein Fehler, jetzt erst einmal auf defensive Branchen zu setzen“, so Halver. Dazu zählen Branchen wie Konsum, Telekom, Versicherungen und Pharma.

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