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Anlagestrategien mit Zertifikaten Sell in May?

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Monatsvergleich: Mittlere Performance des Dax in den einzelnen Kalendermonaten. Quelle: Landesbank Berlin.

Monatsvergleich: Mittlere Performance des Dax in den einzelnen Kalendermonaten. Quelle: Landesbank Berlin.

Seit einigen Jahren bieten verschiedene Emittenten so genannte Saison-Zertifikate an, die dem Renditeschwund von Juli bis September entgegenwirken sollen. Um es vorwegzunehmen: DieseWertpapiergattung hat sich bislang überhaupt nicht bewährt, obwohl sich die Konstruktionen der Zertifikate streng an die statistischen Vorgaben halten: Bei diesen speziellen Wertpapieren ruht nämlich das Investment über mehrere Sommermonate hinweg. Das soll den Vorteil haben, dass die zu erwartenden schwachen Börsenzeiten ausgespart werden und bei einer Haltedauer von mehr als zwölf Monaten Gewinne beim Verkauf steuerfrei bleiben.

Saison-Zertifikate gibt es derzeit in drei Varianten: als Bonus-, Index- und Alpha- Zertifikat. Dazu zählen beispielsweise das Indexzertifikat und die drei Bonuspapiere von der Hypo-Vereinsbank, die sich auf den eigens dafür entwickelten HVB Europa Saison Index beziehen. Der Index vollzieht von Oktober bis Juli die Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 nach und lässt die Monate August und September aus.

Das defensivste der drei Bonus-Zertifikate (WKN: HV0EEG) bietet derzeit einen Risikoschutz von etwa 53,33 Prozent und eine Bonusrendite vonweniger als zwei Prozent per annum - bei einer Restlaufzeit von knapp vier Jahren. Mit anderen Worten: Verliert der HVB Europa Saison Index bis zum 4.5.2011 nicht mehr als 53,33 Prozent an Wert, dann wird zumindest die Bonuszahlung fällig. Kurssteigerungen des Basiswertes über das Bonusniveau hinaus nimmt der Anleger ungebremst mit. Bislang fuhren Investoren mit diesem Konzept bescheiden: Seit der Auflage des Zertifikats im Mai 2005 legte das Papier knapp 20 Prozent zu. In derselben Zeit gewann der Kurs des Euro Stoxx 50 fast 48 Prozent an Wert.

Drei größere Korrekturphasen durchlebten Zertifikat und Euro Stoxx Index in dieser Zeit: Im Oktober 2005, von Mai bis Juni 2006 und Februar/März 2007 verlor der Euro Stoxx 50 jeweils zwischen sieben und 13 Prozent – die Verluste konnte das Zertifikat nicht ausgleichen, die Kurskorrekturen kamen zum falschen Zeitpunkt.

Auch ABN Amro bietet Saisonpapiere an, zum Beispiel zwei Indexzertifikate: Das Dax Seasonal Strategy Open End Zertifikat (WKN: ABN8ML) bildet die Kursentwicklung des Dax nach und spart dabei die Monate August bis September aus. Beim Schwesterprodukt Dax Best Season (WKN: 559282) wird die Wertentwicklung sogar von August bis Oktober ausgesetzt und wendet sich damit an Anleger, die Furcht vor einem Oktober-Crash haben.

Die Statistik spricht allerdings gegen diese Angst: Der Oktober zählt nur in den USA zu den am meisten gefürchteten Monaten. Der Dax dagegen brachte im Oktober in der Vergangenheit eine durchschnittliche Monatsrendite von rund einem Prozent. Ausnahmen wie im Oktober 2005 bestätigen die Regel. Damals verlor der Dax im Oktober fünf Prozent an Wert – doch da war das Best Seasons-Zertifikat noch gar nicht im Markt. Anleger, die 2005 das Dax Seasonal Strategy-Zertifikat im Depot hatten, nahmen die Index-Korrektur voll mit, nachdem das Zertifikat zuvor zwei Monate lang ausgesetzt hatte.

Schade eigentlich, denn in diesen zwei Monaten hatte der Dax sechs Prozent hinzugewonnen. Ähnlich erging es Anlegern mit den beiden Zertifikaten ein Jahr später: Von August bis Oktober 2006 legte der Dax 12,5 Prozent zu, während die Kurse der Zertifikate systembedingt auf der Stelle traten.

Auch die Commerzbank schickt ein Saison- Zertifikat ins Rennen – allerdings mit einem komplexeren Ansatz. Das Sell-in-May-Zertifikat (WKN: CB5492) bezieht sich auf den Euro Stoxx 50-Index und vergleicht bis zum Ende der Laufzeit am 29. April 2011 jährlich einmal die Wertentwicklung des Index in den Sommermonaten Mai bis September und die Winter-Performance von Oktober bis April. Ist die Performance der Winterperiode größer als die Performance der davor liegenden Sommerperiode, wird die Differenz gutgeschrieben, ansonsten wird sie abgezogen.

„Da in den Wintermonaten erfahrungsgemäß höhere Renditen erzielt werden, können Anleger so von einem Sommerloch an der Börse profitieren“, erklärt Ralph Stemper von der Commerzbank. „Das Zertifikat ist deshalb vor allem für Anleger geeignet, die längerfristig agieren und sich nicht jeden Tag um ihr Depot kümmern wollen“, so Stemper.

Sollte die Summe der Differenzen insgesamt negativ sein, bleibt dem Anleger am Ende der Laufzeit noch die Hoffnung, dass der Euro Stoxx 50 oberhalb von 3 125,88 Punkten notiert. Dann nämlich werden immerhin 100 Euro pro Zertifikat zurückgezahlt. Steht der Kurs des Index am letzten Bewertungstag niedriger, verwandelt sich das Sell-in-May- Zertifikat in ein normales Index-Zertifikat. Tatsächlich kann sich das Zertifikat als Langfristinvestment noch bewähren – mittelfristig sieht die Zwischen-Bilanz eher mau aus: nur gut fünf Prozent Wertzuwachs seit der Emission im Juni 2005.

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