Börsen-Boom Heiße Anlegerträume auf mongolisch

Kein Aktienmarkt hat sich in den vergangenen Jahren annähernd so gut entwickelt wie die mongolische Börse. Jetzt sollen auch deutsche Anleger von dem Boom profitieren. Doch die Risiken sind hoch.
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Aufnahme aus der ZDF-Dokumentation "Die Erben des Dschingis Khan" (Archivbild). Experten sagen der Mongolei ein stürmisches Wachstum voraus. Quelle: picture-alliance

Aufnahme aus der ZDF-Dokumentation "Die Erben des Dschingis Khan" (Archivbild). Experten sagen der Mongolei ein stürmisches Wachstum voraus.

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DüsseldorfEs gibt auf der Welt nur wenige Flecken, an denen deutsche Privatanleger nicht investieren können. Findige Fonds- und Zertifikate-Emittenten haben fast sämtliche Regionen erschlossen. Zu den eifrigsten Welteroberern zählt die Royal Bank of Scotland (RBS). Im laufenden Jahr hat sie bereits Zertifikate auf die Börsen in Bangladesch, Mauritius, Tunesien und Libanon auf den Markt gebracht. Jetzt hat die Bank eine weitere Spielwiese für mutige Anleger gefunden: Mit dem „Mongolia Opportunities Zertifikat“ bietet sie als erstes Zertifikatehaus einen Zugang zum mongolischen Markt.

An Euphorie mangelt es in der Verkaufsbroschüre der RBS nicht. „Die Mongolei gewinnt an strategischem Gewicht wie seit ihrer Blütezeit im 13. Jahrhundert nicht mehr“, heißt es dort. Mit den weltgrößten Reserven in manchen Rohstoffen und zunehmenden Möglichkeiten diese zu fördern und auf den Markt zu bringen, habe die Mongolei „das Potenzial, über die nächste Dekade zu den globalen Wachstumszentren zu gehören“. Als Kronzeuge führt die Bank den Schweizer Fondsmanager Marc Faber an, der in der Mongolei das „Saudi-Arabien Asiens“ sieht.

Dass die Mongolei auf großen Rohstoffreserven sitzt, ist unbestritten. Der Flächenstaat verfügt über große Mengen an Kohle, Kupfer, Uran und Gold. Und auch die sogenannten seltenen Erden, die in vielen Schlüsseltechnologien der Zukunft eingesetzt werden, warten unter mongolischem Boden darauf, gefördert zu werden.

Wo Anleger noch auf ihre Kosten kommen
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Das Jahr 2011 war für die ägyptische Finanzwelt bisher fatal: Der Leitindex EGX fiel in den ersten drei Monaten um 23,5 Prozent. Sieben Wochen wurde auf dem Parkett in Kairo wegen der politischen Revolution gar nicht gehandelt. In der letzten Märzwoche ging der Handel weiter, doch die Kurse kannten nur eine Richtung – nach unten. Langsam fangen sich die ägyptischen Werte wieder, doch Investoren fürchten länger anhaltende Unsicherheit und einen schweren Rückschlag für die Konjunktur.

Russischer Milliardaer stockt Beteiligung an TUI auf
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Für Tui wurde es im ersten Quartal eng: Der finanzielle Spielraum des Touristikkonzerns ist ordentlich geschrumpft, seit er an der ertragreichen Schifffahrtsgesellschaft Hapag-Lloyd nur noch knapp die Hälfte der Aktien hält. Anfang März beschaffte sich Tui über eine Wandelanleihe neues Kapital. Die Anleger sind skeptisch: Die TUI-Aktie rutschte seit Januar 19 Prozent nach unten.

Prime Minister Jose Socrates announces his resignation
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Portugal rutscht immer tiefer in die Krise. Die Regierung von Ministerpräsident Jose Socrates (Bild) scheiterte im Parlament mit ihrem Sparpaket, Socrates trat daraufhin zurück. Im Juni soll es Neuwahlen geben. Die dringend notwendige Konsolidierung der Staatsfinanzen rückt damit in weite Ferne, eine Flucht unter den europäischen Rettungsschirm wird immer wahrscheinlicher. An den Märkten gilt ein solcher Schritt bereits als fast sicher, die Renditen portugiesischer Staatsanleihen schießen in die Höhe. Der Kurs des zehnjährigen Staatsbonds ist seit Jahresbeginn um 11,5 Prozent eingebrochen.

Geldscheine mit Bundesadler
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Bundesanleihen gelten als Hort der Stabilität in Krisenzeiten. In der europäischen Schuldenkrise wurden sie diesem Ruf gerecht. Doch irgendwann ist auch für sicherheitsorientierte Anleger ein Punkt erreicht, an dem sie wieder Rendite sehen wollen - vor allem dann, wenn sich steigende Zinsen in der Euro-Zone anbahnen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist folglich in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und liegt aktuell bei gut 3,3 Prozent. Der Kurs, der sich gegenläufig entwickelt, fiel im ersten Quartal um 3,3 Prozent.

Public transport workers demonstration, in central Athens.
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In Griechenland meldet sich die Krise zurück. Die Regierung in Athen musste das Haushaltsdefizit 2010 erneut nach oben korrigieren. Überdies brechen jetzt die Steuereinnahmen weg. Damit ist fraglich, ob das Land in diesem Jahr seine Konsolidierungsziele erreichen kann. Die Ratingagenturen reagierten mit erneuten Herabstufungen. Für Investoren halten sich die Auswirkungen in Grenzen. Griechische Staatsanleihen haben seit Jahresbeginn lediglich 0,9 Prozent verloren. Bei einem Kurs von gut 65 Prozent ist aber auch schon sehr viel Negatives eingepreist.

A gold bar is pictured at the Austrian Gold and Silver Separating Plant 'Oegussa' in Vienna
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Der Goldpreis hält sich im Bereich seines Rekordhochs von 1.447 Dollar. Inflationsängste und die diversen Krisenherde auf der Welt sorgen für eine stabile Nachfrage nach dem Edelmetall. Doch es mehren sich die Stimmen, die eine Ende der Gold-Hausse prognostizieren. Und in der Tat ist die Preisentwicklung angesichts der Krisenlage und der Schwäche des Dollars, die in der Vergangenheit meist für steigende Goldpreise sorgte, sehr dürftig. Insgesamt legte der Goldpreis im ersten Quartal um ein Prozent zu.

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Für den Index der Schwellenländer MSCI Emerging Markets gab es im ersten Quartal kein Fortkommen – kein Wunder: Brasilien und Taiwan gehören zu den größten Werten im Index und die Leitindizes beider Länder beendeten das erste Quartal im Minus. Auch in Chian (im Bild die Börse Shanghai) gab es nur leichte Kursgewinne. Am Ende steht für den Schwellenländerindex so ein mageres Plus von 1,7 Prozent heraus.

In den vergangenen Jahren hat die mongolische Wirtschaft vom Rohstoffreichtum auch bereits stark profitiert. Zwischen 2004 und 2008 wuchs das Bruttoinlandsprodukt im Jahresschnitt um neun Prozent. Und nach einem Einbruch im Finanzkrisenjahr 2009 ging es 2010 laut Schätzungen des IWF bereits wieder um 8,5 Prozent nach oben.

Für die kommenden Jahre erwarten Volkswirte ein weiteres stürmisches Wachstum. Die Experten von Eurasia Capital gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt von 6,6 Mrd. Dollar im Jahr 2010 bis 2020 auf 35 Mrd. Dollar steigen wird. Für das laufende Jahr sagen sie ein Wachstum von gut 16 Prozent voraus. Der IWF ist allerdings deutlich skeptischer: Die Volkswirte des Währungsfonds erwarten 2011 ein geringeres Wirtschaftswachstum von sieben Prozent.

An der Börse in Ulan Bator ist der Optimismus zuletzt etwas gewichen. Seit Ende Februar hat der Leitindex MSE Top 20 mehr als ein Viertel an Wert eingebüßt. Allerdings ging dem Rückschlag eine immense Rally voraus: 2010 war der MSE mit einem Zuwachs von 143,5 Prozent mit Abstand größter Gewinner weltweit. Und auch in den ersten zwei Monaten des laufenden Jahres ging es stürmisch weiter. Unter dem Strich hat der Index seit Jahresanfang trotz der jüngsten Verluste 72 Prozent gewonnen – das ist international erneut Spitze.

Schlechte Vorbilder in den Emerging Markets
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1 Kommentar zu "Börsen-Boom: Heiße Anlegerträume auf mongolisch"

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  • Hoffentlich hat dieser Marc Faber, der in der Mongolei das „Saudi-Arabien Asiens“ sieht, mehr Ahnung von Wirtschaft und Wachstum als über Geographie. Wüsste gern, welchem Kontinent er denn Saudi-Arabien zuordnet. Europa? Afrika?

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