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Derivate Harte Zeiten für den Turbo-Kapitalismus

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Heute bemühen sich Politiker um Schadensbegrenzung, indem sie diese nicht standardisierten OTC-Derivate stärker in ein börsenreguliertes Umfeld einbeziehen wollen. Bedenklich ist daran: Dieser Freiverkehrsmarkt weist noch immer ein wesentlich größeres Volumen auf als der Markt für börsengehandelte Derivate. Nach Berechnungen der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel erreichen außerbörsliche Derivate aller Kategorien mittlerweile ein Gesamtvolumen von 604,6 Bill. US-Dollar. Das ausstehende nominale Volumen börsengehandelter Derivate erreicht nach BIZ-Berechnungen gerade einmal 70 Bill. Dollar. Und an beiden Märkten stiegen diese Zahlen im vergangenen Jahrzehnt geradezu dramatisch.

"Ob ein solches Aufblühen von Finanzmarktprodukten notwendig und sinnvoll ist, kann zu Recht in Frage gestellt werden", heißt es in einer Stellungnahme des EU-Parlaments. Sowohl die US-Regierung unter Barack Obama als auch die EU-Kommission haben jetzt konkrete Maßahmen vorgeschlagen, um die negativen Auswirkungen der OTC-Derivatemärkte auf die Stabilität der internationalen Finanzmarktstabilität zu verringern. Die Politik zweifelt dabei allerdings nicht am Nutzen der Derivate. Denn diese künstlichen Finanzprodukte werden dazu eingesetzt, die mit der Wirtschaftstätigkeit verbundenen Risiken von risikoscheuen auf risikowillige Marktteilnehmer zu transferieren. Die Initiativen der Politiker in Nordamerika und Europa stellen damit einen Paradigmenwechsel in der Finanzmarktpolitik dar.

Im Wesentlichen kristallisieren sich folgende Maßnahmenbündel heraus: Zum einen müssen Derivateverträge vergleichbarer werden, zum anderen sollte es Transaktionsregister geben. Außerdem ist eine stärkere Inanspruchnahme zentraler Gegenpartei-Clearingstellen (CCP) vorgesehen. Und letztlich ist eine stärkere Nutzung der weltweit knapp 80 Terminbörsen nötig.

Funktion von Derivaten

Basis Die künstlichen Finanzinstrumente sind von Basiswerten wie Aktien, Anleihen oder Devisen abgeleitet. Sie ermöglichen einen Risikotransfer. Ohne Basiswerte können sie nicht existieren.

Auslöser Kontrahenten können bei Eintritt fester Ereignisse eine Bezahlung oder das Recht zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes einfordern. Dabei wird zwischen nicht-standardisierten OTC-Derivaten und standardisierten, an regulierten Börsen gehandelten Derivaten unterschieden.

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7 Kommentare zu "Derivate: Harte Zeiten für den Turbo-Kapitalismus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Danke dir für die Auskunft !

  • So wie eine Aktie eine Erwartung bepreist so bepreist ein Derivat eine Erwartungsänderung. Wenn man Kriege rund um die Welt führt, dann spiegelt man Unsicherheit in das Land selbst und auch in die Märkte. Wenn man Kriege elektronisch führt wird die Erwartung in elektronische Handelbarkeit unterminiert. Werte hängen leider zunehmend von kommunizierbaren inhalten, also den Kommunikationsträgern ab (nicht von der bilanz, die eine ungeschulte Teilzeitkraft im Detail eintippt), da Kreditderivate den Kontakt zwischen Schuldnern und Risikoträgern verunmöglichen resultiert zwangsweise Unsicherheit. Man kann nun das Produkt Volatilität eines Kreditderivats verkaufen, oder die technischen Möglichkeiten anpassen, sodass der inhaber eines Wertes im Portfolio elektronisch abstimmen kann, wenn man schon nicht auf Kriege verzichten möchte (was sinnvoller wäre). Eine Lösung innerhalb des Finanzsystem ist nicht möglich und würde dem Zweck des Systems entgegenstehen. Wenn eine bank explodiert kauft kein Mensch Aktien von Sicherheitsunternehmen. Kein mensch trifft Handelsentscheidungen nach VAR Zahlen, die sich sekündlich ändern. Sie sollten sich nicht täuschen lassen und verstehen, daß Derivate den Zweck des Risikotransfers erfüllen.

  • Derivate sind nicht Schuld an der Finanzkrise. im Gegenteil. Schuld sind Überregulierung der Finanzmärkte sowie der Kreditvergabe der banken und verfehlte Planwirtschaft in der Geldpolitik.

  • hi Siggi40, würdest du mir freundlicherweise genau erklären warum die Devirate etwas mit der Finanzkrise zu tun haben ? ich hab schon einige Zeit im i-net nach Antworten gesucht doch nie was handfestes bekommen, auch dieser Artikel hier, gibt keine richtige Auskunft darüber.

  • Nein Siggi40, die Finanzkrise und Weltwirtschaftskrise wurde nicht von den Derivaten ausgelöst, auch nicht von zusammenbrechenden Krediten oder hohen Ölpreisen, sondern von politisch gewollt zu niedrigen Zentralbankzinsen vor allem in den USA.

    Dadurch war Geld billiger als Arbeit, und das hat schon lange zuvor zu einer substanzlosen blase geführt: Ein investmenbanker verdiente Millionen, ein bauhandwerker nicht mal mehr genug zu Leben.

    Die Finanzkrise wird nun weiter durch noch billigeres Geld verlängert, damit die folgende Weltwirtschaftskrise um so stärker ausfällt.

    Achten Sie also darauf, daß in ihren bilanzen keine Spekulationswerte auftauchen. Denn der Finanzmarkt mit seinen Derivaten ist betrug, das haben Sie richtig erkannt. Wer Derivate kauft, sollte selber schuld sein, leider werden durch bankenrettung die Schäden sozialisiert, und das in einer Gesellschaft, die den Sozialismus doch angeblich so hasst.


  • Nachtrag zu:
    „... was seit dem Preisverfall ab 2007 nicht mehr möglich war und zu Massenarbeitslosigkeit geführt hat“.
    Der Preisverfall auf dem US-immobilienmarkt entstand, als der Ölpreis durch Spekulanten immer weiter in die Höhe getrieben wurde und die US-Amerikaner deshalb ihre Häuschen auf dem Lande verkaufen und in die Stadt ziehen wollten. So kam es zu einem Überangebot an Wohnimmobilien, das zum Preisverfall führte.
    in den USA ist es nicht unüblich 40, 50 oder noch mehr Meilen zur Arbeitsstätte zu fahren. Der hohe Ölpreis war also die Ursache für den Preisverfall auf dem US-Wohnimmobilienmarkt. Die derzeitige Krise am US-Gewerbeimmobilienmarkt ist aber um ein vielfaches größer, als die von 2007 am Wohnimmobilienmarkt.

  • Großes Lob an das Handelsblatt. Das erste Mal, dass ich in einer Wirtschaftszeitung die tatsächliche Ursache der größten Krise aller Zeiten lese, von der erst ein kleiner Teil ans Tageslicht gekommen ist.
    bisher wurde diese Krise den US-Subprime-Krediten angelastet. Nur eine der vielen Ursachen der Krise. Solch ein Problem würde mit Sicherheit die Weltwirtschaft nicht beeinflussen. Die Subprime-Kunden hatten ihre Annuität mit immer neuen Schulden finanziert, alle anderen sogar ihren gesamten Lebensstandard. So wurde 20 Jahre lang die größte Volkswirtschaft der Welt am Laufen gehalten, was seit dem Preisverfall ab 2007 nicht mehr möglich war und zu Massenarbeitslosigkeit geführt hat.
    Auch solch ein Problem hätte die Weltwirtschaft nicht aus den Angeln gehoben. Die Ursache für den weltweiten Crash waren die Verbriefungen der Risiken. Aus ca. 12 bio. Hypothekenschulden zauberten die bankster ein Derivatevermögen von ca. 670 bio. Dollar, wahrscheinlicher aber mehr als das Doppelte davon, da die meisten Geschäfte außerbilanziell in Zweckgesellschaften getätigt und so der Finanzaufsicht entzogen wurden. Europas banken sitzen immer noch auf 18,2 bio. Euro wertloser Papierschnipsel, das sind 44% ihrer gesamten Vermögensanlagen. Ohne eine massive Währungsreform können die Verwerfungen des größten betrugs aller Zeiten nicht kompensiert werden. Den Finanzmarkt auf Reset stellen. Die einzige Lösung.

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