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Grexit Zurück zur Drachme?

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Die Folgen des Grexits sind komplex

„Weder ein Schuldenschnitt noch der Austritt aus der Euro-Zone würden Griechenlands Probleme lösen, wenn nicht gleichzeitig auch einschneidende Reformen stattfinden“, ist Uwe Eilers von Geneon Vermögensmanagement aus Königstein überzeugt. „Die griechische Regierung kommt gar nicht darum herum, die Umsetzung eines Maßnahmenpakets zu versprechen – ganz gleich, ob sie weitere Hilfsgelder, einen Schuldenschnitt oder raus aus dem Euro will“, so Eilers.

Denn die Gläubiger würden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstischs. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht.

Noch stehen die Chancen gut. „Ein Schuldenschnitt und ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone könnte zwar kurzfristig Irritationen auslösen. Doch dieses Szenario droht schon so lange, dass sich die Finanzmärkte auf diese Möglichkeit eingestellt haben“, sagt Uwe Eilers. Konkret: Vielleicht würde der Euro kurzfristig gegenüber dem US-Dollar an Wert verlieren. Und vielleicht würden auch die Kurse an den europäischen Aktienmärkten ein oder zwei Tage unter Druck geraten. Doch dann würde vermutlich die Überzeugung reifen, dass es für den Rest von Europas Wirtschaft eigentlich keine Rolle spielt, ob Griechenland noch dabei ist oder nicht. „Politisch ist das Thema natürlich hochbrisant, für die Finanzmärkte wäre ein Grexit mittelfristig aber ein Non-Event“, so Eilers.

Gelänge es der Euro-Gruppe und der griechischen Regierung, einen möglichen Schuldenschnitt als harmlos zu verkaufen, wäre schon viel erreicht. Denn die Folgen sind komplexer, als es auf den ersten Blick scheint: Die Institutionen, die in den vergangenen Jahren Griechenland immer wieder mit neuen Krediten ausgeholfen haben, haben sich schließlich dafür selbst verschuldet. Ein Beispiel dafür ist der europäische Rettungsschirm EFSF, dem der griechische Staat 131 Milliarden Euro schuldet.

Um das Geld aufzutreiben, hat der EFSF Anleihen an Fonds, Banken und Versicherungen verkauft. Diese Anleihen sind mit staatlicher Garantie versehen. Die Euro-Staaten müssten dafür geradestehen, wenn Griechenland seine Schulden nicht mehr tilgt. Deutschland etwa müsste mit 39 Milliarden Euro einspringen, Frankreich mit 29 Milliarden Euro. Dasselbe Prinzip gilt für die 104 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen, die die Europäische Zentralbank in ihrer Bilanz hält.

Sollte es zu einem Grexit kommen und die EZB die Anleihen Griechenlands im Portfolio abschreiben müssen, dann müssten die Staaten der Euro-Zone nach dem vereinbarten Kapitalschlüssel das Eigenkapital der EZB aufstocken. Deutschland wäre über die Bundesbank mit rund 29 Milliarden Euro dabei. Ein kritischer Posten sind auch die etwa 50 Milliarden Euro, mit denen Griechenland bei seinen eigenen Banken verschuldet ist. Die Institute wären bei einem offiziellen Staatsbankrott sofort pleite. Sparer müssten um ihre Einlagen fürchten. Deshalb spricht viel dafür, dass es nicht offiziell zu einem Schuldenschnitt kommt, sondern zu einer Verlängerung der Kreditlaufzeiten.

Fazit: Jetzt warten!
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18 Kommentare zu "Grexit: Zurück zur Drachme?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Auf know-why . net gibt es ein schönes Modell zum Grexit, welches die Zusammenhänge und potentiellen Wirkungsschleifen zeigt. Ein weiteres Gedankenmodell läge in der Überlegung, ob der Kapitalismus und das System der Geldschöpfung tatsächlich reformiert werden. Die Geldschöpfung von Draghi geht völlig unterschätzt in diese Richtung. Ich meine, dazu gibt es auch ein Modell zum material wealth in der EU.

  • Wieso Zurück zur Drachme?
    Die Drachme als zweite Währung oder Parallelwährung, der Staat zahlt seine Bedienstete nur noch mit Drachme und in Ausland gar nicht mehr.
    Und die Drachme kann der Staat selbst drücken.
    Einfach und genial!

  • Ich stimme mit Ihnen überein, das größte und das einzige Problem Griechenland sind die Strukturen. Solange Griechenland über keine vernünftige Verwaltung besitzt, ist es unerheblich, ob Griechenland aus den Euro austritt oder es zu einem Schuldenschnitt kommt.
    ALLERDINGS ist Griechenland und die Griechen!!! nicht bereit ihre Einstellung zum Staat zu ändern und damit neue Strukturen zu schaffen.
    Die einzige Lösung ist m.E. ein heilsamer Schock! Konkret bedeutet dies, das Europa Griechenland bankrott gehen lassen muss mit allen fürchterlichen Konsequenzen die daraus entstehen. (Abwertung der Sparguthaben, Verarmung der Bevölkerung u.ä.).
    Erst danach sind vielleicht die Griechen bereit, ihren Staat auf neuen gesunden Beinen zu stellen.

  • Was ist die Alternative zum Grexit?

    IDEM IUS OMNIBUS!

    Gleiches Recht für alle! Ohne Grexit erwartet uns das griechische Problem auch in Spanien, Portugal, Frankreich, Italien,....

  • Ob Austritt aus dem Euro, Schulden schnitt, oder was auch immer. Das grösste Problem ist noch immer nicht gelöst. Das sind die ganzen Strukturreformen und der Aufbau zu einem funktionierenden Staat. Auch bei einem Grexit, heisst das immer noch nicht, das die GR. Regierung so wie in der Vergangenheit einfach weiter macht.

  • "Sprich: unsere Politiker halten uns für absolut dämliches Wahlvolk! "

    Stimmt doch auch! Oder?

  • @Noack
    Ja, die Griechen haben auch noch internationale Anleihen ausstehen, die sich im Besitz von Hedge Fonds befinden:

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/fonds-etf/dunkelziffer-von-athen-griechen-schulden-auch-hedgefonds-noch-geld/11546628.html

    Und mit Hedge Fonds ist nicht so gut Kirschen essen, wie mit den EU-Partnern. Zur Not klagen diese Fonds auch noch...
    Der ganz überwiegende Teil der griechischen Staatsverschuldung liegt jedoch bei öffentlichen europäischen Stellen und danit beim europäischen Steuerzahler. Und da ist der 320-.MRD-Schuldenberg nach Ansicht der griechischen Regierung auch am besten aufgehoben.....
    (Denn im Gegensatz zu Hedgefonds klagen die europäischen Stellen nicht, sie prolongieren nur.)

  • Lieber Autor!
    Sie haben ganz vergessen zu schreiben, was die Drachme für die griechische Wirtschaft und damit für die Beschäftigung bedeutet. Ist es nicht gleichgültig, dass der Mittelstand seine Ersparnisse durch Hyperinflation verliert oder durch Umtausch in Drachme und starker Abwertung? Wenn die griechische Wirtschaft so abhängig von Importen an Rohstoffen und Stufenprodukten ist, dann kann mit einer Drachme nichtsmehr importiert werden. Die Wirtschaft muss zum Erliegen kommen. Ist das plausibel?
    Die Drachme rettet die Griechen nicht. Die würden dem Euro nach reisen, solange sie noch in der EU sind. EU Bürger haben freie Niederlassung und können nicht zurück geschickt werden, zumindest solange man sich an die Verträge halten will. Alles andere ist realitätsfernes theoretisieren, ohne jede Relevanz.

  • @ Marc Hoffmann
    Die heilende Wirkung kann das Volk Argentiniens gerade selbst erfahren. Die Zocker sind die großen Gewinner. Für Pennys gekauft gibt es ganze Dollar mit Zinsen. Auf eine ähnliche Gelegenheit warten die Investmentzocker geradezu.
    Haben Sie das System immer noch nicht durchschaut?

  • Und schon aus diesem Grund gehört der Euro eingestampft. Solche politischen Einflussfaktoren haben in einer Währung nichts zu suchen!!! Drohen, Erpressen, Vorhaltungen, Schuldvorwürfe......das kann keine Basis für ein "gemeinsames" Geld sein!!!!

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