Grexit Zurück zur Drachme?

Obwohl sich die Tonlage zwischen Berlin und Athen etwas entspannt hat, wird über einen Austritt Athens aus dem Euro spekuliert. Was bedeutet ein Grexit für Griechenland? Und welche Folgen könnte das für Anleger haben?
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Sollte Griechenland aus der Euro-Zone austreten, werden die europäischen Aktienmärkte vermutlich nur kurz geschockt sein. Anleger sollten geduldig bleiben Quelle: Getty Images
Grexit bleibt Option

Sollte Griechenland aus der Euro-Zone austreten, werden die europäischen Aktienmärkte vermutlich nur kurz geschockt sein. Anleger sollten geduldig bleiben

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfAls im Land der Helenen noch mit Drachmen bezahlt wurde, waren die Urlaube deutlich preiswerter. Ein Beispiel dafür: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euros etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro. Das Problem dabei: Während in den ersten sieben Jahren nach der Euro-Umstellung die Löhne in Griechenland laut europäischen Statistikamt um 32 Prozent stiegen, ist die Wirtschaft seit 2008 um ein Viertel geschrumpft und das durchschnittliche Lohnniveau wieder um 20 Prozent gefallen.

Rund 27 Prozent der Griechen haben gar keine Arbeit mehr. Der Frappé kostet aber immer noch zwischen 2,50 und drei Euro. Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden. Immerhin: Ein Glas Wasser gab und gibt es grundsätzlich kostenfrei dazu. Trotz der Freundlichkeits-Gesten zwischen Angela Merkel und Alexis Tsipras Anfang der Woche in Berlin gilt nach wie vor: Sowohl die griechische Regierung als auch die Länder der Europäischen Union und die Europäische Zentralbank (EZB) scheinen gezielt darauf hinzuarbeiten, das die Griechen ihren Frappé bald wieder mit Drachmen bezahlen.

„Jetzt hilft nur noch die Drachme“

Denn die Regierung in Athen verweigert rigoros die Zusammenarbeit mit ihren Gläubigern, während diese zunehmend die Geduld verlieren. Deren Credo lautet: Geld gibt es nur gegen die verbindliche Zusage der Umsetzung wichtiger Strukturreformen. Doch die Regierung Tsipras spielt auf Zeit – Zeit, die sie eigentlich gar nicht mehr hat: Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen.

Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Griechenland wird seine Schuldendienste jedenfalls nicht aus eigener Kraft erfüllen können. Trotzdem plant Tsipras Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten. Mit halbwegs realistischer Haushaltsplanung hat das nichts mehr zu tun. Schon seit Wochen ist deshalb von einem Grexit die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt.

Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken. „So ein Thema gerät nicht durch Zufall in die öffentliche Diskussion. Es entsteht eher der Eindruck, dass die Bevölkerung und die Märkte auf den Austritt Griechenlands aus dem Euro vorbereitet werden sollen“, mutmaßt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Nach dem Motto: Je länger und je öfter man darüber redet, desto weniger schlimm fühlt es sich irgendwann an.

Es helfen nur: Euro-Austritt und Schuldenschnitt
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18 Kommentare zu "Grexit: Zurück zur Drachme?"

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  • Auf know-why . net gibt es ein schönes Modell zum Grexit, welches die Zusammenhänge und potentiellen Wirkungsschleifen zeigt. Ein weiteres Gedankenmodell läge in der Überlegung, ob der Kapitalismus und das System der Geldschöpfung tatsächlich reformiert werden. Die Geldschöpfung von Draghi geht völlig unterschätzt in diese Richtung. Ich meine, dazu gibt es auch ein Modell zum material wealth in der EU.

  • Wieso Zurück zur Drachme?
    Die Drachme als zweite Währung oder Parallelwährung, der Staat zahlt seine Bedienstete nur noch mit Drachme und in Ausland gar nicht mehr.
    Und die Drachme kann der Staat selbst drücken.
    Einfach und genial!

  • Ich stimme mit Ihnen überein, das größte und das einzige Problem Griechenland sind die Strukturen. Solange Griechenland über keine vernünftige Verwaltung besitzt, ist es unerheblich, ob Griechenland aus den Euro austritt oder es zu einem Schuldenschnitt kommt.
    ALLERDINGS ist Griechenland und die Griechen!!! nicht bereit ihre Einstellung zum Staat zu ändern und damit neue Strukturen zu schaffen.
    Die einzige Lösung ist m.E. ein heilsamer Schock! Konkret bedeutet dies, das Europa Griechenland bankrott gehen lassen muss mit allen fürchterlichen Konsequenzen die daraus entstehen. (Abwertung der Sparguthaben, Verarmung der Bevölkerung u.ä.).
    Erst danach sind vielleicht die Griechen bereit, ihren Staat auf neuen gesunden Beinen zu stellen.

  • Was ist die Alternative zum Grexit?

    IDEM IUS OMNIBUS!

    Gleiches Recht für alle! Ohne Grexit erwartet uns das griechische Problem auch in Spanien, Portugal, Frankreich, Italien,....

  • Ob Austritt aus dem Euro, Schulden schnitt, oder was auch immer. Das grösste Problem ist noch immer nicht gelöst. Das sind die ganzen Strukturreformen und der Aufbau zu einem funktionierenden Staat. Auch bei einem Grexit, heisst das immer noch nicht, das die GR. Regierung so wie in der Vergangenheit einfach weiter macht.

  • "Sprich: unsere Politiker halten uns für absolut dämliches Wahlvolk! "

    Stimmt doch auch! Oder?

  • @Noack
    Ja, die Griechen haben auch noch internationale Anleihen ausstehen, die sich im Besitz von Hedge Fonds befinden:

    http://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/fonds-etf/dunkelziffer-von-athen-griechen-schulden-auch-hedgefonds-noch-geld/11546628.html

    Und mit Hedge Fonds ist nicht so gut Kirschen essen, wie mit den EU-Partnern. Zur Not klagen diese Fonds auch noch...
    Der ganz überwiegende Teil der griechischen Staatsverschuldung liegt jedoch bei öffentlichen europäischen Stellen und danit beim europäischen Steuerzahler. Und da ist der 320-.MRD-Schuldenberg nach Ansicht der griechischen Regierung auch am besten aufgehoben.....
    (Denn im Gegensatz zu Hedgefonds klagen die europäischen Stellen nicht, sie prolongieren nur.)

  • Lieber Autor!
    Sie haben ganz vergessen zu schreiben, was die Drachme für die griechische Wirtschaft und damit für die Beschäftigung bedeutet. Ist es nicht gleichgültig, dass der Mittelstand seine Ersparnisse durch Hyperinflation verliert oder durch Umtausch in Drachme und starker Abwertung? Wenn die griechische Wirtschaft so abhängig von Importen an Rohstoffen und Stufenprodukten ist, dann kann mit einer Drachme nichtsmehr importiert werden. Die Wirtschaft muss zum Erliegen kommen. Ist das plausibel?
    Die Drachme rettet die Griechen nicht. Die würden dem Euro nach reisen, solange sie noch in der EU sind. EU Bürger haben freie Niederlassung und können nicht zurück geschickt werden, zumindest solange man sich an die Verträge halten will. Alles andere ist realitätsfernes theoretisieren, ohne jede Relevanz.

  • @ Marc Hoffmann
    Die heilende Wirkung kann das Volk Argentiniens gerade selbst erfahren. Die Zocker sind die großen Gewinner. Für Pennys gekauft gibt es ganze Dollar mit Zinsen. Auf eine ähnliche Gelegenheit warten die Investmentzocker geradezu.
    Haben Sie das System immer noch nicht durchschaut?

  • Und schon aus diesem Grund gehört der Euro eingestampft. Solche politischen Einflussfaktoren haben in einer Währung nichts zu suchen!!! Drohen, Erpressen, Vorhaltungen, Schuldvorwürfe......das kann keine Basis für ein "gemeinsames" Geld sein!!!!

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