Kolumne Nachgerechnet Wenn das eigene Depot nur für die Bank arbeitet

Am Depot einer alten Dame hat eine Volksbank auf dem Land über Jahre gut verdient. Zertifikate und Immobilienfonds bescherten der Bank satte Gebühreneinnahmen. Die Kundin aber ging leer aus.
43 Kommentare

Ein ganz "normales" Depot - Nachgerechnet

DüsseldorfDie ältere Dame hat ihr Geld gut zusammengehalten. Darüber geredet hat sie mit niemandem, auch nicht mit ihren Kindern. Jetzt ist sie gestorben, und ihre Kinder haben gestaunt, was sich im Depot alles fand. Von einer „Alpha Express-Anleihe“ der Citibank bis zum „Unigarant Dividendenstars“ lagen da nahezu ausschließlich Garantieprodukte. Dazu noch drei Immobilienfonds, einer ist gerade geschlossen. Insgesamt 16 Positionen, erworben bei ihrer kleinen Volksbank. Die Bank hat daran gut verdient. Die Kundin weniger.

Viele Stunden brüteten die Kinder, bis sie die Positionen verstanden hatten. Die Dame hatte auf alles Mögliche gewettet: auf Rentenpapiere, Aktien, Immobilien, den Dividendenindex Div-Dax versus den Dax und auf Rohstoffe. Risiken ist die Anlegerin dabei nur in Maßen eingegangen, denn fast jedes Produkt verspricht am Ende der Laufzeit den Einsatz zurück.

Die Beraterin hat das Sicherheitsbedürfnis der Kundin durchaus berücksichtigt, die ihres Arbeitgebers aber mindestens genau so stark. Mit Slogans wie „Meinen eigenen Weg gehen (VR Europa Relax Zertifikat)“ oder „Winterträume für Ihr Vermögen (VR Europa Garant Zertifikat)“ hatten Broschüren für die Produkte der Volks- und Raiffeisenbanken geworben. Doch viel herumgekommen ist bei der komplexen Depotstruktur nicht.

Etwas über 206.000 Euro hatte die Dame in den letzten sieben Jahren portionsweise neu investiert, daraus sind inzwischen inklusive Zinsen 207.400 Euro geworden. Ein halbes Prozent Plus über sieben Jahre. Es könnte noch ein bisschen mehr werden, denn die meisten Fonds und Zertifikate schütten den Gesamtertrag erst zum Ende ihrer Laufzeiten aus.

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43 Kommentare zu "Kolumne Nachgerechnet: Wenn das eigene Depot nur für die Bank arbeitet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich wünsche mir gerade in Zeiten der Vertrauenskrise gegenüber Banken und Bankberatern fachlich deutlich besser und fairer recherchierte Artikel. Gefährliches Halbwissen ist Öl ins Feuer der Krise!

  • das Beispiel ist klasse!Aber:...der Zimmermann kann bald keinen Dachstuhl mehr bauen, weil er sich auch nicht mehr auf seine Bank verlassen kann!

    Gar beginnt immer erst mit halbgar!

  • Wenn der Zimmermann dir den Dachstuhl fertigbaut, mußt du ihn dann nur bezahlen, wenn der nie Feuer fängt?

    Mein Gott, was für halbgare Vorschläge hier.

  • @VR_Financial_Consultant
    wenn die Nassauische Sparkasse in Wiesbaden unserem 80-jährigen Bekannten einen geschlossenen Beteiligungsfond mit fast 10 Jahren Laufzeit in Höhe von € 30.000.- verkauft und dabei sofort 5% Provision verlangt?
    Ist das korrekt? Ich sage nein!

    Was darf eine Bank verdienen? Nach derartigen Erfahrungen meine ich: eine Bank sollte lediglich am Erfolg mitverdienen, - also eine reine Erfolgsprovision, gemessen an den Erträgen!

  • Der Anteil der Berater die ihren Kunden nicht informieren und irgendwas verkloppen ist meines erachtens gering. Der Kunde entscheidet auch immer noch selbst, wo und bei wem er sein Geld anlegt. Wenn er die Sprache seines Anlageberaters nicht versteht und ständig Produkte angeboten bekommt die er nicht versteht, sollte der Kunde mal den Berater oder die Bank wechseln...Außerdem gibt es Produktinformationsblätter bzw. wesentliche Anlegerinformationen. Da wird in wenigen Sätzen erklärt wie auch die kompliziertesten Produkte funktionieren. Wer diese nicht liest handelt fahrlässig und kann nachher nicht sagen der Berater oder der liebe Gott ist schuld....

  • und was war vor den letzten 7 Jahren? beliebig gewählte Zeiträume führen automatisch zu einseitiger Berichterstattung. Seit wann sind Fondgebühren eine Neuigkeit?

  • Offensichtlich haben Sie keine Ahnung, den AA erhält in der Regel in voller Höhe der Vermittler. Ich dachte das HB wäre eine Wirtschaftszeitung

  • Ein Garantiezertifkat kann sich jeder selber basteln, mit einem Sparbrief, dessen Zinsertrag in einen Index investiert wird (unter Berücksichtigung der Zinseszines und evtl. einem festgelegten Mindestrestwertes des Indexpapiers). Das geht ganz ohne Bankberater.

    Der einfachste Weg zur Kundenorientierung ist die Umkehr der Beweislast zu Lasten der Bank. Es ist ein schlechter Witz, wenn konservativen Sparern, insbesondere unkundigen Rentnern, Zertifikate angeboten werden.

    Jemand, der nicht erklären kann, was ein Down-and-Out-Put ist, sollte kein Bonuszertifikat kaufen. Der Kundenkreis dürfte sehr klein werden.

  • -@ Harakirri

    was sind Vr oder Volksbanken?
    kann man die shorten?

    Danke für den Tip, gib es die auch 3fach gehebelt

  • Wenn bei einem Kunden permanent das Depot umgeschichtet wird, obwohl es gar nicht notwendig ist, dann ist das genauso betrügerisch wie wenn ein Arzt 5 Untersuchungen durchführt und nur eine davon notwendig.

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