Rohstoffspekulation Eine ganz heiße Wette

Rohstoffe sind bei Spekulanten beliebt, aber nicht ungefährlich. Anleger, die mitmischen wollen, sollten deshalb einige Regeln unbedingt beachten. Und verschiedene Dinge besser ganz bleiben lassen. Ein kleiner Ratgeber.
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Agrarrohstoffe wie Weizen standen zuletzt häufig im Fokus der Märkte. Quelle: dpa

Agrarrohstoffe wie Weizen standen zuletzt häufig im Fokus der Märkte.

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DüsseldorfWaldbrände in Russland, Jahrhundertdürre in den USA: In den vergangenen Wochen standen nicht wie so oft die Edelmetalle oder Rohöl im Mittelpunkt, sondern Agrarrohstoffe wie Weizen, Sojabohnen oder Mais. Das hat bei vielen Anlegern in Erinnerung gerufen, dass die verschiedenen Rohstoffe meist ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen, die für heftige Preisausschläge in die eine oder andere Richtung sorgen.

Bei den Agrargütern könnten die Turbulenzen in den kommenden Monaten noch anhalten. Denn in diesem Jahr wird das Klimaphänomen "El Nino" erwartet, das für extreme Wetterverhältnisse steht. "Einflüsse auf die Ernten sind im nächsten Jahr nicht auszuschließen, sollte es zu einem ausgeprägten El Nino kommen", bestätigt Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank.

Die Wetterkapriolen hätten bei Agrarrohstoffen immer heftige Auswirkungen. Bei schlechten Ernten steigen entsprechend stark die Preise, ergänzt Frank Schallenberger, Rohstoffexperte der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Zudem seien oft starke Preisschwankungen zu beobachten.

Mitte Juni veröffentlichte das amerikanische Landwirtschaftsministerium die stärksten Ernteausfallprognosen für Mais, Soja und Weizen seit vielen Dekaden. Soja und Weizen legten seit Jahresanfang um 40 Prozent zu. Nach einer Reuters-Umfrage unter 13 Analysten dürfte etwa die Maisernte auf ein Sechsjahrestief fallen.

Gemessen am viel beachteten CRB-Rohstoffindex sind Agrarrohstoffe in den vergangenen zwölf Monaten die einzigen Grundstoffe gewesen, die starke Preissteigerungen verbucht haben. Ihre Verteuerung hat dem CRB insgesamt zuletzt einen Anstieg beschert.

Investitionen in Agrarrohstoffe sind allerdings ein heikles Thema und nicht unumstritten. Inzwischen nehmen immer mehr Banken Abstand davon. "Die Landesbank Baden-Württemberg wird den Vertrieb von Investmentprodukten mit Bezug zu Agrarrohstoffen einstellen. Die beiden Fonds 'LBBW Rohstoffe 1' und 'LBBW Rohstoffe 2 LS' werden künftig komplett auf Agrarrohstoffinvestments verzichten", teilte beispielsweise die Stuttgarter Landesbank Ende Juni mit. Im April hatte unter anderem die DekaBank angekündigt, in eigenen Fonds angebotene Wetten auf wichtige Agrarrohstoffe bis zum Jahresende aus dem Portfolio zu streichen.

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8 Kommentare zu "Rohstoffspekulation: Eine ganz heiße Wette"

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  • Wie haben sich die Landwirte abgesichert?

    Sind Landwirte auch gute Kaufleute und Finanzexperten dann haben sie an den Börsen auf steigende Preise für Agrar-Rohstoffe gesetzt um so ihre Verluste teilweise auszugleichen. Landwirte ohne diese kaufmännische Kompetenz haben Versicherungen zum teilweisen Ausgleich der Ernteausfälle abgesdchlossen. Woher nehmen aber die Versicherungen bei Schadeneintritt das Geld? Genau, sie haben vorher an den Börsen für Agrgar-Rohstoffe Futures gekauft und auf steigende Kurse spekuliert. Der Spekulationsertrag erlaubt es den Verrsicherungsunternehmen das Geld zu erwirtschaften um die Landwirte bei Schadeneintritt bedienen zu können.

    Hätte es für alle Landwirte in Amerika bei besten Wetterverhältnissen eine Super Ernte gegeben wären die Preise für Mais, Weizen und Sojabohnen vielleicht in den Keller gerutscht. Die Agrarostoffe an den Börsen hätten dann nachgegeben. Die Landwirte hätten bei einem Überangebot ihrer Waren zu schlechteren Preisen verkaufen müssen und die Nachrichtenmacher hätten keine Zeile zu diesem Szenario geschrieben. Die Landwirte müssen sich aber auch gegen einen Preisverfall absichern. Bei einem absehbaren Preisverfall hätten die Landwirte auf fallende Preise spekuliert um ihren Verlust auszugleichen. Dadurch hätten die Preise für noch mehr nachgegeben.

    Ohne die Börse für Agrarostoffe müssten die Landwirte herbe Verluste ertragen. Sie wären jetzt pleite. Gäbe es den Handel mit Agrar-Rohstoffen nicht um sich gegen das Risiko abzusichern würde kein Mensch Mais, Weizen oder Sojabohnen anbauen und wir hätten nichts zu kauen. Sie müssten befürchten im Herbst pleite zu sein. Um einen liquiden Markt für Agrar-Rohstoffe zu haben muss es viele Marktteilnehmer (Spekulanten) geben. Diese Spekulanten möchten natürlich für ihr eingegangenes Risiko, nämlich durch ihre Beteiligung an den Märkten und der dadurch entstehenden Liqidität, gut verdienen.

  • Moral und Ethik und Skrupel sind der Kit der die Gesellschaften zusammenhält!Wer sich aus diesem Dreieck herausbegibt ist ein vollkommener Seelenkrüppel meist nur noch Fremdgesteuert und ohne jegliche emotionale Intelligenz!Würden sich die Menschen in unserer von Moral und Ethik geprägten Gesellschaft alle so verhalten wie die selbsternannten Rohstoffberherrscher und Preistreiber dann würde das Faustrecht gelten!Jeder gegen jeden und dann wäre mir es nicht unrecht einem "Flash Gorden" über den Weg zu Laufen um in völlig ungehemmt und frei jeglicher Moral die Krawatte etwas enger zu binden.

  • Es ist harte Arbeit sich mit dieser Aktie auseinanderzusetzen. Wenn sie lieber 8 Stunden am Tag arbeiten gehen und Ihr Geld den Anlageberatern anvertrauen ist das eindeutig der bequeme Weg. Leider hört man dann oft Leute wie Sie laut jammern über niedrige Zinsen oder Investments die nicht augehen. Schauen Sie sich den Kurs von Agria am 15.9 und Sie können sehen wie erfolgreich Ihre Strategie ist.

  • Wie wäre es mal mit richtiger Abeit?

  • Ich habe mir Aktien vom chinesischen Agrarkonzern Agria gekauft: http://ir.agriacorp.com/phoenix.zhtml?c=216437&p=irol-IRHome

    Momentan sind ist deren Buchwert 4 mal höher als die MArktkapialisierung, Ende des Monates gibts die Zahlen fürs Geschäftsjahr. Extrem dünne Umsätze haben die Kurse nach unten gezogen.

  • Derivate auf Agrarrohstoffe sollten nur für Landwirte o.ä. zugelassen sein, um deren ursprünglicher Funtion der Preisabsicherung gerecht zu werden. Für Spekulanten, insbesondere private, sollte der Markt verschlossen bleiben. Davon mal abgesehen war der Artikel nicht sonderlich hilfreich, das übliche Bla Bla... ROhstoffe
    folgen eigenen Gesetzen, Anleger sollten die Risiken beachten, usw. Eher Schwach diesen als Headliner zu verwenden liebes HB!
    @Flashgordon: im allgemeinen ist das "Du" in Internetforen geläufig. Da stehst DU als ultraliberaler Hardcoretrader auch nicht drüber.

    Viele Grüße von linkspopulitischen, schwächlichen Gerechtigkeitsspinner

  • Öl ist eine Domäne der amerikanischen Konzerne - die machen die Preise, genauso wie bei Silber oder Gold, DOW oder S&P. Der Dax hat bestenfalls eine Derivate-Funktion, jedenfalls eine irrsinnig große Korrelation zu den US Indexen, die schon lange hätte hinterfragt werden müssen.

  • Am Ende müssen, wie beim Rohöl seit Jahrzehnten, Menschen diese Spekulationsgewinne über den Preis bezahlen. Bei Agrarrohstoffen bedeutet das, dass manche Menschen diese sich nicht mehr leisten können. Also verhungern. Danke, Spekulanten. Danke!

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