Marktbilanz Einmal Himmel und zurück

Der deutsche Zertifikatemarkt hat eine kurze, aber bewegte Geschichte. Von einem Anlagevehikel für Kenner wandelten sich Zertifikate nach der Jahrtausendwende zum Massenprodukt. Doch die Finanzkrise und vor allem die Lehman-Pleite versetzten dem Markt einen empfindlichen Schlag. Jetzt sucht die Branche nach Wegen aus der Krise.
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Proteste von Lehman-Geschädigten in Hamburg. Der Zusammenbruch der US-Bank traf auch Zertifikate-Anleger empfindlich. Foto: dpa Quelle: dpa

Proteste von Lehman-Geschädigten in Hamburg. Der Zusammenbruch der US-Bank traf auch Zertifikate-Anleger empfindlich. Foto: dpa

(Foto: dpa)

Die Grundlagen für den heutigen Zertifikatehandel wurden in der zweiten Hälfte der 80er-Jahre gelegt. Zunächst entstanden in den Investment-Abteilungen der Banken die Optionsscheine, mit denen Anleger mit hohem Hebel auf die Entwicklung einzelner Aktien und Indizes spekulieren konnten.

Als Geburtsstunde des konservativeren Anlagezertifikats gilt das Jahr 1989, als die Dresdner Bank das erste Indexzertifikat auf den Markt brachte. Erstmals ermöglichte dieses Privatanlegern, die keinen Zugang zu den Optionsmärkten hatten, eine Investition in Indizes. Das Pionierprodukt der Dresdner bezog sich auf den Deutschen Aktienindex (Dax) und zeichnete dessen Wertentwicklung eins zu eins nach.

Die nächste große Neuerung brauchte sechs Jahre Zeit: 1995 kamen erstmals Discountzertifikate auf den Markt. Mit ihnen konnten Anleger erstmals mit Sicherheitspuffer in Aktien oder Indizes investieren. Mit Indexzertifikaten, Discountern und den ihnen in der Struktur sehr ähnlichen Aktienanleihen machten Investoren die ersten Gehversuche mit Zertifikaten. Das Interesse war aber noch sehr begrenzt. Zum Siegeszug setzten die innovativen Produkte erst nach der Jahrtausendwende an.

Von der Börsenkrise zum Zertifikate-Boom

Für die Erfolgsgeschichte der Zertifikate in Deutschland gab es zwei wichtige Anstöße: Der erste war das Ende des Dotcom-Booms an der Frankfurter Börse. Nachdem Millionen Deutsche in Zeiten des Neuen Marktes plötzlich Interesse an Aktien entwickelt hatten, mit dem Platzen der High-Tech-Blase im Jahr 2000 und dem anschließenden Börsenabschwung jedoch schwer enttäuscht wurden, war die Lust auf Risikoanlagen auf einen Tiefpunkt zurückgefallen.

In diese Zeit fiel die Entwicklung von Bonuszertifikaten als zweiter Meilenstein. Im April 2003 brachte das Bankhaus Sal. Oppenheim diese Neuerung an den Markt. Der Clou dabei: Mit Bonuszertifikaten konnten Anleger in Aktien oder Indizes investieren und an Kursgewinnen teilhaben. Gleichzeitig sicherten ihnen die Banken eine feste Bonuszahlung zu, so lange der zugrunde liegende Wert während der Laufzeit nie unter eine bestimmte Schwelle fiel. Ebenso wie Discountzertifikate ermöglichten die Bonuspapiere damit eine Investition an der Börse mit Sicherheitspuffer. Den Bedürfnissen der verunsicherten Anleger kam das sehr entgegen.

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